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Danke.

Es ist Zeit, danke zu sagen. Danke an meine treuen Leser, dass ihr mich begleitet habt und weiter begleiten wollt. Danke an diejenigen unter euch, die mich nicht vergessen haben, als ich so lange nicht da war - und danke, dass ihr euch Sorgen gemacht habt, denn es bedeutet mir viel, dass ich euch etwas bedeute. Ganz besonderer Dank gilt Shekaina, Sindri, Sombra, Anydra und Lilith. Und ich denke, ihr wisst schon, warum.
2.11.06 19:12


Einschätzungen

"Es ist oft, als hätten Sie mehrere unterschiedliche Identitäten - wenn Sie gut drauf sind, sind Sie ein ganz anderer Mensch, als wenn es Ihnen schlecht geht. Es bleibt überhaupt nichts von Ihnen übrig."
Therapeut

"Sie sind der ausgeglichenste Mensch, den ich kenne. Sie lächeln immer so sanft und entrückt wie eine Madonnenfigur. Und Sie wirken wahnsinnig spirituell. "
Pflegerin

"Im einen Moment wirken Sie total gesund... und im nächsten brechen Sie völlig zusammen und jeder Eindruck, den man bisher von Ihnen hatte, kehrt sich um. Sie haben überhaupt keine Stabilität."
Pfleger
2.11.06 20:18


Die alberne Elite

Neulich traf die Autorin in der Straßenbahn ein Mädchen aus ihrer alten Stufe. Man musterte sich von Kopf bis Fuß, schlich umeinander herum, um sich dann schließlich doch zu einem aus zusammengebissenen Zähnen hervorgepressten "Hallo..." herabzulassen. Das Mädchen war in ein dünnes rosa Jäckchen gehüllt und ihre vermutlich von einem Privatfriseur aufgesteckte Frisur saß tadellos, dicke Schminkschichten vertuschten die farblosen Augenbrauen, verklebten die Augen und betonten durch Warnfarben die Lippen. Ihre Ohrringe waren farblich auf ihre Socken, das Markenhandtäschchen und wahrscheinlich die Unterwäsche abgestimmt, in der Hand hielt sie ein 500 Euro-Handy, das ununterbrochen piepsige Töne von sich gab, und das Näschen streckte sie hoch in die Luft.

Die werte Autorin musste unwillkürlich grinsen - hach, die junge Dame machte ihrer alten Schule alle Ehre - ganz im Gegensatz zur Autorin, die Jeans und schwarze Chucks, einen grauen Mantel und darunter ein T-shirt mit Wolf drauf trug, ihre wilde Mähne ungebändigt über den Rücken fallen ließ und auf eine Handtasche gerade ganz verzichtete. Doch dieses Mädchen war tatsächlich der Inbegriff der albernen Elite, die sich jenes humanistische Gymnasium mithilfe der Eltern heranzuzüchten pflegte - Tochter eines Großunternehmers, existent nur in der naiven Masse und in Designerklamotten gesteckt, ohne die sie nichts wäre, weil sich ihr Selbst darüber definierte. In Latein zu ihrem geheuchelten Bedauern allerdings eine Null. Wie schade, dass man sich mit Geld und lokaler Prestige weder gesunden Menschenverstand noch Persönlichkeit kaufen kann. Das meint jedenfalls die Autorin.
4.11.06 16:00


Der Scherenschnittmodus.

Ich bin diese selbstbewusste, energische Frau, die genau weiß, wo es langgeht. Und ich bin das ruhige, verschüchterte Kind, das stundenlang nicht einen Ton sagt. Ich bin das verständige, vernünftige und immer ein bisschen traurige Mädchen, das zu viel kämpft und zuwenig atmet. Und ich bin die total Durchgeknallte, die völlig ausrastet vor Angst oder Schmerz und nicht weiß, wohin mit sich.

