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Lila

"...symbolisiert das Leben, das um seiner selbst willen blüht, wo es will."
Susanne Fincher
1.3.07 12:33


Im Angesicht ihrer Unschuld

Ich denke darüber nach, meiner Mutter einen Brief zu schreiben. Sie ist die einzige aus meiner Familie, die ich noch nicht ganz aus meinem Leben gestrichen habe. Vielleicht bin ich inzwischen stark genug. Vielleicht habe ich in meinem Leben genug Halt gefunden, um mich nicht mehr in die Tiefe reißen zu lassen...

In letzter Zeit vermisse ich sie stärker. Manchmal schickt sie S. ein Päckchen mit Sachen für mich. Ich muss mich zwingen, bei mir zu bleiben. Wenn sie schreibt, könnte ich den ganzen Tag weinen und nachts tue ich kein Auge zu. Immer noch so schuldig - im Angesicht ihrer Unschuld.

Ich frage mich, wie sie aussieht, ob sie zu- oder abgenommen hat, ob sie schon richtig graue Haare hat und wie tief ihre Falten sind, ob ihre Augen noch genauso klar sind wie früher und ob sie jetzt regelmäßig eine Brille trägt. Ich frage mich, ob sie bitter geworden ist, nachdem ihre einzige Tochter sich aus dem Staub gemacht hat. Ich frage mich, ob ich ihr fehle und ob sie mir noch böse ist.

Mein Abschied war radikal. Ihr habt mich krank gemacht. Lasst mich gehen. Kontaktabbruch. Ich war immer ein Mensch der radikalen Schritte. Es muss ihr so wehgetan haben. Es war so egoistisch. Aber wenn ich nicht dieses eine Mal egoistisch gewesen wäre, wäre ich dann heute noch am Leben? Frau Österreich sagt: "Sie wären jetzt tot. Denken Sie daran, wenn Sie sich so in den Staub treten. Sie wären heute TOT. (Und mit Toten lässt sich so schlecht eine Therapie machen.)"

She ´s leaving home
after living alone
for so many years...

Beatles

Mich quält die Frage, ob meine Mutter es verstanden hat - oder ob sie es jemals verstehen wird. Im Angesicht ihrer Unschuld. Vielleicht muss ich sie das fragen, damit ich endlich meine Ruhe habe.
2.3.07 18:38


Derealisation

Manchmal ist mir alles so fremd, dann wird mir von jeder Umarmung schlecht und ich habe wahnsinnige Angst, dass alles nur ein Schauspiel sein könnte... Ich fühle mich wie ein Alien. Oder wie ein Mensch, der denkt, er sei unter Menschen, und plötzlich wird die ganze Welt zu grünem Schleim. Ständig die Angst, ich könnte mir alles nur eingebildet haben. Vielleicht wache ich gleich auf und bin wieder sieben - und das wäre wirklich mein schlimmster Alptraum.
2.3.07 20:00


Allein gegen die ganze Welt

Die schweren Dinge muss man allein tun. Und wenn ihr tausendmal sagt, ihr seid doch bei mir, und wenn ihr das alles verstehen könnt - kämpfen muss ich ganz allein. Ich muss mich entscheiden, was ich mit meinem Leben anfangen will. Ich muss die endgültigen Schritte gehen. Ich muss meine Angst besiegen - nicht ihr. Das sind die Ketten der Freiheit.

Die letzten, die essentiellen Schritte muss man allein gehen - man muss jedes Geländer loslassen und kann nur noch auf den eigenen Gleichgewichtssinn vertrauen. Jeder, der etwas anderes behauptet, lügt. Lasst euch nicht von vagen Versprechungen betören - ihr kriegt nicht einmal ein Sicherungsseil an die Hand und unter euch gibt es weder Netz noch doppelten Boden.

Aber trotzdem muss man den Weg gehen und der Zeit die Fenster einschlagen - egal, wer vor einem schon abgestürzt ist und wer hinter einem stürzen wird, und egal, wie groß die eigene Angst ist. Man hat einfach keine Wahl. Das Leben ist unerbittlich. Es gibt keine Garantie, dass man es schafft. Das einzige, was es gibt, ist eine Chance.

