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Meine Psychiaterin

Ich werde verrückt vor Schmerzen. "Wir lassen Sie damit nicht alleine, Frau K.!" Sie klingt herzzerreißend mitfühlend. Unterleibsschmerzen. Ich hatte eine Zwischenblutung, ich kann kaum aufstehen. "Ich spreche mit Ihrer Gynäkologin - Sie müssen nichts erzählen und sie wird entsprechende Vorsichtsmaßnahmen treffen." Toll, wenn man Benzodiazepine braucht, damit man diese simple Untersuchung übersteht.

Mein Kopf lässt mich nicht in Ruhe. Flashbacks nehmen mich alltäglich gefangen. "Es sind massive Flashbacks, oder?" Nicken. Dissoziationen. Blackouts. Ich mache alle halbe Stunde Notizen. Schreibe Tagespläne. Es ist eine Krise.

"Dass Sie in dieser Krise nicht suizidal geworden sind, das überrascht mich - positiv. Ich hätte das nicht erwartet. Sie können stolz auf sich sein!" Bei allem Leid muss ich lächeln. Immer brauche ich die Anerkennung von außen, damit ich selbst sehen kann, was mir dennoch gelingt.

Die Schlaftabletten soll ich weiter täglich nehmen. "Ich bin eigentlich geizig mit Medikamenten. Aber ich glaube, dass Sie im Moment einigermaßen schlafen können, ist auch ein Grund, dass sie bisher nicht suizidal geworden sind. Schlaf ist sehr wichtig für Sie, besonders in so instabilen Phasen."

"Wir lassen Sie damit auf keinen Fall alleine, Frau K.!" Sie betont es zum Abschied nochmal. Ich bin dankbar.
7.6.07 23:00


SO fertig

Ich denke darüber nach, die Therapie abzubrechen. Das hat doch alles keinen Sinn. In meinen Leben bricht so viel weg im Moment... ich versuche, es irgendwie auszusprechen, mich be.greifbar zu machen - es gelingt mir nicht. Ich muss es einfach aushalten. Es kommt mir vor, als käme einfach noch eine Kriegsfront dazu und noch eine und noch eine - WIE soll ich das schaffen? Es wird einfach immer schlimmer. Ich bin total fertig. Schlafe nur noch auf dem Sofa in der Küche, bei Licht und mit drei Tabletten, zwei grünen und einer weißen. Und hänge nur rum. Ich breche die Therapie ab. Es ist sinnlos.
12.6.07 19:33


Ich fühle mich wie ein Kind,

genauso wie ich mich mit neun gefühlt habe, nur dass ich mich mit neun nicht so fühlen durfte wie eine Neunjährige. Es kehrt sich alles um. Ich sitze auf diesem Stuhl in Frau Österreichs Zimmer und möchte am liebsten die Beine anziehen und meine Arme darum schlingen, den Kopf vergraben und ganz verschwinden. Stattdessen kreuze ich die Arme über dem Bauch, senke den Blick und fühle mich wie als Kind, unmündig und stumm. Für mich bin ich immer noch ein junges Mädchen, ein Mädchen, mehr nicht, aber mit 21 bin ich eine erwachsene Frau, ich sollte es zumindest sein. Ich sollte so mündig sein, so autonom, dass ich für mich sorgen und meine Entscheidungen endlich selbst treffen kann. Ich tue es auch, Tag für Tag. Aber Teile von mir sind nicht älter als sieben oder neun oder zwölf... und immer noch furchtbar hilflos und klein. Neulich habe ich ein Foto von mir mit zehn gesehen - die Augen so alt wie die einer Rentnerin. Es ist, als wäre ein Teil von mir schon mit zehn uralt gewesen, während andere nie erwachsen werden konnten. In mir bin ich so anders, so fremd, dass ich mir niemals vertraut, niemals mit mir im Einklang sein werde.
13.6.07 19:55


Ruhigsteller

Was ich an Neuroleptika hasse, ist, dass sie mich müde machen, aber nicht ruhig. Sie vernebeln und machen handlungsunfähig, aber sie bringen keine Erleichterung, es sind einfach nur Ruhigsteller. Ich hasse es, ruhiggestellt zu sein, es macht mir Angst, ich habe das Gefühl, nicht mehr genügend auf mich und meine Umgebung aufpassen zu können, weil die Medikamente meine Sinne trüben und meine Reaktionen verlangsamen. Diese Ohnmacht ist für mich viel schwerer zu ertragen als meine dauernde Unruhe, Angst und Rastlosigkeit.

