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Realitätssucher #1

Ich habe vor einer Weile mal meiner Grundschullehrerin geschrieben. Vorgestern kam ein Brief zurück, der schon einige Anworten enthält, ohne, dass ich genauer danach gefragt hätte.

"Du hattest deine Vorstellungen und hast Dich nicht sehr schnell beeinflussen lassen. [...] Für Aufsplitterung Deiner Gefühle und Handlungen war schon früh bemerkbar eine Abneigung deutlich. Du warst eher auf Dich zurückgezogen und - wie ich fand - in Dir gefestigt. Was hat dich so durchgeschüttelt oder - erschüttert?"

Wie kann es sein, dass dieses Kind, das ich war, heute mit der Diagnose Borderline dasteht, mehrfach die Schule abgebrochen hat, mehrfach in stationärer Behandlung war... anscheinend einfach nicht lebensfähig ist? Wie kann ein Mensch sich so sehr verändern? Habe ich das überhaupt? Täuscht sie sich oder täusche ich mich in mir?

"Du hast Angst vor dem Rest deiner Familie, schreibst Du. [...] Habe ich mich getäuscht? Warst Du nicht gut aufgehoben und aufgefangen?"

Heute würde ich sagen, nein, das war ich nicht. Aber der Brief zeigt mir, dass ich entweder eine verdammt gute Schauspielerin war, oder mir heute alles nur einbilde. Wie kann ein Kind auf der einen Seite so verkorkst sein, dass es schon mit sechs Diebstähle begeht und mit acht alles und jeden belügt... und auf der anderen Seite den Eindruck erwecken, es sei übernormal, fröhlich, liebeswert und gut aufgehoben? Kann ein Kind so aufgespalten reagieren und gleichzeitig noch den Eindruck machen, als sei es "in sich gefestigt"?

"Du bist so ein prächtiger Mensch mit klugem Verstand und hoher Kritikfähigkeit. Du bist schon immer besonders gewesen. Da kann das Leben oft doppelt so schwer sein."

Bin ich einfach nur übersensibel? Nicht dickfellig genug? Überintelligent? Bilde ich mir alles nur ein? Bilde ich es mir ein, um einen Grund dafür zu finden, dass ich so kaputt bin?
2.5.07 12:18


Ein bisschen mehr Blindheit

Immer ist diese Angst in mir, nicht adäquat zu reagieren. Zu heftig zu sein, zu emotional, zu sehr ich selbst. In der Therapie halte ich kaum Blickkontakt. Ich spüre zu viel von den Blicken, die mich abtasten und abschätzen. In meiner Akte steht, ich sei arm an Gestik und Mimik. Es ist nur ein Versuch, die Kontrolle zu behalten, nicht zu viel zu sagen, immer ein bisschen undurchschaubar und unnahbar zu bleiben. Ich möchte nicht zeigen, wie tief mich alles berührt. Wie umfassend ich fühle.
3.5.07 18:48


Allein

Ich fühle mich furchtbar allein mit dem Missbrauch. Nach wie vor allein. Wer kann ihn fassen? Wer glaubt mir? - Gleichzeitig will ich damit allein bleiben, ihn hüten, ihn verstecken. Ich möchte nicht, dass jemand Konsequenzen daraus zieht. Ich möchte nicht, dass jemand meinen Vater verurteilt und meine Anklage dazu benutzt. Nach wie vor bin ich von ihm, von seiner Gnade und Gunst, abhängig. Er finanziert meinen Lebensunterhalt. Er würde es mir nie verzeihen, wenn ich ihn verraten würde. Irgendetwas in mir steckt immer noch tief in diesem Familiensystem und in den alten Werten - die Fassade meiner Eltern, an die sie beide fest glauben, ist alles, mein eigenes Leben bedeutet nichts. Ich kann nicht gegen die Regeln verstoßen, die früher mein gesamtes Leben bestimmt haben.
3.5.07 19:59


Cat

Morgen fliegt sie. Von Frankfurt aus. Nach Australien. Für ein Jahr.