Ich verstehe keinen Smalltalk, bin dafür aber witzig und schlagfertig und kann zu jedem Thema ein paar Gedichtzeilen aufsagen. Und dann bin ich manchmal wieder sowas von lahm und verschlucke mich fast an meiner Zunge. Ich bin intelligent und lasse es jeden spüren, ja, und ich würge meinem Gegenüber mit einem Lächeln viel zu ehrlich einen rein, gemein und böse, aber mit solcher Ruhe, dass ich den anderen total aus der Fassung bringe. Und ich bin so lieb und freundlich, dass ich keiner Fliege etwas zuleide tun könnte, und ich möchte nie jemanden verletzen. Ich lache gern und bin fast immer völlig vergiftet von Traurigkeit, ohne je zu weinen. Ich bin wie gelähmt vor Angst vor den Mitmenschen und ich habe wahnsinnigen Respekt vor Leistung und ich zeige nie, wie wenig ich eigentlich kann, und manchmal tue ich es doch - und nein, das ist kein Widerspruch. Jeder denkt von mir, die ist so kompetent und intelligent, die bringt ihr Leben doch problemlos auf die Reihe. Dabei bin ich auch manchmal unsagbar lebensunfähig. Und dann breche ich eben zusammen und schneide mir die Arme auf und mixe mir einen Alkohol-Tabletten-Cocktail, der sich gewaschen hat, was mir die meisten Mitmenschen niemals zutrauen würden. Ich spreche so viel aus und trotzdem gibt fast niemanden, der mehr über mich weiß, als meinen Namen. Ich bin ausgeglichen bis zur Schmerzgrenze und innerlich angespannt und unruhig bis zum Selbstverlust.

Ich bin sehr ambivalent und kann mich nicht unter einen Hut bringen, aber so ist das eben. Ich bin nicht zweidimensional, ich habe meine eigene Tiefe, aber manche Menschen sehen nur meinen Scherenschnitt. Und ich weiß gar nicht, ob es überhaupt Menschen gibt, die vielleicht nur ihr eigener Scherenschnitt sind, aber wenn es sie gibt, so werde ich nie einer von ihnen sein - weil es zu wenig ist, nur seine eigene Oberfläche zu sein, und weil ich vielleicht schon viel zu weit gekommen bin, um noch im Scherenschnittmodus zu denken...
4.11.06 17:53


Das Backgammonspiel

Wir hatten früher ein Backgammonspiel, ein riesiges, altes Brett, das jahrelang bei uns hinter dem Sofa oder hinter der Truhe im Esszimmer an der Wand lehnte. Ich fragte mich als Kind immer, was für ein Ding das sei. Es wirkte irgendwie antik und wir spielten nie Backgammon. Bei uns gab es viele Dinge, die man als Kind nicht berührte oder benutzte, Schubladen, die man nicht öffnete, Orte, an denen absolute Vorsicht geboten war. Dieses Backgammonspiel war der Inbegriff der Dinge, die ich nicht verstand, nicht berührte und die irgendwie wie verpackt waren - verpackt in einem anderen Leben. Ich lebte mein Leben zum Teil wie hinter Glas. Manchmal versuchte ich, Dinge zu berühren, die unberührbar waren, oder Gefühle auszuleben, die für diese abgetönte, unbenutzbare Welt zu ungestüm waren. Man kann Menschen nicht in Glas verpacken. Man kann Kinder nicht daran hindern, mit dem Fuß aufzustampfen, weil dann die Lampe im Erdgeschoss fast aus der Decke bricht... Das Backgammonspiel lehnt wahrscheinlich immer noch an der Wand hinter dem Sofa. Gelegentlich wird es abgestaubt, aber niemals benutzt. Ich hätte es gern hier bei mir und würde ihm Leben einhauchen... Es so benutzen, wie es gedacht ist. Oder es wenigstens berühren.
5.11.06 15:10


Traumgespinste #3

Ich träume intensiv davon, dass ich rauche.

