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ZUKUNFTSMUSIK

Woooohooo! Ich habe es geschafft, ich habe es tatsächlich geschafft - die Technische Berufsschule hat mich genommen! Meiner Ausbildung steht nichts mehr im Wege. Ich werde mein Abitur nachholen, ich werde meine Traumberufsausbildung machen, ich werde diese Chance ergreifen und nichts und niemand kann mich noch aufhalten. Ich lasse mich nicht mehr in die Knie zwingen. NIE MEHR!
22.2.07 13:34


Elisabeth...

Was dran ist, A., ist, daß Sie endlich zu sich selber stehen! Zu sich als ganzer Frau mit allen Fähigkeiten und Gefühlen, die in vielem so total, total anders sind als bei Ihren Eltern. Ja, Sie sind anders - Sie schlagen aus der Art - Sie können singen, Posaune spielen, malen, schreiben, sind hoch begabt - ob Ihren Eltern das gefällt oder nicht - das s i n d Sie! Und Sie haben ein Recht auf Leben! Im Vollsinn dieses Wortes! Sie dürfen sein! und Sie sollen sein! So, wie Sie sind - mit allem was Sie können und mit allem was Sie zu bieten haben - mit dem ganzen großen und tiefen Reichtum Ihrer Gaben und Ihrer Person! Mit allen Gefühlen! - Wenn das klar ist - wenn Sie zu sich selbst stehen - dann werden Sie sich auf beide Beine stellen und Ihren Weg gehen - völlig egal, was die Familie oder die Mitschüler denken. Das ist nicht entscheidend!

Wenn du wüsstest, Elisabeth, wie oft ich diese Worte gelesen habe, seit ich mich vor drei Jahren entschieden habe, meinen eigenen Weg einzuschlagen und endlich das zu tun, was dran ist. Wenn du wüsstest, wie oft ich gedacht habe, ohne dich hätte ich es nicht geschafft und ohne dich wäre ich vielleicht heute nicht mehr am Leben. Ich möchte dir danke sagen, auch wenn du das vielleicht niemals lesen wirst. Du warst ein Meilenstein auf meinem Weg.
22.2.07 13:41


Was du niemals von mir hören wirst...

Ich habe solche Angst, dir jemals wieder unter die Augen zu treten. Was hast du mir nur angetan? Und wie hast du es geschafft, dass ich bis heute glaube, es sei alles meine Schuld? Ich habe solche Angst, dass ich lieber sterben will, als dir je wieder zu begegnen.

"Von einem Kind, das missbraucht wird, seelisch und körperlich misshandelt, von so einem Kind noch zu fordern, dass es immer fröhlich und nett ist... das ist menschenverachtend."

Du hast mir diese Postkarte geschrieben, als ich 18 war und von zu Hause ausziehen wollte: "Wir haben dich nie im Stich gelassen, lass du uns jetzt auch nicht im Stich." Wenn ich nur daran denke, möchte ich mir die Arme aufschlitzen und mich gnadenlos ausbluten lassen. Die Schuld, die Verantwortung, alles landet bei mir. Dabei habe ich es längst als Lüge entlarvt - ihr habt mich tausendmal im Stich gelassen, ja, das habt ihr.

Wahrscheinlich bist du gar nicht so. Da ist diese andere Seite, die ich immer in Schutz nehmen möchte. Ich kriege das nicht überein. Wie du immer so zwanghaft deinen Teller und dein Besteck geordnet hast, wie du in Gesellschaft geschwiegen und mich angesehen hast wie eine verwandte Seele. Dein Workaholic-Syndrom. Dein Sarkasmus, den habe ich ja wohl eindeutig von dir. Und gleichzeitig hast du mich jahrelang missbraucht. Wie passt das zusammen? Ich wünschte, ich könnte dich einfach als Täter betrachten.

Heute habe ich nur noch Angst. Gar nicht so sehr, dass du mir etwas antust, sondern vor der Schuld, die du mir gibst und die ich nicht mehr nehmen kann, weil ich doch jetzt erwachsen bin. Ich will dich nicht beschuldigen. Ich will dich nicht verleumden. Ich will dich auch nicht hassen. Das sollte ich vielleicht, aber ich bringe es nicht fertig.