Wir sind zusammen zum Gymnasium gegangen, obwohl unsere Mütter das verhindern wollten. Familienfehde. Aber irgendwie sind wir dann doch in der gleichen Klasse gelandet und waren ganz schnell unzertrennlich. Wir hatten fast den gleichen Schulweg und sind immer zusammen gegangen und später mit dem Rad gefahren. Um die Familienfehde haben wir uns gar nicht gekümmert.

Wir wohnten dicht am Wald, sind stundenlang dort umhergestreift und haben geredet. Ich kannte jeden Pfad, jede kleine Abkürzung, ich habe niemals die Orientierung verloren. Der Wald war unser Reich. Wir haben uns mit einigen der Nachbarskinder, Cats Bruder und seinem besten Freund zusammengetan und haben die Gegend unsicher gemacht, den Botanischen Garten und den Tierpark, haben Räuber und Gendarm gespielt, bis es dunkel wurde.

Später haben wir gemeinsam herumgehangen, Unfug gemacht, Bier getrunken, Doppelkopf oder Trivial Pursuit gespielt und komische Leute kennengelernt. Cat hat dafür gesorgt, dass ich nicht in meinem Zimmer vereinsamt bin. Ich habe ihr im Gegenzug die Lust an Büchern vermittelt. Heute liest sie wie eine Irre, besonders Fantasy und historische Romane oder Thriller. Gemeinsam haben wir beide immer davon geträumt, mit Schwert oder mit Pfeil und Bogen bewaffnet Drachen zu jagen oder fantastische Gegner zu besiegen.

Wir waren ein paar Mal zu zweit an der Nordsee. Einmal, das war im Winter über Silvester, waren wir auf Borkum. Wir hatten die Jugendherberge ganz für uns, die Strände waren wie ausgestorben und es war eiskalt. Ich habe diese Zeit mit ihr unglaublich genossen. Cat und ich, wir konnten uns gegenseitig in Ruhe lassen. Ich glaube, dass hat uns oft zusammengehalten. Wir gingen, wohin wir wollten. Gemeinsam oder allein. Wenn ich allein an den Strand wollte, dann hat sie es akzeptiert. Wenn sie einfach nur ein Buch lesen wollte, ganz für sich, dann habe ich das ebenfalls akzeptiert.

Als ich 2004 begann, mein Leben umzukrempeln, habe ich die meisten Menschen einfach daraus gestrichen. Cat nicht. Wir sind uns zu nahe, selbst wenn wir getrennt sind. Sie hat ihr Abitur gemacht und dann eine Ausbildung angefangen. Anfang 2007 hat sie sie hingeschmissen und angefangen zu jobben. Es zeigt nur wieder, dass sie genauso radikal sein kann wie ich, und dafür liebe ich sie nur noch mehr. Verrückt sein, sagt sie immer, liegt bei uns in der Familie. Es gibt genügend Beispiele dafür.

Wir hatten über die letzten drei Jahre nur sporadischen Kontakt, aber wenn wir uns wiedersehen, ist alles wie immer. Wir lachen und reden und fühlen uns in der Gegenwart des anderen wohl. Wir drängen uns zu nichts. Wir können einfach sein. Das ist wunderbar, das Wunderbarste, was eine Beziehung hergeben kann.

Jetzt fliegt sie also nach Australien - Work and Travel. Australien, das war immer schon ihr Traum. Cat ist eine Träumerin, sie baut Luftschlösser und dann hält sie daran fest, jahre-, jahrzehntelang. Ich vermisse sie jetzt schon, obwohl sich für uns gar nicht so viel ändern wird. Wir werden wieder ein Jahr lang sporadischen Emailkontakt haben und wenn wir uns nächstes Jahr wiedersehen, sind wir beide reifer, aber immer noch dieselben. Und wir werden uns in die Arme fallen und glücklich sein, dass wir bei dem anderen so zu Hause sind.
7.5.07 14:32


Affekt

Tavor. Melperon. Der Versuch, einfach im Nebel unterzutauchen. Aber es reicht nicht. Es reicht nie.