Ich bin radikale Nichtraucherin. Antiraucherin. Ich bin sogar dafür, Raucher (oder eigentlich vielmehr ihr Rauchen) zu diskriminieren. Das Zeug sticht in meine Augen, die Klamotten stinken danach und als ich mal einen Joint geraucht hab, hab ich mir fast die Seele aus dem Leib gehustet. Wirklich, ich finde es ekelhaft. (Mal ganz abgesehen von dem unsinnig investierten Geld und meiner unglaublichen Unbeholfenheit beim Zigarettenhalten sowie dem Wegschnippen der Asche.) Aber dann habe ich letzte Nacht zum zweiten oder dritten Mal intensivst und äußerst realistisch geträumt, wie ich mir genüsslich eine reinschmauche (ganz ohne zu husten!) und es tat so gut. Und jetzt habe ich den Drang oder gar das Bedürfnis, mir eine Schachtel Kippen zu kaufen und ein paar Zigaretten zu rauchen. Es ist wie Heißhunger. Dabei weiß ich natürlich, dass es rausgeschmissenes Geld wäre, weil ich die Zigarette sowieso nach dem ersten Zug eklig fände und wegwürfe. (Was auch ganz gut ist, weil es mir gegen den Strich ginge, zu einem hektischen, gelbfingrigen Suchtlappen zu mutieren.)

Vielleicht hab ich in der Klapse zu oft im Raucherzimmer gehockt und passiv geraucht, so dass ich jetzt nikotinsüchtig bin. Oder mir fehlt ein Laster, nachdem ich alles von Schneiden bis Schokolade essen mehr oder weniger abgelegt habe. Oder ich brauche irgendwas, um mir selbst zu schaden (manchmal fehlt es mir tatsächlich als Schädigung aus Prinzip. Es ist schwer ohne Schmerzen auszukommen. Es ist schwerer, das Muster wegzupacken, als die Sucht.)
7.11.06 15:28


Noch nicht...

Bitte fangt mich nicht ein. Ich bin die wilde Wölfin, die mit dem kalten Wind läuft und die kein Gitter halten wird. Bitte fangt mich nicht. Noch nicht. Ich bin die wilde Wölfin, die sich selbst zerfetzen wird, wenn man sie einkerkert. Bitte fangt mich nicht. Ich will noch nicht sterben.
11.11.06 23:03


Rückwärts

Es gibt hin und wieder Tage, an denen die Zeit rückwärts zu fließen scheint. Man wird jünger im Geist, wann immer man sich selbst näherkommt, man geht langsamer und tastet sich an unsichtbaren Seilen durch den Tag. Es ist nicht einfach, es ist ungewohnt. Manchmal sieht man nicht, wohin man tritt. Am seltsamsten wohl das Fremdheitsgefühl, das sich in allen Gliedern breit macht - hier ist etwas verdreht und ich weiß nicht was, es ist alles wie immer und doch alles anders. Ich komme nicht an...
11.11.06 23:19


Vielleicht

Vielleicht bin ich einfach nur zum hunderttausendsten Mal todtraurig und finde zum hunderttausendsten Mal keine Worte dafür und keine Kraft, um genau hinzuspüren. Vielleicht ist es einfach zum hunderttausendsten Mal Zeit für Seelenkakao mit Zimt, eine blaue Wolldecke und den Geheimen Garten und ich finde zum hunderttausendsten Mal nicht den Weg dorthin. Und vielleicht muss ich einfach das eine Mal von hunderttausend das Traurigsein zulassen, ohne nachzufragen und ohne den Schmerz abzuweisen. Vielleicht muss ich endlich lernen, dass die Gefühle, die zu mir gehören, kein Grund sind, mich umzubringen, sondern höchstens einer, um immer weiterzuleben, weiter und weiter. Und vielleicht bin ich erwachsen genug geworden, um mich endlich fürs Leben und für alle Traurigkeit der Welt zu entscheiden.


Ich bin einfach so traurig.
12.11.06 16:07


Ich habe einen Job!

