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Lebenswert #6

+ BLOW-Konzert spielen
+ Das Solo in "James Bond" klappt wunderbar
+ Als Solist am Ende einzeln aufstehen dürfen
+ Und Extra-Applaus bekommen
+ Konzerthose endlich enger genäht
+ Meine Posaunennadel anstecken
+ So elegant aussehen, dass einen plötzlich jeder anschaut
+ Und heute wieder die absolut abgefucktesten Chucks anziehen
+ Klamotten aussortieren
+ Und nur das behalten, worin man sich absolut wohlfühlt
+ Das Nachtlicht hilft tatsächlich
+ Endlich ein neuer Drucker mit sechs einzelnen Farbpatronen
+ Sich die selbstverordneten Englischstunden richtig nett machen
+ Mini-Zimtos essen
+ Und gleich eine heiße Schokolade kochen - einfach so
19.3.07 13:21


Hochbett #2

Gestern abend um 22:03:46 Uhr habe ich eines bei Ebay ersteigert. JUHU! Es ist aus Kiefernholz, gebraucht, ein Modell von Ikea, und die Liegehöhe beträgt ungefähr 170cm. Also etwas über Augenhöhe (für mich). Es gilt noch, ein Bücherregal abzuschrauben und woanders aufzuhängen, Winkel zu besorgen für ein Bücherbrett auf Höhe der Liegefläche... und einige andere Überlegungen bezüglich Einrichtung zu treffen. Außerdem könnte ich demnächst auch mal eine neue Matratze gebrauchen.

Unter dem Hochbett ist Freiraum, den man anderweitig nutzen kann - Platz für eine Kuschelecke? Oder einfach nur Stauraum, wo man weitere Regale anbringen kann? Ich hätte da noch Kisten mit alten Schulordnern, die ich sicherlich für den Sommer wieder rauskramen muss.

Am Freitag werden wir das Bett dann abholen und ich denke, die Nacht von Samstag auf Sonntag kann ich schon darin schlafen. Schluss mit der Angst! Ich bin schon ganz gespannt...
20.3.07 11:25


Päckchen

Als ich heute mittag von der Therapiestunde zurückkam, lag eine "Paketinformation" im Briefkasten. Die Nachbarn haben das Päckchen für mich angenommen. Das bedeutet, ich muss da hingehen und klingeln und es mir geben lassen. Sinnlose Angst. Mir schnürt es total die Kehle zu, dass ich das tun muss. S. ist auch nicht da, also muss ich ganz allein gehen. Ich zögere es schon den ganzen Tag hinaus. Warum habe ich solche Panik? Nur ein Päckchen bei den Nachbarn holen... Wenn ich es bei der Post abholen müsste, wäre es überhaupt kein Problem. Aber bei den Nachbarn bringt mich die Angst beinahe um. Was mach ich nur? Ich trau mich einfach nicht. Dabei ist es so dumm, so unsäglich dumm, davor Angst zu haben.
20.3.07 19:07


Das musste ja kommen.

Der große Absturz. Ich hab es nicht mehr in der Hand. Ganz langsam verliere ich die Kontrolle. Jaja, versuch du doch mal, vier starke, temperamentvolle schwarze Pferde im Zaum zu halten, wenn sie mit dir durchgehen wollen! Und sie haben noch nicht mal Scheuklappen. Die habe ich abgenommen, als ich angefangen habe, über Traumata zu sprechen.

Und natürlich hat Frau K. auch alles daran gesetzt, sich ordentlich hassen zu können. Sie hat den Nachmittag verschlafen, nicht genügend gegen die Flashbacks getan, keine ordentliche Mahlzeit zu sich genommen, war fast den ganzen Tag alleine, hat ihr Päckchen nicht abgeholt und ihr Englischpensum nicht eingehalten. Das reicht ganz eindeutig, um sich das nächstbeste Küchenmesser in den Arm zu rammen. Gib´s zu, du Miststück, du wolltest es doch so!

