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"Ritzen" gegen den Stress (Artikel)

~quelle
(ich f?hl mich irgendwie ganz gut verstanden)

Um aufzukl?ren und zu informieren, lud ViaAltona j?ngst zu einer Fachveranstaltung zum Thema Borderline ein ? und pr?sentierte im Altonaer Rathaus die Ausstellung "Tagebuch borderline ? borderland" mit Grafiken der Betroffenen Martina Schwarz. Eine beeindruckende Einf?hrung gab au?erdem Prof. Dr. Ulrich Sachsse aus G?ttingen.

Selbstverletzendes Verhalten, Schwierigkeiten bei der Beziehungsgestaltung, chronische Suizidalit?t, panische Angst vor dem Verlassenwerden ? die Symptome einer Borderline-Pers?nlichkeitsst?rung sind vielf?ltig. Im Bewusstsein der ?ffentlichkeit sind Borderliner aber in erster Linie Menschen, die sich selber verst?mmeln, sich etwa mit Rasiermessern die Haut aufritzen. Um aufzukl?ren und zu informieren, lud ViaAltona j?ngst zu einer Fachveranstaltung zum Thema Borderline ein ? und pr?sentierte im Altonaer Rathaus die Ausstellung "Tagebuch borderline ? borderland" mit Grafiken der Betroffenen Martina Schwarz. Eine beeindruckende Einf?hrung gab au?erdem Prof. Dr. Ulrich Sachsse aus G?ttingen, der zum Thema "Selbstverletzung ? Symptom im Wandel der Zeit" referierte ? und sowohl Ursachen der Pers?nlichkeitsst?rung als auch Behandlungsm?glichkeiten aufzeigte.

Borderliner sind sehr gesund und sehr gest?rt
"Borderliner sind sehr gesund und sehr gest?rt, beides ist da", charakterisierte Sachsse zu Beginn des Vortrags die Pers?nlichkeitsst?rung. Die Betroffenen k?nnten schnell aus einem sehr stabilen Zustand in einen schlechten Zustand abst?rzen. Erst in den 1990er Jahren sei deutlich geworden, dass Borderliner unter Traumatisierungen leiden. Allerdings: "Alle einfachen Gleichungen sind falsch. Man kann vom Symptom keine Diagnose stellen." Das hei?t: Nicht jedem selbstverletzenden Verhalten liegt etwa ein Missbrauch zugrunde.

F?r Sachsse ist Borderline eine behandelbare St?rung, das selbstverletzende Verhalten das bestwirkende Medikament im Hochstress. "Nichts wirkt vergleichbar gut au?er Heroin." Borderline sei eine Stressverarbeitungsst?rung von Menschen, die zu schnell in Stress geraten. Ein weiteres Kennzeichen dieser Personen: schnell wechselnde Beziehungen.

Die Verlassenheitsangst des S?uglings ist eine Realangst
Das Gef?hl zu haben, man sei unerw?nscht, kann schon zu gro?em Stress f?hren. Fr?h erfahrene Ablehnung, Gewalt gegen den F?tus in der Schwangerschaft, Abtreibungsversuche, Stress in der Schwangerschaft k?nnten zu diesem Gef?hl f?hren. Unter dem Begriff Deprivation (Mangel oder Entzug von etwas Erw?nschtem) l?sst sich bereits ein Baustein f?r eine Pers?nlichkeitsst?rung zusammenfassen. Die fehlende Zuwendung der Mutter, Liebesentzug, fr?hkindliche Verlassenheit bleiben nicht folgenlos. Sachsse: "Die Verlassenheitsangst des S?uglings ist eine Realangst. Denn in der Natur w?re ein Kind bei optimalsten Bedingungen erst ab vier Jahren allein ?berlebensf?hig." Alleinsein f?hre zur Verlassenheitsdepression. Aber es gebe, so Sachsse, auch Bindungen, die Gewalt und ?bergriffigkeit bedeuten. "Ein S?ugling bedeutet Stress. Die Frage ist, wie Eltern damit umgehen k?nnen. Schaltet die Mutter einfach ab, wird die wichtige Bindung zum S?ugling unterbrochen. Schlagen M?nner zu, wird der Umgang mit Stress an den S?ugling weitergegeben." In dieser fr?hen Phase w?rden die Grundlagen f?r die chaotischen Bindungsmuster der Borderliner gelegt. Angst vor Verlassenheit, Alleinsein und Todesangst seien ein wichtiges Kriterium.