Ein einziges Medikament gibt es, das anders - "richtig herum" - auf mich wirkt, das mich ruhig macht, aber nicht müde: Tavor. Es ist ein gefährliches Medikament, das sehr schnell abhängig machen kann, aber es ist das einzige, das mir hilft statt mich nur noch hilfloser zu machen.
17.6.07 14:12


Point of no return

Irgendwas zwischen uns ist so unwiederbringlich verloren gegangen, dass ich nicht mehr weiß, wo ich dich finde. Ich wünschte, ich könnte dich wieder zurückholen, ich wünschte, ich könnte die Zeit zurückholen, die zwischen uns lag. Du fehlst mir mehr, als irgendjemand begreifen kann. Ich weine jeden Abend um dich, wenn mich niemand sieht und hört... und ich bin so einsam ohne dich, wie ich nie zuvor in meinem Leben war - denn du, du hast in meinem Leben eine Lücke gefüllt, von der ich vorher nicht mal wusste, dass sie existiert. Eine Ohne.Dich ist für mich unvorstellbar geworden, absolut unvorstellbar.

Wir müssen uns neu ordnen. Was bleibt uns? Was bleibt? "Von deiner Seite sind jetzt viele." Aber niemand ist wie du. Niemand kann mir jemals so nahe kommen wie du.
17.6.07 14:12


Es macht noch mehr mit mir

Das Gefühl, dass es alles ändert, darüber zu sprechen. Ihr weicht schockiert zurück - jetzt bin ich fremd. Ent.fremdet. Ich bin nicht mehr die, für die ihr mich hieltet, ich bin nicht mehr das, was ich euch bedeutet habe. Ich habe meine Geschichte mit nur zwei Worten für euch simplifiziert und dadurch alles beendet. Das war´s.

Das ist mehr, als ich ertragen kann. Es ist Front x+1 und ich fühle mich unsagbar verlassen.
18.6.07 12:30


Cocktail

Vier Medikamente jeden Abend, um einige Stunden Schlaf zu erzwingen. Dominal zum Runterfahren, Zolpidem zum Einschlafen, Chloraldurat zum Durchschlafen, Seroquel gegen Unruhe, Angst und Flashbacks. Sechs Tabletten mit einem Glas Wasser, ein Cocktail, der mich jede Nacht vor Schlimmerem retten soll.

"Wenn diese Phase vorbei ist, dann räumen wir mit Ihren Medikamenten auf."
Diese Phase. Diese Phase ist die kraftraubendste und die einsamste, die ich je erlebt habe. Noch nie war ich so auf mich selbst zurückgeworfen, nie habe ich so deutlich gespürt, dass niemand mir helfen kann, einfach niemand. Nicht mal ich selbst. Dass ich da einfach durch muss und dass es immer schwerer werden und mich immer mehr bedrängen wird, je länger ich davorstehe und warte, dass irgendwer mir sagt, ich muss das nicht alleine schaffen.

Diese Phase ist keine Phase. Sie ist ein Point of no return, es gibt einfach kein Zurück mehr, meine eigene Ehrlichkeit nimmt mir alles weg und zwingt mich auf einen neuen Weg, den ich nicht gehen möchte, weil er zu schwer für mich ist.

Bleibt mein Cocktail. Ich habe die Nacht mal geliebt, jetzt möchte ich entkommen - mithilfe von sechs Tabletten, zwei grünen, zwei orangen, einer weißen und einer dunkelroten. Gute Nacht, Welt.
23.6.07 21:56


Einen Schlussstrich ziehen

Immer häufiger denke ich daran, diesen Blog zu löschen oder ihn zumindest nicht mehr für andere zugänglich zu machen. Vielleicht steige ich wieder auf das altbewährte Notizbuch in der Handtasche um, das mich so viele Jahre begleitet hat. Nicht jeder Gedanke muss eingeordnet und archiviert werden. Nicht jeder Gedanke darf zwanghaft eingeordnet und archiviert werden. Ich spüre, wie weit ich weg bin, wenn ich hier bin. Wie wenig mich jeder einzelne Satz kostet, weil ich nicht mehr darin bin. Eine Taste, ein Buchstabe. Eine Tastenfolge, ein Wort. Und... vielleicht bin ich aus dieser Welt gebrochen, der Welt des geschriebenen Wortes, so wie ich aus allem herausgebrochen bin, einfach aus allem. So wie mich meine Vergangenheit aus allem herausgebrochen hat.
27.6.07 12:29





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