Startseite
  Über...
  Archiv
  Gästebuch

 

https://myblog.de/geistmoerderin

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Janusgesicht

Zwei Seiten. Zwei Blickwinkel. Zwei Willen. Zwei Meinungen. Zwei Gefühlsstandpunkte. Hin- und hergerissen.

Emotional ist nichts in Ordnung. Gar nichts. In den letzten Monaten habe ich immer wieder gelesen und gehört: "Ich bewundere deine Einstellung. Ich bewundere, was du geschafft und geleistet hast. Ich bewundere, wie du deinen Weg gehst." - Das tue ich und ich lasse mich nicht mehr davon abbringen. Aber in mir tobt immer noch das Chaos und meinen eigenen Erfolge verbieten mir immer mehr, es auszusprechen. Es gibt Bilder, Gedanken und Wünsche in mir, die ich nicht einmal hier (noch) zu schreiben wage. Mein Denken bewegt sich in zwei Richtungen und zerrt an mir. Meine Gefühle klaffen mit jedem Tag mehr auseinander. Es sieht so gut aus - aber in mir ist es so finster und hässlich.

Ambivalenz. Affektiv. Voluntär. Intellektuell.

Ich wünsche mir, clean zu bleiben, ich wünsche mir, nie wieder dermaßen abgeschossen zu sein, nie wieder so unglücklich alkoholisiert. Und gleichzeitig will ich diesen inneren Wahnsinn zurück, dieses Getriebensein, die Skrupellosigkeit, die Schmerzen. Die verdammten Schmerzen will ich wiederhaben. Mein Leben will ich wiederhaben, wie es mal war. Das Wissen, da hinten habe ich eine Klinge und ich muss nur drei Schritte machen und das Verbandszeug zurechtlegen... 24 Stunden am Tag kämpfe ich für die eine Seite und gegen die andere. Ich bin immer noch gefährdet. Meine Gedanken kreisen um Suizid, Tablettenmissbrauch, SvV.

Es ist nicht alles gut und niemand hat je behauptet, dass es leicht wäre. Niemand hat behauptet, dass es jemals wieder gut werden würde. Und vielleicht wird es das auch nicht.

Janus, der Blick in die Vergangenheit und gleichzeitig in die Zukunft. Janus, das Tor, in dem ich stehe. Die Grenze, auf der ich balanciere, die Grenze zwischen schwarz und weiß.

Ich bin
ein Janus
vergiss das nicht
17.2.07 19:21
 


bisher 6 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Nachtflug / Website (17.2.07 19:28)
So lange das, was du damals, bis vor kurzem noch, gelebt hast, wärmer und vertrauter ist, als das, was du lebst, wird es auch schwer bleiben. Ich weiss nicht, ob es jemals "leicht" sein wird, dieser Welt der Extreme zu widerstehen, denn es ist eine wirklich sehr harte - aber einfache - Welt. Aber leichtER wird es.
Du wirst wohl immer mehr um dein Leben kämpfen müssen, als andere. Aber auch du wirst eine Normalität erreichen können, deine Normalität. Gib nicht auf, so schwer es auch innerlich sein mag und so kompliziert und lichtlos es im Vergleich zur Aussenwelt aussehen mag. Es wird besser, wenn du nur weiterkämpfst. Glaub es dir, denn darum kämpfst du.


shekaina (17.2.07 19:34)
das ist mir sehr vertraut.
weisst du. ich denke, genau das ist es ja: wir halten sehr an unserer krankheit fest, wenn wir ehrlich sind, weil... sie hat uns doch auch was gegeben, da brauchen wir uns nichts vorzumachen. es war manchmal unendlich schwer, aber manchmal einfacher.
es ist einfacher drei schnitte zu setzen, als sich den ganzen tag zur wehr zu setzen.

aber ich glaube, dass das gefühl unserem starken kopf nachkommt. das muss vom kopf in den bauch rutschen und das braucht länger, so sagt es auch meine theraptuin immer.

lass dir zeit. du DARFST diese gedanken AUCH haben,
ich hab dich lieb!


M. / Website (17.2.07 19:46)
Der Text könnte von mir sein, ich hab die gleichen Gedanken, immer und immer wieder.


Elena / Website (17.2.07 21:13)
Ich kann den anderen nur zustimmen. Leider wird es nie so normal sein wie es für die anderen normal ist. Ich denke auch dass man den Gedanken, dass da eine Klinge liegt und man sie doch nur in die Hand nehmen braucht nie wirklich loswird.
Leichter wird es sicherlich. Und auch normal - auf eine gewisse Art und Weise. Und manchmal sehnt man sich eben nach den Extremen, gerade um sich selbst mehr zu spüren (zumindest ist es bei mir so).

Ich bin sicher du schaffst es auch ohne. Auch wenn es nicht leicht ist und auch nicht sein wird.
Ich wünsche dir ganz viel Kraft auf deinem Weg!


Kindheitstraum / Website (18.2.07 18:16)
irgendwie macht es mir angst deine seite zu lesen...ich lese auch meine gedanken..gedanken die ich nicht in worte zu fassen vermag..gedanken vor denen ich davonlaufe...ich kann sie nicht mehr aufschreiben. Sie nicht mehr aus meinem Kopf heraus verbannen. Aber es tut gut zu wissen das du es kannst..es ist nicht dasselbe als wenn ich meine eigenen gedanken wohl dosiert abgebe..aber immerhin..
sei stark.


Helena / Website (20.2.07 10:49)
ach Du... Du sprichst mir aus der Seele...... ich verstehe Dich wirklich..

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


Die Datenschuterklärung und die AGB habe ich gelesen, verstanden und akzeptiere sie. (Pflicht Angabe)

 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung