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Ziele 2007

Meinen beruflichen Werdegang vorantreiben.
Mir die Zeit lassen, die ich brauche.
Einmal ans Meer.
Eine öffentlich Lesung meiner Texte.
Lebenswertlisten.
Tiefenpsychologische Therapie anfangen.
1.1.07 20:21


Illusion? Intrusion?

Die Nächte so schlaflos. Ich möchte nie mehr aufstehen... Dreiviertel des Tages möchte ich nur schlafen. In mir haust Erschöpfung. Hat sich einen Körper gesucht... und meinen gewählt. Depression in einer weiteren Episode. Depression hält mich in ihren Fängen.

Alpträume den ganzen Morgen. Sie holen mich ein, überholen mich. Kurz wache ich auf - nach jeder Sequenz. In kaltem Schweiß gebadet. Mein Kopf ist so dumpf. Alles in mir schweigt. Und ich schließe wieder die Augen und erwarte den nächsten Traum... nicht fähig, aufzustehen.

Die Grenzen zwischen Träumen und Intrusionen verschwimmen. Ich kann nicht mehr auseinanderhalten, was wahr ist und was mein Kopf heute formt. Weiß nicht mehr - hat man mir das angetan... weiß nichts mehr. Zwei Identitäten kämpfen in mir um die Vorherrschaft. Träumen. Wissen. Wachsein. Träumen. Tiefer in das Grauen hineintauchen. Es wissen wollen. Es nicht erleben wollen. Träumen. Sie stoßen das, was von mir übrig ist, hin und her. Das, was ich mal war, scheint sich in Luft aufzulösen. Da ist nichts mehr... Nichts. Nur noch der Streit zwischen zwei Mächten in meinem Inneren. Entfesselt.

Den ganzen Tag begleiten sie mich, die Träume, die Bilder... Es bleibt in meinem Kopf eingesperrt. Ich kann das Grauen nicht mehr in Worte fassen. Erinnere mich seiner nur noch schwach. Weiß noch immer nicht - Intrusion? Traum? Wahr? Eingebildet?
3.1.07 21:32


Traumgespinste #5

Die Schule verfolgt mich nach wie vor in vielen Träumen, albdruckartig, treibt mir den Schweiß über den Rücken und die Glieder. Ich träume von meinem eigenen Versagen. Französisch-LK und ich muss mit einem Mal alles können, was andere sich innerhalb von Jahren angeeignet haben. Ich erinnere mich, dass ich Französisch zwei Jahre hatte und die unregelmäßigen Verben niemals beherrschte. Gleich schreiben wir eine Klausur in Physik, nochmal schnell über den Stoff schauen... Physik. Das einzige Fach, in dem ich niemals etwas besseres als eine Vier geschrieben habe. Ich habe keine Ahnung... weiß nichts, nichts. Muss ich da wirklich hin? Oder: Ich bin schon wieder zu spät. Geschichte. Allzuoft gefehlt. Keine Hausaufgaben gemacht. Und da sitzen die ganzen Cracks und ich bin der Totalversager. Zu spät. Soll ich wirklich noch reingehen oder lieber schwänzen? Sämtliche Horrorszenarien meiner Schulzeit spiegeln sich in meinen Träumen wieder. Die Räume. Die enge Sportkabine - meine Narben verzweifelt verstecken und dann sieht sie doch jemand. Eine riesengroße offene Gestalt, würde S. dazu sagen.

Es ist eine unverheilte Wunde, dass ich mein Abitur nicht gemacht habe, obwohl ich es mit links geschafft hätte, wenn die Krankheit mich nicht eingeholt hätte. Obwohl ich mit einem Einserschnitt abgegangen bin. Obwohl ich weiß, dass es mir an Intelligenz nicht mangelt. Aber ich träume niemals vom Abitur. Ich träume von dem ganz unmittelbaren Versagen in jeder einzelnen Stunde. Fühle intensiv die Scham, die Angst. Die Enge, über die ich täglich in der Schule gestolpert bin. Die mich die Schule hat hassen lassen. Es ist in meinem gegenwärtigen Leben nicht mehr wichtig. Aber es verfolgt mich in meinen Träumen nach wie vor.
6.1.07 14:14


Erinnerungsfragment #14

Klinik, vielleicht September 06. - Impression

"Ich möchte Ihnen das Bedarfsmedikament jetzt nicht geben. Sie sind so eine Zerbrechliche... vielleicht nicht äußerlich, aber innen. Verstehen Sie? ich hätte das Gefühl, Sie einfach nur abzuschießen. Und das gefällt mir nicht. Sie würden den ganzen Nachmittag schlafen..."

Ich muss grinsen. Sie schlug mir 25 - 75mg Melperon ab. Es lässt mich den Kopf schütteln, wenn ich die Schachteln auf meinen Nachttisch sehe - allein drei verschiede Sorten Schlaftabletten, zwei Neuroleptika und vier ADs. Es lässt mich auflachen, wenn ich an die Tablettencocktails denke, die ich mir noch vor einem Jahr gemischt habe...

Ich denke heute wieder daran, mir einen Cocktail zu mischen, so wie ich gestern daran gedacht habe und die ganze letzte Woche. Melperon als Grundstock. Schauen, was noch draufkommt. Und dann mit Alkohol nachspülen. Einfach abschießen, weg, weg...

Aber es ist keine Option mehr. Nicht heute, nicht hier.
7.1.07 22:18


Bethelbus

Er ist echt ein Erlebnis, der Bethelbus. Man kann im Rundverkehr vom Betheleck, das am Rande Bethels und gegenüber der nächsten Straßenbahnhaltestelle Richtung Innenstadt liegt, und zurück über den südöstlichsten Zipfel Bethels fahren. Und dort liegt die Psychiatrie Gilead IV. Ich fuhr diese Strecke früher häufig.

Meistens steht und sitzt man im Bethelbus gedrängt und kommt um Kommunikation mit dem Nebenmann nicht herum. Mir erzählte mal eine ältere Frau die Geschichte ihrer Tochter, die dem Alkohol verfiel und dann einen Mann heiratete, der beschloss, sie zu retten. Jetzt fuhr sie nach Gilead IV, um ihre Tochter zu besuchen, die gerade einen Entzug dort machte. Ein anderes Mal sprach ich mit einer Diakonisse über Berufung - sie sprach von mir und meiner Posaune und ihrer eigenen Wahl, in Bethel der Diakonie zu dienen. Man redet im Bethelbus von Haltestelle zu Haltestelle. Es bleibt einem nicht viel übrig... Manchmal hört man auch nur zu. Es wird viel gesprochen im Bethelbus.

Angstpatienten mussten ihr Expositionstraining oft im Bethelbus absolvieren. Eine Rundfahrt am Tage. Wer Bethelbus fahren kann, kann in jedem Bus fahren. Das Vergnügen ist manchmal eher zweifelhaft... Und dann ist da Eugen, der im Rock herumläuft, ständig Bethelbus fährt und lauthals schimpft. Eugen ist auch ein Erlebnis - wenn er dem Busfahrer mitteilt: "HALT! Da kommt noch einaaaaa! Und.... noch einaaaa!" Und dann die ganze Fahrt lang die abgefahrensten Schimpfwörter von sich gibt.

Warum erzähle ich das? Vielleicht, weil es etwas Besonderes ist. Weil ich keinen Bus kenne, in dem eine solche Atmosphäre herrscht, eine solche Gemeinschaft von zusammengewürfelten Leuten, die sich nur einige Haltestellen lang begegnen... im positiven wie im negativen Sinne.