Ich habe keine Wahl.
Und deswegen schlage ich meinen Weg ein.
Und ich gehe allein. Allein.
3.3.07 14:48


14 x Flucht

Und es macht nichts besser, 14 unverordnete Tabletten zu schlucken, 14mal dieses dumme Benzodiazepin - man wacht am nächsten Morgen auf und alles ist wie früher - nur dieses leicht entrückte Gefühl, das verleiht einem eine Leichtigkeit, als könnte der Kopf fliegen, einfach irgendwohin fliegen. Man sieht die Vögel auf dem Aquarellhimmel des Briefpapiers ganz milde und sie sind so schön... Und man sucht das Q auf der Tastatur und bleibt ganz ruhig und unbedrängt. 140mg machen nichts mit mir, nichts, nur diese tiefe Ruhe, die mich spüren lässt - hör auf, Ariadne, hör auf. Nimm doch das Leben, wie es ist, mit seiner ganzen Härte. Ergreif es!
4.3.07 14:02


An einem Tag wie heute #3

... verkrieche ich mich unter meiner blauen Wolldecke
... döse ich stundenlang vor mich hin
... ist mein Kopf so dumpf und mein Körper so schwach
... trage ich schwarzweiß-geringelte Overknees
... esse ich eine Tafel Toblerone ohne schlechtes Gewissen
... betrachte ich die schwankenden Birken vor dem Fenster
... schwänze ich den Posaunenchor
... bin ich so traurig, so traurig
... denke ich an Ents und möchte so gern einer sein
6.3.07 16:23


Erkenntnis

Man hat mir viel angetan - aber ich habe mir auch viel angetan.
6.3.07 17:49


JA, verdammt!

Ich war heute

  • morgens bei meiner Therapeutin. Schwere 1,5 Stunden, die ich erstaunlich gut überstanden habe.
  • Mittagessen bei S.
  • im Museum, in dieser wunderschöne Ausstellung Die Liebe zum Licht. Fotographie des 20. und 21. Jahrhunderts.
  • im Café, zwei Latte Macchiato trinken (übrigens: Latte Macchiato ist nichts anderes als Milchkaffee, nur mehr im Trend - manche Leute behaupten zwar allen Ernstes, dass Kaffee mit Milch (Milchkaffee) aufgrund der Zubereitung was anderes ist, als Milch mit Kaffee (Latte Macchiato) - aber, liebe Klugscheißer, man kann sich auch irren, jawohl!)
  • kurz zu Hause


und werde heute noch

  • zum Englischkurs gehen.

In mir lodert diese unbändige Kraft und Energie - und wenn mir auch die Augen brennen und die Füße wehtun - ich bin so ungebrochen! Verbogen, ja, das war ich, aber brechen konntet ihr weder meinen Verstand noch meinen Willen, weder meinen Stolz noch mein Rückgrat.

Nein, ich bin nicht mehr zu kriegen, nicht von euch, nicht mehr einzuholen, nein, ihr kriegt mich nicht! Da ist diese Kraft, die in meinen Augen leuchtet, und die Energie in meinem Mund, die Gewandheit und die tiefe Liebe. Ihr kriegt mich nicht. NIE MEHR. Dieses Spiel ist vorbei, weil ich es beenden werde. Vorbei! Ich werde da rausgehen und wie ein Phönix aus der Asche steigen. Ja, das werde ich. Dieses mörderische Spiel werde ich überleben. Ich gehe als Sieger heraus.


JA, verdammt.

Ich gewinne, gewinne, gewinne!

7.3.07 19:35


Sinnloser innerer Dialog

Zoe: Lasst mich, lasst mich! Bitte, ich will nur meine Ruhe. Ich kann nicht, lasst mich. Bitte.

Ariadne: Beruhige dich, Zoe. ER würde dir niemals etwas tun. Das weißt du doch.

Zoe: *Wein* Ich will doch nur meine Ruhe. Und schlafen. So müde. Mir tut alles weh. Alles so voll mit Schmerzen. Liegenbleiben und warten, bis alles vorbei ist.

Dhana: Ich werde aufbegehren! Was hat ER in unserer Wohnung verloren? ER soll gehen! Ich will IHN hier nicht haben!

Rahel: Nein, wir kochen zu Ende und werden gemeinsam essen. Wir lassen IHN nichts spüren. Wir sind stark - diese Stärke gebe ich nicht auf, nicht heute! Und auch in Zukunft nicht.

Dhana: Wenn ich IHN nicht aufschlitzen soll, dann schlitze ich diesem Körper die Arme auf. Ich brauche nur ein Küchenmesser. Wir müssen nur nah genug heran, Rahel, dann beende ich Zoes Seelenschmerzen mit einer Reihe von Körperschmerzen. Zumindest für eine Weile. Und irgendwann töte ich diesen Körper ganz. Dann sind wir nicht mehr eingesperrt in dieser Hölle.