Bei Patienten mit einer Borderline-Pers?nlichkeitsst?rung tr?ten auch unkontrollierbare Spontanregressionen auf, also der Wechsel vom Erwachsensein zum Kind ? wobei nicht das mitunter infantile samst?gliche Freizeitverhalten von M?nnern auf Fu?ballpl?tzen gemeint sei, wie Sachsse bemerkte. "Borderliner sind festgefahren in kindlichen Bindungsmustern, haben gleichzeitig sowohl Misstrauen als auch Sehnsucht nach intensiver N?he."

Wie reagiert eine zerst?rte Kinderseele auf Misshandlung und sexualisierte Gewalt?
"L?sungen" sind laut Sachsse Depersonalisation (Ver?nderung der Selbstwahrnehmung, die Person f?hlt sich fremd im eigenen K?rper), Derealisation (Gef?hl der Unwirklichkeit, die Umwelt wird als fremd oder ver?ndert wahrgenommen) und Dissoziation (Unterbrechung des Stroms des Bewusstseins, Abspaltung von Gef?hlen, K?rperwahrnehmung und Emotionen, der Erinnerung, der Identit?t und der Wahrnehmung der Umwelt). Von innen werde die Welt drau?en beobachtet. Manche litten unter ?ngsten und Phobien, andere versuchten die Flucht nach vorn durch K?rperkontrolle, etwa mit Hochleistungssport.

Symptomausl?send, so Sachsse, sei oft eine zuf?llige Verletzung. Es setze eine Notfallreaktion des K?rpers ein, was die Wirkung eines Antistressivums habe. Sachsse: "Sch?n, wenn es ein Antistressivum auf dem Markt geben w?rde." So bleibe aber die Selbstverletzung die einzige M?glichkeit, wieder den eigenen K?rper zu f?hlen, Stress abzubauen. Der Verstand soll wieder funktionieren. K?rperentstellung k?nne aber auch dem Selbstschutz dienen, um zum Beispiel sexuell unattraktiver zu wirken.

Die Dialektisch-Behaviorale-Therapie (DBT)
Bei der Behandlung von Borderline hat sich die Dialektisch-Behaviorale-Therapie (DBT) weitgehend durchgesetzt. Ziel ist es, zuerst das Verhalten der Patientinnen zu ?ndern, bevor mit einer Traumatherapie begonnen wird. Bei Menschen mit Traumafolgest?rungen kann es zu einer Verinnerlichung der T?ter (sog. T?terintrojekte) und einer Fixierung der traumatischen Zust?nde im Sinne von kindlichen Zust?nden (sog. "inneres Kind") kommen. Die unverarbeiteten Erfahrungen aus der Kindheit beeinflussen unbewusst das Verhalten als Erwachsener. Indem es dem Patienten gelingt, sich aus der Identifikation mit dem verletzten Kind zu befreien, k?nne er alte Muster durchbrechen, sich von der Vergangenheit l?sen und zu einem erf?llten Leben finden ? so die Trauma-Therapievorstellung.

Sachsse schilderte seine Arbeit mit dem "inneren Kind" in der traumazentrierten Psychotherapie. Hintergrund: Die nachhaltigste Auswirkung des Traumas auf die Psyche liegt vermutlich im Verlust der F?higkeit zur Selbstregulation. Die einst erfahrene Ohnmacht und Hilflosigkeit wird wieder und wieder im eigenen Inneren inszeniert und erlitten. In der Therapie werde nun mit der Vorstellung gearbeitet, dass zwei Erwachsene, die erwachsene Patientin und die Therapeutin, sich um ein verlassenes, gequ?ltes Kind (oder ein "j?ngeres Ich") k?mmern, so Sachsse. Die Hauptaufgabe des Therapeuten bestehe nun darin, die erwachsene Patientin zu ermutigen, zu unterst?tzen, sich um ihr ?inneres Kind? (bzw. ihr j?ngeres verletztes Ich) zu k?mmern. "Die Patientin muss f?r sich eine therapeutische Funktion ?bernehmen, wenn es ihr schlechtgeht", so Sachsse.