WARUM HAST DU MIR DAS ANGETAN? Ich hasse dich, hasse, hasse, hasse dich! Verdammt, ich hab solche Angst, dich jemals im Leben wiederzusehen... Ich will lieber sterben, als dir je wieder unter die Augen zu treten!

Die Angst, immer diese ständige Angst, meine allgegenwärtige Begleiterin. Ich bin es so müde... bin so müde. Ich will nicht mehr. Keinen Schritt mehr. Ich will mir nur noch die Arme bis zum Anschlag aufschlitzen. Mir die Kehle durchschneiden. Manchmal träume ich davon, dass jemand hier hereinkommt und mich tötet. Ich wünschte, es würde passieren.

Ich wünschte, man ließe mich endlich gehen.
7.5.07 18:10


Endlich nach Monaten

habe ich wieder einen Termin beim Anwalt gemacht - wegen des Mietrechtsfalls um meine alte Wohnung in Bielefeld. Vor einer Woche kam der letzte Brief von meiner alten Vermieterin, dieser Knalltüte, bzw. vielmehr von ihrem Sohn. Den schickt sie wohl jetzt vor, weil ich mich mit dem immer gut verstanden habe. Es ist zum Schreien. Meine Ex-MBW und ich sollen über 200,- € für vier Monate NK nachzahlen, andere im Haus sogar über 700, - € fürs ganze Jahr, wenn man sich das recht überlegt, ist es der reinste Betrug - immerhin wurden die durchschnittlichen Nebenkosten vorher viel zu niedrig für alle(!) veranschlagt. Ich könnte diese Frau erstechen. Wenn hier irgendjemand nach Bielefeld ziehen will - fragt mich vorher, wie sie heißt, und zieht da keinesfalls ein. Wenn das mit den NK ja alles wäre! Aber ich könnte da noch ganz andere Geschichten erzählen, wie man uns unsäglich übers Ohr gehauen hat - von Haustierverbot über Schimmel, den wir verursacht haben sollen, bis hin zu Renovierungsarbeiten, die wir komplett zahlen sollen - wer hier schon länger liest, kennt das eine oder andere von der Geschichte. Und von meiner MBW muss ich auch noch einen Schrieb einklagen, der besagt, dass die Kaution, die ich damals gezahlt habe, auch an mich ausgezahlt werden darf. Das Schlimmste daran ist, dass mein Vater mir das Geld für Kaution für diese Wohnung als Kredit gegeben hat. - Nun gut, ich werde von dieser Frau noch den letzten Cent einklagen, wenn es sein muss.
10.5.07 12:25


Die letzte Nacht

war wieder Horror. Trotz Schlaftabs bin ich immer wieder aufgewacht und hatte starke Angstzustände. Morgens waren die Geräusche so vertraut, dass ich mir eingebildet habe, bei meinen Eltern im Haus zu sein, und das hat alles nur noch schlimmer gemacht. Ich habe Frau Österreich angerufen, aber sie war nicht zu erreichen, dann wollte ich einen Termin mit der Psychiaterin vereinbaren, zu der ich demnächst gehen will, aber die ist bis nächste Woche im Urlaub. Also die nächsten Nächte weiter allein durchstehen. Ich überlege schon, ob ich einfach tagsüber schlafe und nachts arbeite, es gibt ohnehin einiges zu tun. Die Nächte sind einfach kaum mehr auszuhalten.
10.5.07 12:59


Der erste Eindruck

"Wenn Sie meine Eltern kennenlernen würden, würden Sie sie für total harmlos halten - und mich für vollkommen verrückt."

"Wenn ich Ihre Eltern kennenlernen würde, dann würde ich möglicherweise denken, sie wirken harmlos, aber ich könnte dann auch Sie noch besser verstehen, denn das gehört ja mit zu Ihrem Problem: Dass Ihre Eltern so harmlos wirken, dass nie jemand geglaubt hat, sie könnten derartig grausam zu Ihnen sein."
10.5.07 13:31


Nottermin

Gestern um 18:30 Uhr noch einen Nottermin bei Frau Österreich. Sie spricht durch den Nebel zu mir, den die Medikamente in mir ausbreiten, versucht, mich zu erreichen. Es fällt mir schwer, mich zu konzentrieren. Muss wieder und wieder weinen. Gegen meinen inneren Schmerz können nicht mal Benzos etwas ausrichten.

