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Therapieergebnis #12

Meine vorletzte Stunde in Bielefeld. Wir schauten über die Protokolle der letzten zweieinhalb Wochen, fassten den Besuch meiner Patentante und den Flashback am 5. März genauer ins Auge. Es sei kein Wunder, dass es mich emotional zurückwerfe, wenn solcherlei Menschen und Dinge aus der Vergangenheit auftauchten, sagte sie. Dennoch fand sie es recht gesund, dass ich infolge meines Flashbacks so hemmungslos geweint habe - als sei ein Stück des damals nicht gelebten Gefühls endlich herausgebrochen. Aber wir versuchten auch gut im Blick zu halten, was ich alles geschafft habe und jeden Tag schaffe, einschließlich Job- (inzwischen wurde ich für ein Praktikum in einer meiner angestrebten Ausbildungsstellen angefragt) und Wohnungssuche.

Wir sprachen über Großeltern, welche Rolle meine Großeltern in meinem Leben übernommen haben, wie ich sie in Erinnerung habe - ich erzählte in erster Linie von meinem Großvater, seinen mehr oder minder subtilen Quälereien und dass ich ihn trotz des Schadens, den er mir zufügte, über alles liebe. Vielleicht habe ich gerade deswegen heute solche Angst vor ihm. Ich werde ihn niemals wiedersehen, ohne an seinem gebrochenen Herzen zu sterben... Ich muss mir nur einen Augenblick seine Augen, seinen Blick ins Gedächtnis rufen und etwas in mir bricht. Bricht so sehr und so schmerzhaft, dass mein Verstand auseinanderzufallen scheint. Während ich sprach und versuchte, nichts dabei zu fühlen, gab meine Therapeutin hin und wieder mitfühlende Laute von sich, und ich hatte fast den Eindruck, sie könne das Richtige für mich fühlen. Bei ihr kam etwas von dem Leid an.

In der letzten Woche kam es zu Selbstverletzungen, kein Schneiden, wenigstens das, sondern Schlagen gegen Möbelkanten und Beißen. Okay, es war ein Rückfall, aber es ist kein Drama, sagt sie. Das kommt vor, man sollte es ernstnehmen, aber nicht überbewerten. Noch ist keine Serie daraus geworden.

Meine Therapeutin bot mir an, Emailkontakt zu halten, bis ich hier in Bochum in eine ambulante Psychotherapie einsteige, und ich bin darüber sehr froh, denn mir war schon mulmig bei dem Gedanken, monatelang niemanden zu haben. Sie gab mir im Übrigen den Rat, hier den Fokus auf alte Rollenverteilungen zu lenken, da in dieser Hinsicht bei mir noch vieles im Verborgenen und das nicht mehr Verborgene zu großen Teilen im Argen läge. Wir wollen das Thema miteinander nicht mehr vertiefen, da sie der Meinung ist - und ich schließe mich da an - dass ich dazu einen gesunden räumlichen Abstand benötige.
12.3.06 00:38
 


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


lavendel/Janina / Website (12.3.06 18:39)
Auch wenn ich normalerweise eine, sagen wirmal, Kinderallergie habe udn pflege würde ich jetzt gern eine siebenjährige bei der Hand nehmen, auf den nächsten Spielplatz rennen und danach Geschichten vorlesen. Ob ich dabei nun selbst auch sieben Jahre alt oder weiterhin achtzehn bin, sei dahingestellt und unwichtig.


Shekaina / Website (12.3.06 19:34)
ich bin so stolz auf dich. du hast dich so sehr verändert. ich spüre, dass es DEIN weg ist und er wichtig für dich ist- nur das zählt. ich hab dich so lieb, seelenschwester

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