Wenn der werte Leser einmal nach Bethel kommen sollte, so empfehle ich eine Fahrt mit dem Bethelbus. Eine Rundfahrt von Betheleck zu Betheleck. Vielleicht triffst du ja auf Eugen.
8.1.07 15:10


Lebenswert #1

+ In Ruhe frühstücken, auch wenns schon zwei Uhr ist
+ Gesagt bekommen: "Du schreibst so ehrlich!"
+ Kerzen mit Zimtduft auf dem Tisch
+ Ein Spaziergang unter kahlen Birken
+ Endlich eine Soundkarte für den PC
+ Morgens lange im Bett liegen und
+ Es sich erlauben
+ Ein Buch mit 800 Seiten
+ Aus dem Fenster schauen und atmen
+ Echten Lavendel auf der Fensterbank
+ In der eigenen Wohnung tun und lassen, was man mag
8.1.07 16:09


Unvorhergesehene Begegnung

Ich gehe nichtsahnend durch die Kortumstraße nach einem mies gelaufenen Psychiatertermin und sehe von der Seite mit einem Blick eine ehemalige Mitschülerin. Steffi heißt sie und den Nachnamen habe ich vergessen. Ich schaue schnell weg und bin froh, dass sie mich nicht gesehen hat. Wirklich - macht mir das immer noch etwas aus?

Es ging mir heute immer wieder durch den Kopf - mit Steffi Irgendwas habe ich früher kaum ein Wort gewechselt. Ich hasste diese Stufe. Ich fand die ganze Schule snobistisch. Und gleichzeitig - ist da immer noch das Gefühl, dazugehören zu wollen. Immer noch. Es fehlt mir...

Ach, Steffi Irgendwas, was machst du mit mir? Warum bist du in Bochum... ich überlege, was ich geantwortet hätte, hätte sie mich gefragt, was ich hier mache. Studieren. Anthropologie. Die Menschen, um genau zu sein. Gibt es den Studiengang überhaupt hier an der Universität? Ich bin freischaffende Schriftstellerin. Na dazu müsste ich wohl erstmal ein paar Bücher veröffentlichen. Ich arbeite als Webdesignerin. Nichtmal gelogen, nur dass die drei laufenden Projekte noch nicht online sind.

Ich merke, ich bin noch zu abhängig von der Meinung anderer. Ich merke, ich möchte am liebsten sogar mir selbst etwas vorlügen in dieser Hinsicht. Aber das ist vergebens. Ich werde lernen müssen, zu mir zu stehen.
9.1.07 16:30


Eine Hommage an Latein

Ich war auf einem humanistischen Gymnasium und hatte Latein von der Sexta an. In den ersten vier Jahren hatte ich eine geniale Lehrerin, die den Unterricht strukturiert, diszipliniert, mit Herz, Feuer und Temperament hielt. Ich bewundere diese Frau bis heute und ihre Stärke, Lebendigkeit und Güte ist mir immer ein Vorbild gewesen. Heute ist sie in Rente, ich schreibe ihr ab und zu eine Karte und sie schreibt stets umgehend zurück. Ich könnte tausend Anekdoten aus diesem Unterricht erzählen... In den vier Jahren mit ihr habe ich bezüglich Latein so ungefähr jede Phase durchlaufen, den ein Schüler nur durchlaufen kann - von Fleiß bis Faulheit, von Freude bis Langeweile, von Unlust bis Liebe. Ich schrieb in den Klassenarbeiten und Vokabeltests die Notenskala rauf und runter. Und hinterher musste ich feststellen, dass ich alles Nötige beherrschte. Sie hatte mir die komplette Grundlage, das komplette System, das der lateinischen Sprache zugrunde liegt, beigebracht, ohne das ich es gemerkt hatte.

In der Obertertia bekam ich einen strengen, alteingessenen Latein- und Griechischlehrer, mit dem ich mich von Anfang an herumstritt. Ich konnte es mir leisten. Meine Note schnellten auf glatte Eins in Übersetzung und Interpretation. Ich machte es mit dem kleinen Finger der linken Hand und ich lernte die Sprache mit Ovid und Cicero lieben. In der Untersekunda begann ich, Nachhilfe zu geben, in der Obersekunda folgte der nächste Lehrerwechsel und ich wählte Latein als Leistungskurs. Wir waren zwölf Leute und der Lehrer ein arroganter Mistkerl. Ich rebellierte und zeigte alles, was ich hatte. Unter vier von vier Klausuren in der Unterprima standen 15 Punkte. Unter drei von vieren: Bestes Ergebnis.