In mir denkt es, ICH bin der schlechte Mensch, ich bin schuld, ich war als Kind schon verkorkst, ich bin schlimm. Ich war immer schlimm. Ich bin eine Lügnerin und Betrügerin. Es ist alles internalisiert. Du bist schon längst in mir drin, tiefer, als du es dir je erträumt hättest.

Ich will nicht mehr abhängig sein. Ich will kein Geld von dir und keine Briefe. Nichts. Ich will mich nur noch von dieser Schuld befreien.
23.2.07 23:07


Bis August lerne ich...

... mich emotional besser zu stabilisieren
... besser ein- und durchzuschlafen
... früher aufzustehen
... mich an Stundenpläne zu gewöhnen
... dass Pausen sein dürfen und notwendig sind
... Englischvokabeln
... mehr Spaß zu haben und öfter zu lachen
... mit Traumata umzugehen
... mit weniger Beruhigungsmitteln auszukommen
... dass schulischer Erfolg kein besonderes Kriterium für meinen persönlichen Wert ist
26.2.07 18:08


Seelenbänder reißen nicht

Frau U. war meine Kunstlehrerin in der 10., 12. und 13. Klasse. Sie war jung, vielleicht Ende zwanzig oder Anfang dreißig, und trug ihr blondes Haar in einem wippenden Pferdeschwanz. Ihre Augen waren so hell wie meine, sie hatte den gleichen entschlossenen Zug um den Mund und eine randlose Brille - und von der ersten Stunde an war mir klar, wie ähnlich wir uns waren.

Ich öffnete mich. Vorsichtig. Und gleichzeitig zeigte ich mich schroff und zynisch, um mir keine Blöße zu geben. Mit meinen Bildern sprach oder schrie ich sie an - und obwohl sie sich genauso sehr wie ich mühte, es nicht deutlich zu zeigen, spürte ich, dass sie mich mochte und verstand. Ich verliebte mich.

Ich hatte ein feines Gespür für Kunst und konnte in Bildern lesen. Meine Interpretationen waren zielsicher und eigenwillig. Es gelang mir, die begehrten und von Frau U. nur selten vergebenen 14 Punkte zu erreichen. Wir sahen einander als ebenbürtig an, Kämpferinnen, zäh und verletzlich. Es war eine Sympathie zwischen uns, die durch unsere Schroffheit gegen alles um uns herum hindurchblitzte, aber Frau U. blieb unerreichbar für mich. Meine Liebe wandelte sich zu einer schwesterlichen Zuneigung. Wir waren einander so ähnlich, wie ähnlich, dass begriff ich erst, als ich in der 13/I aus der Klinik kam und sie in einer stillen Minute durchblicken ließ, wie sehr sie selbst dabei war, sich mühsam zusammenzustückeln.

Seit über einem Jahr habe ich Frau U. nicht mehr gesehen, aber manchmal habe ich Träume, in denen sie vorkommt, oder ich denke kurz an sie und bedaure, dass sich unsere Wege einfach vollständig getrennt haben. Aber manchmal denke ich, das Band wird überleben, bis wir uns zum zweiten Mal über den Weg laufen. Man trifft sich doch immer zweimal, nicht wahr?
26.2.07 18:56


Da bietet sich eine Chance

Vorhin in meinem Lieblingscafé, in dem ich mittlerweile Stammgast bin, alle zehn Schokoladensorten und fast alles, was es an Kaffeesorten und -zubereitungen gibt, durchprobiert und in jedem Sessel gesessen habe, fragte mich C., ob ich einen Nebenjob gebrauchen könnte - sie benötigten jemanden für die Küchenarbeiten. Paninos schmieren und belegen, Tische abräumen... Innerlich habe ich einen Luftsprung gemacht. Nie hätte ich gedacht, dass man mir einen Job einfach so anbieten könnte! Ich habe C. meine Telefonnummer gegeben und sie wird mich anrufen. Einfach so. Ich könnte tanzen und herumspringen, weil es einfach so wunderbar ist! Es ist ein kleiner, unbedeutender Job, aber es ist ein großer Schritt ins Leben.
27.2.07 19:42


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