Die beiden Bewerbungsgespräche mit Bravour bestanden. Ich glaube, Sie passen gut zu uns. Hartnäckig geblieben, nachdem ich tagelang den versprochenen Anruf nicht bekam. Sie sind eine der wenigen, die nach einem Bewerbungsgespräch mit Herrn H. überhaupt nochmal angerufen haben. Und es hat sich so sehr ausgezahlt! Ich hab den Job, verdammt, ich bin so sehr über meinen Schatten gesprungen - Schritt zurück ins Leben. Jetzt muss sich zeigen, ob ich inzwischen fähig bin, zu arbeiten, ohne zusammenzubrechen. Aber ich fühl mich gut. Ich bin so stolz, dass ich erfolgreich und mein Auftreten überzeugend waren... mir wurde sogar spontan eine Ausbildung bei dem Unternehmen, einer Vermögensberatungs-AG, angeboten.
Morgen abend ist der erste Teil der Schulung, dann noch übermorgen und Samstag. Und ich werd es schaffen. Mir kann doch nichts passieren... Was hab ich zu verlieren?
15.11.06 19:45


Wir sprachen

kurz über meinen Vater und darüber, dass regelmäßig irgendetwas mit dem Geld schiefgeht. Und plötzlich flossen die Tränen. Ich weiß nicht, was es war - die Erschöpfung nach den Anstrengungen der letzten Wochen, oder wirklich eine seltsame Mischung aus Hass, Schuldbewusstsein und Vermissen meinem Vater gegenüber - ich weiß nur, ich musste so sehr weinen und konnte mich nicht zurückhalten. Und ich fuhr mit dem Fahrrad nach Hause und die Tränen verschleierten mir die Sicht - und es war mir so egal.
16.11.06 16:29


?Sozialarbeiter?

Ich glaube nicht, dass die Termine mit der Sozialarbeiterin irgendeinen Nutzen für mich haben. Die Frau hat noch nicht einmal in meine Akte geschaut. Sie macht schwammige Aussagen. Sie sagt mir die ganze Zeit, was sie nicht für mich tun kann, statt mir in irgendeiner Weise konstruktiv weiterzuhelfen. Sie zeigt mir kaum Möglichkeiten auf, was man in den verschiedenen Situationen, mit denen ich zu ihr gekommen bin, unternehmen könnte. Sie hilft mir nicht dabei, irgendeine Entscheidung zu treffen, was ich unternehmen möchte. Sie fragt mich, in Kenntnis meiner Situation, ob mein Vater für mich unterhaltspflichtig ist. Und dann gibt sie mir den nächsten Termin erst in zwei Wochen. Inzwischen zweifle ich nicht mehr nur an der Kompetenz dieser Frau sondern auch an meinem Bedarf nach einem Sozialarbeiter.
16.11.06 16:45


Die große, dunkle Angst

Ich versuche jeden Tag erneut, mir eine emotionale Schutzhaut aufzubauen, indem ich mich unter meiner blauen Wolldecke verkrieche, schutzsuchend, als müsste ich nie wieder hervorkommen. Es ist eine Kinderstrategie, die niemals funktioniert - immer kann ich nur hoffen, dass mich niemand angreift, reizt oder verletzt, denn das trifft mich im Innersten. Es ist, als dürfe mich niemand berühren, weil bei mir das rohe Fleisch bloßliegt, weil es keine schützende Haut gibt... Der raue Alltag macht mir jeden Morgen Angst. Keine blaue Wolldecke macht mich weniger verletzbar, und wenn ich mir tausendmal sage, dass ich dorthin zurückkann, und dass ich ein zu Hause habe, das nur mir gehört und wo mich niemand quälen kann, wenn ich ihn nicht selbst hineinlasse.