Ich war sehr gut. Es fiel mir leicht. Ich liebte es. Ich liebte es, die Sprache nach Stilmitteln aufzudröseln, ich liebte das Versmaß in der Aenaeis, ich liebte die verschachtelten Sätze bei Cicero. Mein Sprachgefühl geleitete mich sicher durch alle Übersetzungsengpässe und in der Grammatik wurde ich durch die Nachhilfestunden, die ich gab, noch sicherer. Latein ist für mich ein Erfolgserlebnis, eine Liebesgeschichte, ein Lehrstück, eine Stütze in dieser wilden Welt. An Latein konnte ich mich festhalten, ich konnte mich darauf verlassen, ich konnte mich damit verbünden.

Jahrelang sagte ich: Und wenn ich an allem scheitere, was mir das Berufsleben bringt, dann kann ich immer noch Latein studieren. Fast drei Jahre lang ist mir nun selbst dieser Weg verwehrt gewesen. Aber heute tat sich mir eine Möglichkeit auf, wie ich vielleicht doch noch an meine Studienberechtigung komme.

Und wenn ich DAS schaffe, dann ist alles egal - dann kann ich nämlich immer noch Latein studieren. Und ich weiß - daran würde ich niemals scheitern. Latein ist die Liebesgeschichte meines bisherigen Lebens.
10.1.07 15:28


Schreibversuche #3

augenlieder
sing ich dir
katastrophe um katastrophe
nicht stimmgewaltig
nur ahnend

augenlieder
sing ich dir
es graut mir
vor deinem weitblick

augenlieder
sing ich dir
du erwiderst -
nichts
10.1.07 15:50


Sinn und Kunst

Ich lese Novalis und zwischen den Zeilen schwebt ein ganzes Universum. Es sind nur ein paar Worte, die mich elektrisieren und mir immer wieder sagen, meine Aufgabe besteht darin, das, was ich gelernt habe, in Leben umzuwandeln. In mein Leben, mein ganz persönliches Stückchen Leben, das nur ich beackern und bepflanzen kann. Diese Welt ist nicht tot...

Ich will mich gegen diese Worte stemmen. Gegen dieses unverhohlene "Zum Leiden ist der Mensch geboren." Und dann lese ich, welche Konsequenz Novalis zieht: "Krankheit gehört zur Individualisierung."

"Noch kennen wir nur sehr unvollkommen die Kunst, unsere Krankheiten zu benützen. Unsere Krankheiten sind alle Phänomene einer erhöhten Sensation, die in höhere Kraft übergehen will."

Ich überhöre den religiösen Aspekt und blicke auf das, was dann von diesen Worten übrigbleibt - Sinn. Ein Sinn, eine Kunst. Nicht nur die Krankheiten bewältigen oder vielleicht noch akzeptieren lernen, sondern sie als etwas Positives wertschätzen, als eine Lehre, eine Kraft, einen Wendepunkt.

Nein, diese Welt ist nicht tot. Meine Himmel liegen nicht im Sterben. Märchenaugen habe ich.
10.1.07 23:25


Stagnation

Ich fühle mich so leblos. Untergegangen. Ich will so nicht mehr, so nicht! Wer zwingt mich, dieses Leben zu leben? Todessehnsucht ist noch immer in meinem Kopf. Immer wieder gefährdet auf dem Rand der Welt balancieren. Ich finde keine Sicherheit für meine Schritte.

Der Kreislauf versagt, Zittern, stechende Kopfschmerzen. Depression. Ich schaff es nicht, schaff es nicht... Ich kann nichts mehr tun. Der Abwasch bleibt liegen, die Wäsche, ich schaff es kaum, mir die Haare waschen, mir Frühstück zu machen. Möchte dauernd weinen. Depression. Depression. Mein Körper möchte nicht, dass ich so lebe, wie ich lebe. Er schlägt mich immer wieder nieder...