Aaaarrrgh. Ich hasse es. Ich hasse es! Jetzt kommt wieder die ganze beschissene Nummer mit Flashs, den Klingen (halt, ich brauch was anderes. Glas zertrümmern?) und den Tabletten. (Wo sind hier noch Tabs? Genügend Tabs?) Jajaja. Halt dich doch auf, Ariadne, wenn du kannst! Bind dich doch am Stuhl fest. HAHA. HA. (Und da ist noch ne Flasche Ramazotti in der Küche...) Betrunken schneidet es sich am besten. Willst du das wirklich, Kleines? Und macht die Scheißerinnerungen weg. Einfach rausschneiden. Verpisst euch, ihr verfickten Erinnerungen! ICH WILL EUCH NICHT HABEN! Geht weg!
20.3.07 20:22


Nach dem Sturm ist vor dem Sturm.

Es ist mal wieder soweit. Ich möchte mich den ganzen Tag nur verkriechen, einfach nur untertauchen, warten, bis die Zeit vergeht. Vergeht. Vergeht. Irgendwann wird es schon anders werden. Irgendwie anders. Oder? Oder bleibt mein Leben einfach immer so... für immer? Es geht eine Weile gut und dann könnte ich mich wieder von der Brücke stürzen.

Aber ich geh jetzt weiter. Ich geh gleich zum Englischkurs. Und morgen zum Zahnarzt und zum Blasorchester in Dortmund. Und Freitag zur Therapie und das Hochbett abholen. Und einfach weiter. Egal, wie bitter das schmeckt.

Oh, Ariadne! Was ist schlimmer? Der Sturm, der dich zerbricht? Oder das Warten, das dich zermürbt? Ich weiß nicht, weiß nicht...
21.3.07 19:12


Zahnarztangst

Nach dem Zahnarztbesuch bin ich beinahe ohnmächtig geworden. Es war nur eine Kontrolle und die Zähne sind okay. Nur der linke untere Weiheitszahn, der muss vielleicht raus. Und wenn die Angst kommt, dann dreht sich alles. Mir wird so schwindlig... Wenn die Angst einfach zu groß wird, dann macht mein Kreislauf schlapp. Es ist nur die Angst... wenn ich nachts Panikattacken bekomme, wirbelt auch alles durcheinander. Aber wann hab ich schonmal tagsüber eine Panikattacke?

In dem Winter, als ich 17 war und S. mich abends zu Fuß nach Hause gebracht hat, musste er mich dauernd halb tragen, halb ziehen. Blutarmut sagen die Ärzte. Aber eigentlich bin ich zäh. Ich werde nicht mehr ohnmächtig, seit ich 18 bin und von zu Hause raus.

Zum Zahnarzt geht es dann im Juni wieder. Und wenn sie den blöden Zahn rausnehmen - dann bitte mit Vollnarkose. Die Risiken sind mir egal.
22.3.07 14:14


Need for caffeine

Ich, die passionierte Teetrinkerin, die keinen Kaffee anrührt, werde mir ebensolchen in großen Mengen anschaffen und eine Zeitschaltuhr an meine Kaffeemaschine basteln, so dass sie frühmorgens ein ekelhaftes, stark koffeinhaltiges Gesöff produziert und mir am besten direkt in den Rachen schüttet, damit ich endlich mal wieder pünktlich aufstehe. Und wenn ich ab August um 7.30 Uhr in der Schule sitzen muss, dann nehm ich gleich noch ne Cola light mit. Hauptsache ich bin dann mal wieder wach und verpenne nicht die ersten drei bis vier Stunden. Ich weiß schon gar nicht mehr, wie es sich anfühlt, wirklich wach zu sein. Und mir stehts bis obenhin, ehrlich.
22.3.07 15:48


Hochbett #3

Freitag haben S. und ich mein Hochbett abgeholt und noch am selben Abend aufgebaut. Es ist gut in Schuss, stabil und die Höhe ist sehr angenehm - ich kann darin bequem aufrecht sitzen, ohne an die Decke zu stoßen. Jetzt habe ich schon drei Nächte in meinem neuen Bett verbracht und es ist einfach wunderbar! Morgens mag ich nun gar nicht mehr aus den Federn, weil es da oben so schön ist, so sicher und gemütlich. Das Einschlafen ist nach wie vor schwer, aber ich habe die letzten drei Nächte durchgeschlafen, teils vor Müdigkeit, teils, weil ich mich in meinem erhöhten Reich endlich aufgehobener fühle als jemals zuvor. Warum bin ich nicht schon viel früher auf diese geniale Idee gekommen? Ich liebe meine Therapeutin - allein für diesen Einfall verdient sie einen Orden!
26.3.07 14:04


Apropos Orden

"Frau K., eigentlich verdienen Sie eine Tapferkeitsmedaille."