Ariadne: Aber ER ist noch da. Und wir können IHN nicht einfach fortschicken. Vielleicht verlässt ER uns sonst für immer. Vielleicht hasst er uns... Wie sollen wir damit umgehen? Wir müssen bedachter handeln. ER hat uns doch schon so viel Gutes getan. ER liebt uns... Wir dürfen IHM nicht wehtun.

Rahel: Ich werde nicht zulassen, dass ER weggeht. Zoe muss eben die Zähne zusammenbeißen - sie ist sowieso zu klein, um etwas zu sagen zu haben. Und Dhana muss sich beherrschen. Triebe sind böse und jeder hasst uns für Dhana. Wir sollten sie fesseln und in eine Ecke legen. Wir müssen stark bleiben und das tun, was nötig ist. Wir haben keine Wahl.

Zoe: *Wein* Ich kann das nicht aushalten. Kann nicht... LASST MICH! Ich will nach Hause. Einfach unter der blauen Decke zusammenrollen. Nichts sonst. Bittebitte. Bitte. Mir ist so elend.

Ariadne (zu sich selbst): Was sollen wir nur tun... Wir können niemals das Richtige tun. Entweder Zoe leidet oder Rahels geschickte Pläne werden durchkreuzt, dann werden wir alle versagen. Wenn es Dhana gelingt, uns zu beschützen, dann nimmt dieser Körper schaden - und nur ich kann zwischen allen vermitteln und weiß doch keine Lösung.
8.3.07 18:20


Privat

Es gibt etwas, auf das ich einfach nicht mehr verzichten kann, nicht nach all den Jahren, wo man es mir konsequent abspenstig gemacht hat, nicht nach all den Jahren, in denen ich meines Lebens niemals sicher war: Intimsphäre.

Ich weiß, wie man selbst im überfüllten Bus noch eine Ecke findet, aus der man zehn Minuten lang die gesamte Umwelt aussperrt. Ich weiß, wie man man einfach nur mit 70% seiner selbst durch die Welt geht - und zwar jahrelang. Ich weiß auch, wie man sich von jemandem mit schlechtem Atem, der etwas von einem möchte, einfach nicht angesprochen fühlt, wie man dem Bettler kein Kleingeld gibt und wie man jeden, der im Weg steht, geistig einfach beseite fegt und körperlich knapp umrundet. Ich kann mich aus einem Gespräch ausklinken, ohne das das Gegenüber es merkt. Ich kann in meine Heimat im Kopf flüchten und einfach abwesend sein, so abwesend, dass man mich nicht mehr bemerkt. - Aber das sind alles Notlösungen. Eigentlich brauche ich - genau wie jeder andere - einen Platz, der nur mir gehört und an dem ich sein kann, wer und was ich bin, und der mich schützt.

Ja, ich brauche Schutz.

Dieser Schutzraum kann meine Wohnung sein. Ich lasse niemanden hinein, den ich nicht genau in diesem Moment, so, wie er da ist, ertragen kann. Meine Wohnung ist kein schmerzfreier Raum. Wer meine Wohnung betritt, der berührt auch mich. Aber wenn ich meine Wohnung - als einzigen Platz der mir gehört, den ich liebe und an dem ich mich sicher fühle - verlasse, dann ist das ein Verzicht auf den Schutzraum, den ich mir geschaffen habe. Und da hilft kein innerer sicherer Ort - da hilft nur: nach Hause. Unter die blaue Wolldecke verkriechen. Ja, in dieser Beziehung bin ich wie ein kleines Kind. Ein Kind, das sich weigert, sein zu Hause zu verlassen, sein zu Hause als den einzigen Platz auf der Welt, wo es angenommen und beschützt ist.

Eine Meile von zu Hause fort ist nicht mehr zu Hause.
Aus Schottland
9.3.07 17:12


Allumfassende Erschöpfung

9.3.07 17:22


Ratsgeschädigt

"Ich habe in dieser Schule vor allem eines gelernt: Misstrauisch zu sein gegen jeden, einfach jeden, und mir ja keine Blöße zu geben. Wenn ich neuen Menschen begegne, dann denke ich sofort:
1. Sie mögen mich nicht.
2. Sie werden mich verarschen.
3. Ich sollte das bei ihnen tun, bevor sie es bei mir versuchen.
Und dann tue ich das auch. Und später merke ich meistens, dass sie eigentlich doch ganz nett sind. Aber ich habe es dann schon verbockt. Es fällt mir wahnsinnig schwer, Kontakte zu knüpfen, weil ich in jedem einen potentiellen Feind sehe. Ich bin total ratsgeschädigt."