Haltet die Welt an - ich will aussteigen!
11.1.07 14:05


Kein guter Start

Meine neue Psychiaterin muss schon denken, ich sei bescheuert, weil ich erst zu einem Termin erscheine, der angeblich nicht existiert, weil die Damen in der Anmeldung ihn verschludert haben, und dann von diesem Termin beim Amtsarzt erzähle, sie dort anruft, und man ihr sagt, man hätte noch gar keine Daten von mir.

Langsam denke ich selber schon, ich bin bilde mir das alles aufgrund des Schlafmangels nur ein... Und die Frau ist total genervt von mir. Und ich bin von ihr auch genervt, weil ich immer so mit ihr aneinander gerate.
11.1.07 15:35


Lebenswert #2

+ Hoffnung auf einen neuen Bildungsgang schöpfen
+ Frühstück bei Regen
+ Wissen, man ist stark genug
+ Wissen, nichts war umsonst
+ Orangen-Ingwer-Tee
+ Anrufe erledigen ohne Angst
+ Die Dinge mit Humor nehmen zu können
12.1.07 14:52


röst.art

In der Innenstadt in Bochum gibt es ein kleines Café, gleichzeitig eine Stätte der Erholung und eine Kaffeerösterei, in der man richtig guten Kaffee kaufen kann.

Ich selbst bin passionierte Teetrinkerin. Kaffee war für mich niemals reizvoll. Trotzdem weiß ich eine Tasse Kaffee dort zu schätzen. Man gießt diesen Kaffee nicht durch einen herkömmlichen Papierfilter. Die Inhaber des Cafés behaupten, diese Kaffeefilter seien allein dazu da, aus dem Discoutkaffee das Schlimmste herauszufiltern. Wenn man in der Kaffeerösterei einen Café trinkt, bekommt man ihn in einer Kanne serviert, in die ein entsprechendes Sieb eingelassen ist, das man auf den Boden der Kanne herunterdrückt, wenn der Kaffee durchgezogen ist. Es gibt auch heiße Schokolade, Zotter Trinkschokolade - ich habe mich durch sämtliche Sorten probiert.

Die Atmosphäre ist entspannt und gemütlich. Es gibt ein großes rotes Sofa mit einem dunklen Tisch in der einen Ecke, Bank und dunkle, aber nicht klobige Stühle in der anderen, und weiter hinten zwei grüne Sessel. Dazwischen stapeln sich Säcke mit Kaffeebohnen, es gibt Zeitungen, aber kein Exemplar der Bild, und es läuft gedämpfte Musik.

Die Toilette ist durchaus ein Erlebnis. Man muss eine lange Treppe hinunter und bis zum Ende eines langen, schmalen Ganges gehen. Am Ende, hinter der allerletzten Tür (nachdem man schon an dem typischen Ölschinken mit dem röhrenden Hirsch vorbeigekommen ist,) findet man einen kleinen Raum mit Waschbecken und dahinter eine einzige kleine Toilette unter einer Schräge. Alles ist sehr weiß, aber gut beheizt.

Das Café ist noch recht neu. Ich war zum ersten Mal dort, als es gerade eröffnet hatte und die Inhaber noch viel Zeit zu einem Plausch hatten. Inzwischen hat das Café eine Reihe von treuen Stammkunden und ich zähle mich dazu. Es ist der perfekte Ort, um einen Roman zu schreiben und sich dabei in Kaffee zu ertränken - aber in verdammt gutem Kaffee. Niemals würde ich Starbucks vorziehen. Starbucks hat im Gegensatz zur Kaffeerösterei einfach keinen Stil.
13.1.07 13:47


Irgendwo dazwischen

Ich sollte besser darauf verzichten, zu schreiben, wie es mir geht. Ich muss auf etwas warten, nur abwarten, einfach nur warten, warten... und das ist verdammt zermürbend.