"Ich würde Sie gerne noch in die Notaufnahme schicken. Vielleicht können die Ihnen noch etwas für die Nacht verschreiben."

Ich weigere mich. Nicht die Notaufnahme - die werden mich nicht gehen lassen. Und ich will nach Hause.

Mein Kreislauf versagt. Ich kann kaum aufrecht sitzen, kann kaum etwas sehen, überall weiße Flecken, ein Rauschen im Kopf. Frau Österreich spricht weiter, aber ich höre nicht mehr, was sie sagt. Sie beugt sich weiter zu mir vor. Ich versuche, mich unter Kontrolle zu bekommen. Es geht nicht.

FLASHBACK

Ich bin ausgeliefert. Vollkommen hilflos. Die Medikamente haben aus mir eine Marionette gemacht. Frau Österreich packt mich am Handgelenk. Ich weine wie eine Irre. Kann nicht aufhören, einfach nicht aufhören. Frau Österreich redet auf mich ein, die ganze Zeit. Irgendwann werde ich ruhiger. Die Medikamente halten meinen Herzschlag gemäßigt.

"Wenn die Nacht wieder so schlimm wird wie die letzte, dann fahren Sie bitte in die Notaufnahme. Und morgen rufen Sie mich bitte an. Ich gebe Ihnen meine Handynummer."

Als ich gehe, begleitet sie mich zum Auto. Ich klappe nicht zusammen. Ich lächle, so gut ich kann, wie immer.
11.5.07 13:06


Farben(Hass)Liebe

Ich färbe Klamotten von mir. Schwarz. In den letzten Jahren habe ich gelernt, schwarz zu tragen. Ich weiß, dass es mir steht. Dieses Jahr habe ich noch nichts anderes gekauft. Nur schwarz. Ich will schwärzer sein. Mehr im Dunkeln aufgehen. Mehr Nacht sein als Tag. Ich bin nicht laut. Ich schreie nicht. Niemals. Ich will keine Farbe tragen. Ich will schwarz tragen.

Als Kind habe ich rot getragen - gegen das Schweigen. Blau - für meinen Frieden. Weiß - Knochenweiß, Lichtweiß. Kräftige Farben. Bunt. Heute trage ich schwarz, grau, selten grün und lila. Ich blühe, wo und wann ich will. Ich setze Kontraste mit meinen Augen, meinem Kastanienhaar. Und verkrieche mich in meinen farblosen Klamotten.
12.5.07 19:52


Geschwächt

Zum unzähligsten Mal fühle ich mich depressiv. Krank. Mein Körper schmerzt bis in die Haarspitzen. Ich überlege, heute in die Notaufnahme zu fahren - vielleicht helfen sie mir, diese eine Nacht durchzuschlafen. Die Angstzustände sind weniger geworden. Etwas in mir will arbeiten, aber meine Seele lässt es noch nicht.
12.5.07 19:56


Wie es heute ist

Atosil und Tavor gegen die Angst. "Ich glaube, Tavor ist das einzige, was Ihnen da jetzt helfen kann." Ich bin also wieder auf Tavor. Und Atosil, das habe ich vor drei Jahren mal genommen. Es gibt nichts Ekelhafteres als Atosiltropfen. Jetzt habe ich Tabletten.

Bei Frau Österreich versuche ich, zuzuhören. Mehrmals ertappe ich mich, wie ich nicke, ohne verstanden zu haben, was sie sagt. "Kinder fühlen sich IMMER schuldig. Sie sind da noch ein kleines Mädchen, das einfach denken MUSS, dass es das verdient hat. Aber Sie haben das nicht verdient. Versuchen Sie, daran zu denken." Aber ich kann nur wieder ans Schneiden denken, an Blut und Erleichterung. Ich nicke und denke ans Schneiden. Dann schüttle ich den Kopf. Das Muster, das Denkmuster rekonstruieren. Erst kommt die Angst, die ich noch bewältige. Dann kommt der Druck. Dagegendenken, dagegen, dagegen. Und morgens wälze ich mich wieder in Angstzuständen. Stundenlang.