Ich unterdrücke ein Grinsen. Eine Tapferkeitsmedaille? Wie kommt Frau Österreich nur auf diesen Schwachsinn? Tapfer! Ich!

"Weil Sie überlebt haben."

Ja, und? Was sollte ich anderes tun? Was soll daran tapfer sein?

"Ich finde, es ist eine Art von Tapferkeit, widrigen Umständen zu trotzen. Sie hätten ja auch schon viel früher aufgeben können. Sie hätten sich auch mit zwölf von der Brücke stürzen können."

Stattdessen habe ich mir die Arme aufgeschnitten und Medikamente missbraucht. Und es einfach nicht geschafft, mich umzubringen. Tapfer? Tapfer? Was zur Hölle ist daran tapfer?

Tapferkeit
(lat.: fortitudo) ist die menschliche Fähigkeit, als Individuum oder als Gruppe Gleichgesinnter einer schwierigen Situation entgegenzutreten; [...] Tapferkeit zeigt sich in dem Willen, ohne Garantie auf die eigene Unversehrtheit einen physischen oder mentalen Konflikt durchzustehen - [...] mit der Hoffnung auf einen glücklichen Ausgang [...].
Wikipedia


Es mag wohl tapfer gewesen sein, nicht aufgegeben zu haben. Eine Tapferkeit geboren aus der Notwendigkeit.
26.3.07 19:45


Traumgespinste #8

Meine morbide Phantasie überschlägt sich.

Mein Orchester in Dortmund. Der Dirigent ist Engländer und Engländer mögen ihr Fleisch blutig. Er zwingt uns, kleinen, niedlichen Labradorwelpen das Fell abzuziehen. Ich weigere mich. Überall blutiges Fleisch, Blut, Blut, Blut... Flüchten. Sich beinahe erbrechen. Heute abend kann ich nicht zu diesem Orchester gehen. Nein.

*

Posaunenchor, Ensemble, tausend Blechbläser, die ich kenne. Wir sind in einem Zoogehege und bauen dort mit Zweigen und Ästen Barrieren über einen schmalen Fluss, an denen Notenständer befestigt werden. Im Wasser leben Wasserdrachen, schlangenartige, riesige, gefährliche Wesen, die sich in Menschen verwandeln, wenn sie aus dem Wasser steigen. Ich muss in das Wasser hinein und einen Tauchwettbewerb mit den Wasserdrachen gewinnen. Es gibt keine Kleidung für mich, ich muss in Unterwäsche gehen. Angst, Ekel. Ich werde steifer, immer steifer, fast unbeweglich. Also tauchen. Die ganzen Leute, die mich ansehen...
29.3.07 12:13


Es ist Donnerstag.

Und donnerstags ist Frau Österreich nicht im Haus. Da kann ich mich im Kreis drehen und bellen oder Mäuse melken gehen - sie ist nunmal nicht da.

Jede Stunde sagt sie, ich soll anrufen, wenn es zu schlimm wird. Ich soll den Kreis durchbrechen. - Ich tue es nicht. Das bin ich einfach nicht wert! Ich will nicht, dass sie mich in ihrer Mittagspause kommen lässt oder für mich noch eine Stunde an ihren Dienst dranhängt. Ich will selber mit mir fertig werden. Ich schaffe das schon.

"Ja, Frau K., Sie schaffen es aber immer. Und das sollen Sie gar nicht. Sie müssen nicht alles mit sich selber ausmachen."

Aber heute ist Donnerstag und donnerstags ist Frau Österreich zum Verrecken nicht zu erreichen. Das habe ich mir gut ausgesucht, nicht wahr? Wenn ich mal Hilfe brauche, dann schön an dem Tag, an dem sie nicht da ist. Läuft doch prima, Ariadne. Ganz nach deinem Lieblingsmuster.