Dazu kommt, dass ich meine Texte immer sinnloser und dümmer finde. Es macht mir keinen Spaß mehr, sie zu lesen. Als hätte ich irgendeine Entwicklung verpasst. Als wären sie einfach mit weniger Herzblut geschrieben. Was ist nur los mit mir...

Ich bin nicht Fisch, nicht Fleisch, glaube ich. Vielleicht stecke ich zu tief in diesen Prozessen und finde keine Wege mehr, darüber zu sprechen. Vielleicht weiß ich selbst nicht mehr, was mit mir geschieht. Vielleicht sitze ich irgendwo zwischen den Stühlen - zwischen krank und gesund, zwischen schwarz und weiß, zwischen Sinn und Unsinn. Vielleicht sollte ich einfach aufhören mit dem Schreiben. Vielleicht sind manche Dinge einfach irgendwann vorbei... ich weiß es (noch) nicht.
13.1.07 14:08


Einstudiert.

Irgendwie hab ich das Gefühl, ich kann nirgendwo das denken, sagen und tun, was mir entspricht, weil ich so ein schlechter Mensch bin. Es ist eine dumme, einstudierte Annahme, ich weiß das. Jeder macht mal Fehler, jeder denkt manchmal Mist. Ist doch egal. Warum sollte es gerade mich zu einem schlechten Menschen machen? Ich habe niemanden ermordet. Ich verklage meine Eltern nicht, nur meine Ex-Vermieterin. Ich mache Fehler und stehe dafür gerade. Ich entschuldige mich, wenn ich etwas Dummes gemacht habe. Es tut mir Leid, wenn ich jemandem wehgetan habe. Und ich erwarte immer und überall, dass man mich für meine Gedanken, Worte und Taten hasst oder verachtet. Bin ich ein schlechter Mensch?

Manche Dinge prägen sich ein und man wird sie nie wieder los.
14.1.07 23:35


Wut

Ich glaube, ich fange endlich an, wütend zu werden. Zum ersten Mal in meinem Leben könnte ich es manchen Leuten so richtig vor die Füße kotzen. Mir ist so dermaßen nach verfickten, unzensierten Flüchen!

AUF EUREN SCHÖNSTEN GELBEN TEPPICH

Da kotz ich euch hin. Genau vor die Füße. Allein schon dieser Armleuchter, das mich heute angerufen hat, um einen Termin wegen meines undichten Fensters zu machen - ich habe schon vor Weihnachten bei der Wohnungsgesellschaft angerufen und man hat mir gesagt, der Handwerker würde mich kontaktieren. Und der Typ hat die Stirn, mir auch noch an den Kopf zu werfen: Mieter macht Termin aus. JA, DU KNALLTÜTE. Ich koche vor Wut.

Es ist natürlich krankhaft überzogen, aber seien wir doch mal ehrlich - mein ganzes Verhalten ist verzerrt. Ich bin übermäßig traurig, unangemessen hart zu mir, ich pflege einen schlechten Umgang mit Gefühlen (und ja, das war doppeldeutig - und nein, nicht in dem Sinne).

Vielleicht muss man verdammt wütend werden, wenn man solange regelrecht abstinent war. Ich hab sogar das mit Gegenständen Werfen aufgegeben...

Ich kotz es aus. Weg damit. Dahin wo es hingehört: Auf die gelben Teppiche dieser Welt!
15.1.07 23:55


An einem Tag wie heute #2

... bin ich unausgeschlafen
... stehe ich drei Stunden früher auf als sonst
... hole ich mir um 8 Uhr 30 Brötchen
... weine ich vor Anspannung
... telefoniere ich zweimal mit meiner Therapeutin
... bekomme ich eine Chance
... bewege ich auf einem schmalen Grat zwischen Panik und Erleichterung
... habe ich den Kopf voll mit Zukunft
... werde ich mir einen Kaffee in meinem Lieblingscafé gönnen
... denke ich, dass das Leben doch noch etwas für mich bereithält
17.1.07 12:21


Gestern Psychiaterin.