Mir sind die Stunden so wichtig, in denen ich einfach nur auf der Couch sitze, ohne Termindruck, mit einer Tasse Kräutertee und bei Kerzenlicht, allein, gemütlich lesend. In diesen Stunden kann mir niemand wehtun. Und wenn sie vorübergehen, bekomme ich Angst. Ich zähle die Stunden, bis der nächste quälende Termin ansteht, und koste sie intensiv aus, als müsste ich an dem Termin sterben. Aber ich sterbe nicht. Ich habe nur immer weiter Angst. Und ich weiß nicht, ob das nicht vielleicht sogar schlimmer ist... Manchmal denke ich an Selbstmord, nur um diesen Situationen zu entgehen, vor denen es mir so graut. Mich damit immer wieder zu konfrontieren, bringt mir nicht die geringste Erleichterung. Ich wünschte, ich könnte abstumpfen. So angst- und schmerzfrei werden, wie all die anderen Menschen in meinem Umfeld. Aber ich stumpfe nicht ab.

Die Welt macht mir Angst.
18.11.06 18:27


Aus.

Ich schmeiße den Job. -

Es war nicht die Schulung. Der Job hat mich nicht gebrochen - die Einarbeitung lief gut, ich habe mich mit den Kollegen verstanden und drei volle Arbeitstage durchgestanden. Ich habe es geliebt, an meinem eigenen Schreibtisch zu sitzen und mit T. zu lachen, Tee zu trinken und die Akten zu wälzen, zu lernen über Dinge, von denen ich nie gedacht hätte, dass ich sie spannend finden könnte. Es war okay. Es war gut. Und vielleicht hat es sich dafür gelohnt... nur dafür, zu wissen, dass ich etwas tun kann. Dass ich nicht mehr nur ein völlig abgewrackter, arbeitsunfähiger Psycho bin, wie noch vor einem Jahr. Ich kann lernen, ich kann mich auf die Arbeit konzentrieren - vielleicht noch keine acht Stunden am Tag, aber doch ausreichend, um endlich den Sprung zurück ins Leben zu schaffen.

Ich bin nicht gebrochen worden, nein. Ich gehe, weil der Job unseriös ist. Sie fordern von mir, meine Freunde und Bekannten als potentielle Kunden anzurufen und von ihnen Empfehlungen weiterer potentieller Kunden einzufordern, um diesen mit aller Macht etwas zu verkaufen. Und ich werde nicht für solche Leute arbeiten und dann auch noch meine Freunde mit hineinziehen. So einfach ist das.
22.11.06 19:30


Zurück in den Wind...

Ich habe so sehr das Gefühl, wieder vor dem Aus zu stehen. Es endet immer damit, immer mit diesem Gefühl. Als wäre alles Leben weggewischt. Den Job gekänzelt, wieder bei Null anfangen. Und es ist so schwer... so schwer. Niemand kann mir helfen. Ich kann mir nur selber helfen - und so ist es immer. Ich werde auf mich selbst zurückgeworfen und kann doch nicht mit mir allein fertigwerden. Es fühlt sich so an, als wäre alles vorbei.

Möchte mein Leben in den Wind schießen...


Ich denke wieder über Suizid nach. Einfach aus und vorbei. Die Angst, es zu überleben, ist zu groß. Wenn ich es tue, dann muss es wirklich vorbei sein. Ich mache keine halben Sachen. Es darf nach einem missglückten Versuch nicht wieder alles von vorne anfangen... dazu bin ich einfach zu weit gegangen. Mein Weg ist schon zu lang.

Es fühlt sich so an, als wäre alles vorbei...
22.11.06 19:55


Nur Tränen

"Können Sie nicht irgendwo in sich ein Stück Wut finden? Es muss ja gar nicht viel sein. Nur so viel, dass Sie ein bisschen egoistischer sein können. Damit wäre ich schon zufrieden. Nur so viel, dass Sie sich selbst genauso hoch einschätzen wie Ihre Eltern."

Aber ich kann nicht. Ich kann nur wieder weinen - und das ist schon viel. Allein das nachdenkliche Gesicht meines Vaters vor mir zu sehen, die braunen Augen, die irgendwie immer verletzt blicken und forschend... Tränen brechen aus mir wie ein Sturzbach.

