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Eine Chronik der Suizidalität

Ich war elf und setzte mir ein Ultimatum: ich wollte mir Zeit geben bis zu meinem fünfzehnten Geburtstag und wenn ich dann noch diese Ängste und seelischen Schmerzen hätte, dann wollte ich mir das Leben nehmen.

Ich war zwölf und hatte - wie ich heute vermuten würde - eine Depression. Lag Nachmittage lang auf dem Sofa und weinte. War schmerz-voll und gleichzeitig eine wandelnde Leiche. Mir fehlte ungefähr alles, was einem zwölfjährigen Kind an Zwischenmenschlichkeit nur fehlen kann. Meine Familie sah nichts und hörte nichts. Ich war schon tot. Warum nicht den Körper hinterherschicken?

Ich war vierzehn und versemmelte eine Klassenarbeit. Ungenügend. Blackout hieß es damals, aber ich war ganz ruhig. Nicht verzweifelt, keine Tränen. Es war mir egal - ich wollte mich ohnehin umbringen. Die Lehrerin bat mich um ein Gespräch. Wir redeten über eine Stunde. Ich brachte mich nicht um, sondern ließ zu, dass sie mich in eine Beratungsstelle brachte. Meine Mutter fand einen Terminzettel in meiner Hosentasche. Ich hatte furchtbare Angst, aber ich sagte ihr ins Gesicht, ich sei unter anderem ihretwegen dort. Sie brachte mich über ihre Vorwurfsschiene fast um.

Ich war sechzehn und stand noch in Kontakt mit der gleichen Lehrerin. Wir hatten regelmäßige Gespräche. Eines Tages gab ich ihr einen testamentarischen Brief. Sie fragte mich schockiert, ob ich mit meinem Leben spielte. Ich hatte Angst, sterben zu müssen. Fühlte mich krank. hatte Vorahnungen.

Ich war siebzehn und wollte mich mit einem zu tiefen Schnitt ins Jenseits befördern. Meine Familie ahnte nicht einmal, dass ich mich regelmäßig verletzte. Sie weiß bis heute nichts von den unzähligen Narben auf meinen Armen und Beinen.

Ich war achtzehn und wurde schwer depressiv, konnte nicht mehr zur Schule gehen, schlief und aß kaum, bekam Antidepressiva und Schlaftabletten. Als ich wegen totaler psychischer Erschöpfung, Dissoziationen, Selbstschädigung und zu großer Suizidgefährdung in die Psychiatrie eingewiesen wurde, fiel meine Familie aus allen Wolken.

Ich war neunzehn, seit Monaten in der Psychiatrie und hatte Impulse, mich vors Auto zu werfen. Die Gefährdung war so groß, dass ich wochenlang nur in Begleitung von Personal die Station verlassen durfte.

Ich bin zwanzig und habe noch immer viele schlechte Phasen, in denen ich sterben will. Die Suizidgedanken sind meine alltäglichen Begleiter, aber manchmal werden sie so stark, dass man mich vor mir selbst schützen muss. Aber ich will auch leben, wie ich es immer wollte, und vielleicht wird mich das auch in Zukunft vor mir schützen.
7.4.06 21:11
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Lavendel / Website (8.4.06 00:59)
ich frage mich immer wieder, ob es das war, was ich gesürt habe, als wir uns kennengelernt haben. Aber nein, das war es nicht. Ich hab nichts davonuch nur geahnt, obwohl mir ziemlich klar war, dass da was ist, dass irgendwas so gänzlich lsch läuft bei dir.
Es tut mir leid, nicht nachgefragt zu haben. Damals schon.
Ja, du hast eine ganze Dekade der Suizidalität hinter dir. Und was ist das Resultat?
Ein Leben... eine wunderbare Lebendigkeit in dir, die mich um manch ein Lächeln reicher machte.
Sei umarmt, wenn du magst, musisch angehaucht wie immer. Und ... lehn dich an. Ich hab ein breites Kreuz.

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