Eine Regression werde in der Beziehung nicht gef?rdert, meint Sachsse. "Es wird der Patientin gesagt, sie solle die Kindzust?nde nicht annehmen und bei Regression wird darauf bestanden, dass sie wieder in den Erwachsenenstatus kommt."

Der Neuaufbau einer guten inneren Welt dauert lange.
Dabei helfen Imaginationen. Gute, heilsame Bilder k?nnen nach und nach ein Gegengewicht zu den schlechten Bildern schaffen, von denen sich die Patientin beeinflusst wahrnimmt. "Behandelt werden in der Therapie letztlich Phantomschmerzen und Phantomgef?hle, wobei die Gegenwart nat?rlich untraumatisch sein muss", bemerkte Sachsse. Er selber pl?diert bei traumatisierten Patientinnen auch f?r eine Arbeit in einem dritten Raum mit Spieltherapie, Tanz, Gestaltgebung.

Die Zahl der Borderliner nimmt zu. Warum? "Bei Zweidrittel der Borderliner steht sexualisierte Gewalt im Hintergrund", so Sachsse. Dies sei ein Dauerthema in den Medien, man komme praktisch nicht daran vorbei, wenn man betroffen sei. Weitere m?gliche Gr?nde seien fehlende private Orientierung, der Verlust von Normalit?t im Privatleben. Dies sei fr?her als offene Problematik seltener gewesen. Eine andere M?glichkeit: Dass die von Freud so bezeichneten Hysteriker in Wahrheit Borderliner waren.

Stichwort: Borderline
Nach dem dsm-IV: dem diagnostischen und statistischen Manual psychischer St?rungen liegt eine Borderline-Pers?nlichkeitsst?rung mit gro?er Wahrscheinlichkeit dann vor, wenn ein Mensch unter mindestens f?nf der folgenden neun Symptome leidet:
verzweifeltes Bem?hen, tats?chliches oder vermutetes Verlassenwerden zu vermeiden
ein Muster instabiler, aber intensiver zwischenmenschlicher Beziehungen, das durch einen Wechsel zwischen den Extremen der Idealisierung und Entwertung gekennzeichnet ist
Identit?tsst?rung: ausgepr?gte und andauernde Instabilit?t des Selbstbildes oder der Selbstwahrnehmung
Impulsivit?t in mindestens zwei potentiell selbstsch?digenden Bereichen: Geldausgeben, Sexualit?t, Substanzmissbrauch, R?cksichtsloses Fahren, Fressanf?ll
Wiederholte suizidale Handlungen, Selbstmordandeutungen oder Selbstmorddrohungen oder Selbstverletzungsverhalten
Affektive Instabilit?t infolge einer ausgepr?gten Reaktivit?t der Stimmung
Chronische Gef?hle von Leere
Unangemessene, heftige Wut oder Schwierigkeiten, die Wut zu kontrollieren
Vor?bergehende, durch Belastungen ausgel?ste paranoide Vorstellungen oder schwere dissoziative Symptome.

Als Gr?nde f?r die Borderline-St?rung gelten sowohl Umwelt- als auch genetische Faktoren. Studien zeigen, dass viele, aber nicht alle BPS-Patienten, eine Vorgeschichte aufweisen aus Miss-
brauch, gest?rten Beziehungen zu den Eltern, ?ber- oder unterengagierte Eltern, Vernachl?ssigung oder Trennung im jungen Alter. Das ambivalente Elternhaus spielt hier eine wichtige Rolle, denn fast alle Betroffenen berichten ?ber wenig f?rsorgliche, wenig emotional unterst?tzende Eltern, die gleichzeitig diffuse Erziehungsstile und ?berkontrolle anwenden. Ebenfalls kommt k?rperliche
Misshandlung h?ufig vor. 40 bis 71 Prozent der BPS-Patienten berichten von einem sexuellen Missbrauch.

Michael Freitag in Eppendorfer 1/2006
29.3.06 16:55
 


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