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Therapieergebnis #9

Die letzte Therapiestunde h?ngt mir nach. St?ndig muss ich nachdenken. Wir sind unter die Oberfl?che gegangen und es hat wehgetan.

Diese Postkarte, die ich nicht gefunden habe - ich erz?hlte davon und ich erz?hlte davon, dass ich die Dose in der Dosenpyramide war, die, wenn man sie herauszog, die ganze Pyramide zum Einsturz brachte. Ich wusste es und ging trotzdem. Und ich habe solche Schuldgef?hle... immer noch. Sie werden weniger oder ich bekomme sie besser in den Griff, aber sie sind da und ?berschatten jedes sorglose Dasein.

Wir sprachen ?ber die Absurdit?t vieler Abl?ufe, Szenen, des Alltags in meiner Familie. Meine Therapeutin fragte mich: Was denken Sie davon, wenn sie sich das so erz?hlen h?ren? Und ich sagte, es sei verr?ckt. Verdreht. Ja, das ist es, und Sie fragen sich noch, warum ihre Wahrnehmung verzerrt ist? Sie musste es sein, damit Sie in der Familie ?berleben konnten, Sie waren ein Kind und mussten sich anpassen.

Sie sagte, wenn sie h?re, was ich da erz?hle, w?rde ihr ganz kalt. Und: ich h?tte ganz sch?n krank werden m?ssen, um da herauszukommen. Ich bin krank geworden, um auszubrechen? Ich wei? es nicht. Vielleicht. Vielleicht nicht. Vielleicht nicht nur. Sicher ist, dass ich krank geworden bin, um zu ?berleben.

Ich verstehe und will doch nicht verstehen. Noch immer f?llt es mir schwer, zu akzeptieren, dass in meiner Familie viele Dinge pervers waren. Die Schuldgef?hle sperren sich dagegen. Ich schreibe hier immer wieder von Missbrauch - meine Therapeutin sprach es auch wieder aus: Sie sind missbraucht worden, eiskalt, man hat Sie f?r alle m?glichen Zwecke benutzt, alles ist bei Ihnen gelandet, der gesamte M?ll Ihrer Familie, von ungelebten Gef?hlen bis Aufforderungen, Dinge zu tun und Verantowrtung zu tragen, die sie nicht leisten und tragen konnten... Mein Kopf sagt es mir, wenn ich klar denken kann: Ich bin Opfer, kein T?ter. Ich war ein Kind. Ich bin ?ber viele Jahre hinweg missbraucht worden. Und daf?r bin ich noch ziemlich gesund. Nur gef?hlsm??ig checke ich es immer noch nicht.

Meine Therapeutin gab mir im Anschluss ein Buch ?ber E?st?rungen mit, in dem es nicht in erster Linie um E?st?rungen geht - aber bei mir gehe, es ja auch nicht vornehmlich um E?st?rungen, sagte sie. Ich lese es, aber ich bin noch nicht sehr weit; hier in Bochum habe ich kaum Zeit zum Lesen. Es gibt Dinge, die mir bekannt vorkommen und die mir dementsprechend wehtun. Anderes kann ich schlecht nachvollziehen. Sie sagte, sie h?tte bei unserem Protokoll den Impuls gehabt, mir dieses Buch mitzugeben, und sie neige dazu, solche Impulse auszuagieren (eine entsprechende Bemerkung verkniff ich mir), und n?chsten Montag k?nne ich ihr das Buch gerne vor die F??e pfeffern, wenn ich es doof f?nde. Mal sehn...

Jetzt h?re ich Rosenstolz - Bastard, das hilft, die Dinge ein bisschen wegzuschieben.
10.2.06 16:00
 


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Shekaina / Website (10.2.06 18:40)
irgendwann kommt der zeitpunkt, wo du zurückschauen kannst und es annehmen wies war. die schuldgefühle schützen auch vor zu grossem schmerz- denn mit ihnen musst du nicht vollständig akzeptieren, dass du opfer warst. verstehst du? damit hast du noch ein stück kontrolle über deine vergangenheit und kannst immer noch ein bisschen schmerz abziehen, weil du ja AUCH schuld warst wie du denkst. diese dinge gehen schleppend, aber es sind innere prozesse und irgendwann da kannst du das aushalten und dich als opfer akzeptieren.
ich denk an dich...das hat mich grad sehr berührt und an meine eigene geschichte- wiedermal- erinnert


myschkin / Website (10.2.06 18:53)
Es ist manchmal nicht erträglich, das eigene Leiden in Relationen zu sehen, doch wieviele Menschen haben überhaupt Niemanden, dem sie sich anvertrauen können, und wieviele haben ebenso Niemanden, der sie festhält und liebkost? Das ist alles so verrückt, was Du hier schreibst, es ist widersinnig, Du hast so vieles, was andern nicht gegönnt ist, und leidest dennoch unsäglich. Weißt Du, manchmal versuche ich daran zu denken, wie gut es mir geht, dass ich verhältnismäßig gesund bin, und dann vergesse ich den kleinen Knacks in meinem Kopf und die Stunden, die ich apathisch oder ängstlich verbrachte, dann denke ich, dass dieses Leben ein kostbares Geschenk ist, und dass ich nicht das Recht habe, mich schlecht zu fühlen, sondern dass es meine Aufgabe ist, ein guter Sohn, ein guter Bruder, ein guter Mensch zu werden und allen Menschen mit Liebe zu begegnen. Vergesse nicht, dass Du gesund bist, dass Du lebst, dass Du sehen kannst, dass Du Musik hören und lieben kannst, dass Du Freude und Leid kennen darfst, Lachen und Weinen, in allem ist Schönheit, vergesse das nicht.

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