Ich konnte mich nicht zurücknehmen, ich habe einfach losgeheult. Depressionen. Kraftlosigkeit. Sie hat mich heulen lassen und mir diese Taschentuchbox gegeben, die immer überall rumsteht. Werbemittel von Seroquel. Sie sagt, ich hab einen neuen Schub und ich dissoziiere viel - ich weiß doch, ich weiß! Sie fragt, ob ich immer so wenig spreche. "Ich bin eben so kaputt und ich weiß sowieso meistens nicht, was ich sagen soll." Sie fragt, warum ich den Termin dann nicht abgesagt habe. Ja, warum nicht? Ich habe die ganze Zeit daran gedacht, noch als ich aus dem Haus ging. Aber Frau K. sagt ihre Termine nicht so einfach ab. Es ist ein Überbleibsel von Pflichtbewusstsein und eines aus der Zeit, als noch an jedem Termin mein Überleben hing. Ich warf ihr an den Kopf, keiner der Psychiater hier hätte sich bisher für mich interessiert, außer Frau H., die tatsächlich mal nachgefragt hat, was bei mir eigentlich so läuft. Sie fertigen mich innerhalb von fünf Minuten ab und dafür mache ich alle zwei Wochen zwei halbstündige Fahrten hin und zurück plus ewige Wartezeit im Wartezimmer. Wenn ich das in Kauf nehme, warum hätte ich den Termin absagen sollen?
19.1.07 15:34


Passwort eingesetzt.

Zeit, um mich zu sammeln. Zeit, um mir zu überlegen, für was, für wen und warum ich schreibe. Ich muss mir erstmal überlegen, was überhaupt los ist. Ein wenig Zeit nur für mich. Meine Gedanken ordnen. Zur Besinnung kommen.

Erstens.
Ich leide unter ständigen Krisen, die mich wahnsinnig machen. Wirklich wahnsinnig. Damit meine ich, dass ich Schwächeanfälle habe und mich umbringen will und dass mich das nicht leben lässt, wie ich gerne möchte. Und das geht mir dermaßen auf die Nerven.

Zweitens.
In meinem Kopf geht es immer rundherum. Meine Gedanken drehen sich - im übertragenen Sinne - ständig um das Blanchieren von Gemüse, während ich besser darüber nachdächte, wo ich das Gemüse herbekomme. So ungefähr. Das klingt etwas unkonventionell, aber ich finde den Vergleich passend.

Drittens.
Ich fühle mich furchtbar getriggert durch bestimmte Sachverhalte und Personen. Ich muss diese Irren aus meinem Leben verbannen. Diese beknackten Verrückten, die mich nicht atmen lassen. Und ich sollte dabei am Besten nicht ausfallend werden.

Viertens.
Ich bin eine Psychotante und ich kann es erstmal nicht ändern. Aber ich habe keine Lust auf Tragik. Ich möchte auch andere Dinge schreiben können, ohne mich für den Psychokram zu schämen, der in anderen Einträgen zu finden ist. Irgendwie hat dieser Blog ein Psychoimage weg. Aber aufgeben will ich ihn auch nicht.

Fünftens.
Ich erinnere mich an Dinge, an dich ich mich nicht erinnern will. Ich weiß nicht warum und ich weiß nicht seit wann. Ich habe Bilder in meinem Kopf, die ich mit niemandem teilen kann.

Sechstens.
Ich kann mich auf nichts festlegen.

Siebtens.
Ich bin der personifizierte Wechsel zwischen Sarkasmus und Tragik, weil mein Leben zwischen den Extremen pendelt.

Achtens.
Das ist alles verwirrend. Ich verwirre mich und mein Leben verwirrt mich. Ab und zu muss man Dinge schreiben, ohne darüber nachzudenken, was man "abliefert".
20.1.07 17:50


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