Aber dann - ein Lächeln bei der Psychiaterin heute: "Sie haben eine gute Therapeutin. Und in letzter Zeit sind Sie gut vorangekommen, oder?" Ja. Keine Nonsuizidverträge mehr seit Monaten. Geschnitten, ja, aber die Phasen, in denen ich es lassen kann, werden immer länger. "Dissoziieren Sie wieder so viel?" Nein. Meine Dissoziationen sind insgesamt sogar weniger geworden. WENIGER, obwohl ich viel zu viel gesagt habe. Endlich genug gesagt, um mir richtig helfen zu lassen. Ich bin ein wenig stolz.

Und zum tausendsten Mal soll ich überlegen, ob ich mich noch mal stationär behandeln lasse. "Oder wenigstens teilstationär, Frau K." Nein. Wie immer sage ich nein.
14.5.07 19:05


Ich kann nicht mehr.

Kann einfach nicht mehr. So am Ende meiner Kräfte. Den Tag habe ich verschlafen. Meine Couch mit der blauen Wolldecke und kaugummirote Tabletten geben mir Ruhe. Irgendwie halte ich diesen sich aufbäumenden Körper nieder, der so sehr bebt und abwechselnd heiß und kalt wird. Mein Herz zerschlägt mir beinahe den Brustkorb. In mir sitzt ein Schrei fest, den ich so sehr loslassen will und nicht kann. Wenn ich jemals anfange zu schreien, dann werde ich nicht mehr aufhören, ich werde die ganze Stadt zusammenschreien, ich werde einfach die Beherrschung verlieren und schreien wie ein verletztes Tier, einfach so lange, bis ich zusammenbreche und alles vorbei ist. Ich will schreien, bis alles vorbei ist. Bis einfach alles vorbei ist. Alles vorbei.
15.5.07 19:22


Sag mal, weinst du...

Es regnet und mir laufen die Tränen in Strömen und vermischen sich mit den Tropfen auf meinen Wangen. Heute hat es mich gepackt und geschüttelt, alle Tränen aus mir heraus geschüttelt.

Sag mal, weinst du
oder ist das der Regen...


Frau Österreich ist heute krank und ich saß vor ihrer Tür und rang um Atem und wollte nur fünf Minuten sitzen, ohne zusammenzubrechen, und meine Wimpertusche hinterließ schwarze Streifen auf meinen Wangen. "Sehe ich sehr schlimm aus?" - "Willst du eine nette oder eine ehrliche Antwort?"

Ja, ich weine. Ja. Ja. Ich bin das Mädchen, das selbst noch hübsch ist, wenn es weint. Meine Augen werden dann noch grüner, so grün wie ein grüner Achat.

Und ich bin ganz nass geworden und wieder in meinem inneren Gefängnis angekommen und will einfach nur die Beherrschung nicht verlieren. Einfach nicht jeden Kampf gegen mich verlieren.
16.5.07 16:39


Ich bin unberührbar

und bleibe unberührt. Niemand holt mich noch ein. Verschließe mich und vergrabe den Schlüssel in sechs Fuß Tiefe. Find keine Worte mehr für meine Verlassenheit. Bitte gebt mich einfach auf. Rückschritt für Rückschritt - wieder an den Ausgangspunkt. Ich halte mich nicht mehr aus.
20.5.07 19:00


Ich hab nur noch Fetzen in mir

und es tut mir so weh, so unsagbar weh... ich will nur noch schreien und schreien und schreien und SCHREIEN. Über mir bricht alles ein, es bricht alles nieder und ich steh zwischen den ganzen Trümmern und die Kälte, die dreht mich einfach um und um und um. Und ich spür meine Nerven splittern und diesmal soll es mich bitte umbringen. Ich kann mich nicht mehr über.leben. Das ist zu viel, diesmal ist es zu viel, um es auszuhalten. Dies eine Mal bring ich es nicht mehr zu Ende.
20.5.07 20:17


"Schaffen Sie es bis übermorgen?"