T., liebste Schulfreundin

Ach, T., mir geht es ganz genauso. Wenn ich Leute sehe, die in meinem Alter sind und auch nur so aussehen wie Ratsschüler - mit hochgeklapptem Hemdkragen, Markenklamotten und gefärbten Strähnchen - dann habe ich sofort Vorurteile.
13.3.07 18:56


Traumgespinste #7

Ich träume lebhaft. Und wache auf. Und bekomme noch im Halbschlaf eine Panikattacke. Um drei Uhr morgens. Drüben in der Küche ist doch jemand? Da ist jemand. Angst. Panik. Ich fürchte mich so sehr, dass mein Herz galoppiert wie ein durchgehendes Rennpferd. Ich traue mich nicht, mich zu bewegen, um ihn nicht auf mich aufmerksam zu machen. Er tötet mich. Oder er vergewaltigt mich. Zu viel Angst, um das Licht einzuschalten und zu sehen, dass da nichts ist. Und mit Vernunft lassen sich Atem und Herz auch nicht unter Kontrolle bringen.

"Es ist ein Gefühl, dass aus der Situation gerissen wurde, Frau K., aber es ist trotzdem die Reaktion auf eine reale Gefahr, eine Gefahr, die in ihrem Leben existiert hat."

Vielleicht ein Nachlicht. Bei Licht schlafen oder es doch irgendwie schaffen, das Licht anzuschalten. Denn bei Licht war ich außer Gefahr. Tag und Nacht waren zwei verschiedene Leben. Wenn also das Licht angeht, dann müsste die Angst doch verschwinden?

Seit ich gesprochen habe, bekomme ich nächtlich Panik, die Schlaftabletten wirken langsam nicht mehr gut, so dass ich ohnehin viel zu unruhig schlafe - Gewöhnung, ich brauche wieder was anderes, wieder runter von den Hypnotika und vielleicht wieder Neuroleptika. Oder irgendwie anders, Hauptsache Schlaf.
13.3.07 19:20


Und wenn du dich im Spiegel nicht erkennst...

dann versuch doch einfach, dich mit deinem Spiegelbild zu unterhalten, wie mit einer guten Freundin. Mal schauen, was sie sagt...
13.3.07 19:32


Was müssen das für Bäume sein...

Und wenn die Angst ganz groß ist, dann helfen Kinderlieder. Runterkommen, Lied summen. Danke, Johanna!

Was müssen das für Bäume sein,
wo die großen Elefanten spazieren geh'n,
ohne sich zu stoßen?
Rechts sind Bäume, links sind Bäume,
und dazwischen Zwischenräume,
wo die großen Elefanten spazieren geh'n,
ohne sich zu stoßen!

Liederbaum © Labbé
14.3.07 12:53


Arbeitsstunden

Jeden Tag zwei Stunden nur für Englisch, das nehme ich mir vor, aber ich mache nur das, was Spaß macht. Englische Romane lesen und Vokabeln rausschreiben, vielleicht mal selbst wieder Texte auf Englisch verfassen (aber macht euch keine Hoffnungen - die zeige ich niemandem). Vokabeln lernen kann ich zwischendurch. In den Werbepausen beim Fernsehen abends. Oder in der Straßenbahn.

Morgen fange ich an. The World According to Garp von John Irving ist mein erstes Opfer. Ab morgen also. Jeden Tag zwei Arbeitsstunden.
15.3.07 15:16


Hochbett

Die Schlafsituation verändern - das ist natürlich wieder eine Idee von Frau Österreich. Einen noch sichereren Ort in meiner eigentlich schon ziemlich sicheren Wohnung schaffen. Als Kind habe ich mir immer ein Hochbett gewünscht, aber bei den Dachschrägen in meinem Zimmer war das nicht gut einzurichten. So haben meine Eltern mir noch zusätzlich die Hände gebunden, als ich einen einzigen kleinen Versuch unternommen habe, mich vor den Übergriffen zu schützen.

[Übergriffe. Wie das klingt. Es stranguliert mich beinahe.]

Mein Bett habe ich von zu Hause nicht mitgenommen, als ich ausgezogen bin. Ich habe eines geschenkt bekommen, ein altes von einer Pflegerin in der Klinik, in der ich damals war. Die ersten Monate in meiner WG habe ich auf dem Fußboden geschlafen. Es war nur ein Versuch von vielen, irgendetwas zu verändern. Vielleicht war das gar nicht so dumm.