Irgendwann häng ich mich auf.
29.3.07 12:54


Traumgespinste #9

Irgendwie hat mein Vater diesen Blog gefunden. Ich habe davon geschrieben, was man mir getan hat. Habe Anschuldigungen ausgesprochen, die er gelesen hat. Das hätte alles nicht passieren dürfen, ich habe mich zu sicher gefühlt! Wieder schlägt es wie ein Blitz in mein Herz. Mein Vater schreibt seine Vorwürfe ins Gästebuch, herzzereißend unschuldig und betrübt, schreibt auch davon, wie es meiner Mutter geht, seit ich gegangen bin. Sie isst nicht mehr, ist ganz dünn geworden. Sie macht den Abwasch nicht, sie liegt im Bett, sie weint, kann ihren Alltag nicht bewältigen. Es ist meine Schuld, alles meine Schuld... ALLES. MEINE. SCHULD.

Lösche Gästebucheinträge wie wild, um den Stachel aus mir zu entfernen. Setze wie in Trance ein Passwort ein. Irgendwie muss ich mich schützen, irgendwie muss ich auch meine Familie schützen, immer noch! Immer noch!

Ich mach den Mund nicht mehr auf. Hier wird nie stehen, was mir angetan wurde. NIEMALS. Ich schwöre, dass ich das niemals aufschreibe, niemals ausspreche und nie mehr jemandem etwas davon andeute. Es soll alles in mir bleiben.
29.3.07 13:35


Wegschlafen

Wenn die Tage so bitter und grau sind wie im Moment, dann möchte ich so viel wie möglich davon verschlafen. Mit manchen Tagen kann man nichts anfangen, weil alles schief läuft und man sich gräßlich fühlt. Ich fühle mich mehr als gräßlich. Entsetzlich hässlich, dumm, gemein, aufbrausend, schuldig und verlogen. Je schneller dieser Tag verschwindet, desto besser.

Morgen fang ich wieder neu an, beseitige alle Spuren vom vergangenen Tag und versuche, trotzdem da weiterzumachen, wo ich aufgehört habe.
30.3.07 18:04


Die Nächte

Ich bekomme nachts wieder Angstzustände. Trotz Nachtlicht, trotz Hochbett, und Licht anlassen funktioniert auch nicht. Liege da, mein Atem geht viel zu flach, mein Herz rast wie verrückt und ich kann mich nicht bewegen vor lauter Angst. Irgendjemand ist da. Und ich kann einfach nichts machen... wenn die Angst kommt, dann bin ich wie gelähmt. Ich hasse die Nächte, ich hasse überhaupt diese ganze Quälerei, von den Angstzuständen ganz abgesehen. Abends das Licht ausmachen und sich dann mit dem Einschlafen quälen, wachliegen und sich hundertmal herumdrehen. Und wenn ich dann doch endlich zwei, drei Stunden geschlafen habe, wache ich wieder auf und alles beginnt von vorne. Zum Aufstehen bin ich zu müde und wenn ich doch mal aus dem Bett steige und noch irgendwas mache, fallen mir die Augen zu. Aber sobald ich wieder im Bett liege, quäle ich mich wieder mit dem Einschlafen rum. Tagsüber erscheint mir Schlaf als das höchste Gut und ich bin wie zerschlagen und könnte die ganze Zeit nur auf dem Sofa liegen und dösen. Es ist zum Verrücktwerden.

"Sie könnten ja aus der Not eine Tugend machen. Suchen Sie sich doch einen Job als Nachtwächterin. Ich kann Sie mir gut vorstellen, wie Sie ihre Runde drehen mit so einem altdeutschen Schäferhund, so einem mit langem, dichten Fell. Und wie der Ihnen gehorcht, das seh ich schon vor mir - ein Wort von Ihnen und er springt!"
Frau F., Pflegerin in der Bochumer Klapse

Aber ich möchte meine Ausbildung machen und dazu muss ich morgens früh aufstehen und kann nicht den ganzen Tag verschlafen und nachts arbeiten. Irgendwie muss man das doch in den Griff kriegen können. Seit fast vier Jahren fast jede Nacht derselbe Kampf, morgens dann der Kampf mit dem Aufstehen, tagsüber der Kampf mit der Müdigkeit und abends wieder der Kampf mit dem Einschlafen. Es macht mich einfach fertig.
31.3.07 12:35


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