Ich kann diesen Weg nicht alleine gehen. Ich brauche dreimal in der Woche Therapie und jeden Tag Tavor. Die Siebenjährige in mir vertusche ich mit Rouge und Mascara und versuche, meinem Spiegelbild vorzumachen, ich sei 21.

Meine Nächte sind grauenvoll. Ich liege keine Minute mehr still, darüber rettet mich kein Promethazin und keine doppelte Schlaftablette. Mein Körper muss sich unaufhörlich bewegen, sonst drehe ich durch. Schlage im Dunkeln mit den Armen an und setze mich auf, stehe auf und mein ganzer Körper brennt, dass ich beinahe kotzen muss und eine Stunde neben dem Klo liege, aber ich kotze nicht. Ich kotze nie. In mir sitzt ein Schrei fest, den mein ganzer Körper ausspucken will, so sehr, dass mein Puls an die 140 geht und ich keine Luft mehr bekomme.

Erschöpfung frisst sich durch all meine Glieder. "Verraten Sie mir, was sie gerade denken?" Nichts. Nichts. Ich denke nicht mehr. Alles geht in mir unter. Die Leere, die Machtlosigkeit, die meine Eingeweide durchsetzen, verlassen mich mit keinem Wort. Ich finde mich nicht mehr zurecht in mir, ich bin verstummt, ich bin so allein mit meiner Not, dass ich niemanden mehr an mich heranlassen kann. In meinem Kopf ist es viel zu laut geworden, um noch etwas von meinem Chaos teilen zu können.

Ich habe vergessen, wie man Musik hört. Lasse nur die Stille um mich herum zu. Vergesse, wie man sich nachmittags Kräutertee kocht und wohin ich den Zimtstreuer gestellt habe. Warum ich früher gern spazieren gegangen bin. Alles, was bleibt, ist die Härte in mir. Und die Depression, der ich nicht mehr ausweiche.
22.5.07 20:04


Geheimnisträgerin - für immer

Versuche, Worte zu finden, für die schlimmsten Zustände. Kann mein Schweigen nicht brechen. Zwinge mich zurück in meine ganz persönliche Hölle und breche den Kontakt zu mir ab.

Einzelne Worte, nur einzelne Worte

Durchbruch
Abbruch
Bruch
PANIK

Liege auf den Knien und will, dass man mich schlägt und demütigt, damit es wieder so ist, wie es immer war

Damit ich einfach wieder ich bin
Ich verlier mich so sehr

"Warum wehrst du dich gegen dein Leben?"
Ich steh auf der Stelle und kann mich einfach nicht mehr rühren
24.5.07 17:30


Verzweifelt

Aber ich halte bis Dienstag durch, weil es das Einzige ist, was ich tun kann: Durchhalten. Mich aushalten, so schwer das ist. Mir bleibt nichts anderes übrig. Die Schwärze in mir herunterdrücken und lächeln, wie ich immer lächle, wenn es mir besonders schlecht geht. Ich erwarte nichts. Ich warte nur, dass dieser Tag vorbeigeht und dass morgen und übermorgen und überübermorgen vergehen. Und betäube mich mit Beruhigungsmitteln.
25.5.07 13:45


Panikattacken

bekomme ich, weil in meiner Wohnung Sachen sind, die ich nicht unterbringen kann, die einfach rumliegen. Langsam werde ich irre. Es macht mich verrückt, dass hier alles so un.perfekt ist. Es müsste gespült werden, irgendwas klebt, diese Ordner, die hier herumstehen, die Schublade mit den Pinseln, die Schreibmaschine auf dem Schrank, die Hebräischvokabeln - hier wird zu viel gewohnt, der ganze Dreck einer Existenz. Die Panik, zu existieren.
28.5.07 14:46


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