Also Hochbettpfosten organisieren... oder direkt schauen, ob es irgendwo ein ganzes gebrauchtes Hochbett gibt. Vielleicht kann ich auch besser schlafen, wenn ich ein Hochbett habe und weniger angreifbar bin... Und wenn ich endlich etwas anders mache. Es darf nur nicht teuer sein... Obwohl - dafür könnte ich eigentlich auch mal ein bisschen an meine eisernen Reserven drangehen. Es ist ja eine gute - und wichtige - Investition in meine seelische Gesundheit. Und meine aktuelle Schlafstatt ist ohnehin schon ziemlich wacklig und avanciert immer mehr zu meinem persönlichen Sperrmüll.
16.3.07 19:39


Ich verliere Menschen.

Weil ich schweige. Weil manchmal mein Leben zum Stummfilm wird. Ich rede nicht - mit niemandem. Ich gehe nicht ans Telefon und ich mache die Tür nicht auf. Ich reagiere nicht auf E-mails. Ich schreibe keine Briefe.

Berühren verboten.

Ich kann verstehen, wenn man mich dann einfach aufgibt, meistens will ich das sogar. Kein stundenlanges Telefonklingeln mehr. Gebt mich auf! Lasst mich in Ruhe! Bitte, geht einfach weg... Geht weg! Und die meisten tun das dann auch. Sie geben mich auf. Sie lösen den Knoten, und ich mache keinen neuen Versuch aus lauter Angst vor Vorwürfen und aus dem Wissen um den immer wiederkehrenden Stummfilm. Diese Menschen gehen einfach verloren. Das sind viele, das sind sogar die meisten.

Ganz wenige bleiben. Die lassen mich eine Weile und lassen dann nicht locker... und lernen mich neu an: Wie ich sie wieder lieben kann statt sie zu fürchten. Sie lassen mich und es ist okay. Einfach okay. Vielleicht sind das diejenigen, die auch eine lange, lange Leine benötigen, eine, die um den ganzen Planeten geht und Jahrtausende alt wird.

Berühren verboten. Ich zerbreche sonst oder schmelze unter euren Augen einfach weg. Und dann bin ich nicht mehr zu erreichen. Nie mehr. Nicht per Telefon, nicht einmal per E-mail. Dann bin ich einfach verloren.
17.3.07 15:00


Therapie

"Doch Frau K., Sie verändern sich! Es gibt einen Prozess in Ihnen, Frau K. Als wir uns kennenlernten, waren Sie viel verschlossener und sehr viel abwesender. Kaum zu erreichen. Es war ein ständiges Herumraten und Abwägen mit Ihnen: Könnte das vielleicht helfen... oder hilft das... Inzwischen räumen Sie mir endlich die Möglichkeit ein, etwas über Sie zu erfahren."

*

"Wenn man das Übel nicht bei der Wurzel packt, dann bleibt es dabei, dass man schaut, was man aktuell tun kann, wenn es einem schlecht geht. Aber es ändert sich nichts am Prinzip - man bleibt krank für sein Leben und lindert nur die Symptome. Es wird wehtun, Frau K., aber ich glaube, es lohnt sich, sich damit auseinanderzusetzen. Die Erinnerungen können Sie nicht auslöschen - ihre Vergangenheit gehört zu Ihnen. Aber Sie können dafür sorgen, dass die Vergangenheit vergangen bleibt und nicht mehr ständig in Ihr Leben eingreift."

*

"Niemand, der das durchgemacht hat, was Sie durchgemacht haben, könnte damit ein normales Leben führen. Niemand. Eine erwachsene Frau, die das erlebt, wäre schwer traumatisiert. Sie waren ein Kind und haben es auch noch ständig erlebt. Sie sind erstaunlich weit gekommen. Wieso denken Sie immer, dass Sie es ohne Probleme hätten schaffen müssen? Sie waren nicht böse oder schlecht, Sie haben eben reagiert, so gut Sie konnten. Was hätten Sie denn sonst machen sollen, wenn nicht Papierkörbe anzünden, klauen und schlecht gelaunt sein? Sie hatten doch gar keine Wahl."

*

"Sie machen das gut. Sie haben eine reelle Chance. Es wird noch dauern, ja, es ist ein längerer Prozess. Aber Sie schaffen das, es wird nicht immer so bleiben, es wird leichter."
17.3.07 19:01


Glaubensvorstellungen

Manchmal denke ich, wenn ich das Fegefeuer mal hinter mir habe, komme ich in die Hölle und alle, die ich mal kannte, werden mich hassen. Weil ich so ein verdammt schlechter Mensch war.
17.3.07 20:19


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