"Vielleicht sind Ihre Eltern ja auch verletzt, kann ja gut sein, aber was ist denn wichtiger - dass Sie niemanden verletzen, oder dass Sie ihr Überleben sichern?"

Natürlich ist mein Überleben das Entscheidende. Ich bin ja auch gegangen damals... und alles ist so sehr aus den Fugen geraten. Ich weiß doch, ich weiß... nur kommen meine Gefühle nicht mit meinem Intellekt mit.

"Und Ihre Eltern haben sich doch auch schuldig gemacht - wenn sie Ihnen nicht so massiv geschadet hätten, dann säßen Sie jetzt nicht hier bei mir und würden um Ihr Leben kämpfen."

Ich weiß nicht, warum mich das immer noch einholt, warum diese Baustelle immer noch so unbearbeitet scheint, wie am ersten Tag. Immer wenn meine Eltern irgendwie ins Spiel kommen, dreht meine Welt durch, ich versacke in Schuldgefühlen und bekomme Panik.
22.11.06 20:20


Jungfrau - Skorpion die Kasteiung

Es gibt Tage, da weiss man erst am Abend wie unsinnig ein bestimmtes Verhalten war oder wie ergebnislos man seine Energie eingesetzt hat. Heute könnte so ein Tag sein. Du grübelst zuviel, Du quälst Dich mit etwas herum und schadest Dir damit nur selbst. Schau Dir die Karte mit dem Bild der sich kasteienden Nonne gut an. Glaubst Du Gott oder sonst irgend jemand will, dass sie sich selbst verletzt? Bringt es ihr etwas? Nein, genau so wenig bringt es Dir etwas in Deinem Leben, wenn Du Dich weiter im Kreise drehst um Dein Bestes zu geben. So wie es ist –so wie Du bist- ist es allemal gut genug.
© Ingrid Zinnel


Vielleicht muss man nur dran glauben... und endlich lernen zu vertrauen. Vielleicht reicht es nie, auf sich selbst zurückgeworfen zu sein, sondern ist immer notwendig, dass man sich zurückbesinnt auf das, was man sein will. Und vielleicht braucht es kein Herzblut und man muss nicht für seine Ideen und Ideale sterben, sondern dafür leben und leben...
24.11.06 23:27


Bei mir

Ich hasse es, wenn du, Fremder, dich in meinen Räumen bewegst. Diese Räume will ich nicht teilen. Es sind meine Räume - zum ersten Mal nur meine - und ich will dich nicht darin spüren. Ich will nicht hören, wie du sprichst und dich bewegst, ich will nicht, dass dein Geruch in meinem Zimmer steht und dass du die Möbel durchsitzt. Wenn du gegangen bist, muss ich durchlüften und Lavendelöl auf die Fensterbänke träufeln. Ich muss wieder lernen, zu atmen. Ich habe Schmerzen in Schultern, Brustkorb und Gesicht.

Warum kann ich keinen Menschen in meinem Reich dulden?

Meine Räume sind nicht auf Besuch ausgerichtet. Ich lasse nie jemanden bei mir übernachten. Und ich schließe alle Türen ab, wenn ich schlafen gehe.
25.11.06 22:28


Strenge

"Sie sind immer so streng mit sich selbst. Furchtbar streng."

Aber ich muss doch streng mit mir sein, um vorwärts zu kommen. Ich muss hart sein, um niemals nachzugeben, und ich muss stark sein, um immer weiter zu gehen. Und darum bin ich es. Und niemand wird mir meine Härte abspenstig machen, denn ich brauche sie mehr als alles in der Welt, um mich zu schützen und mich weiterzustoßen. Denn ich bleibe nicht mehr stehen.
29.11.06 14:40


Ich bin ein Mensch, ...

... der diese kleinen Dinge braucht, die die Welt ein bisschen netter machen und dafür sorgen, dass man sich etwas sicherer fühlt. Ich brauche sie, um mich daran festzuhalten, wenn die Welt kopfsteht.

Beispielsweise habe ich meistens Bonbons, Schokolinsen oder zumindest ein paar Kaugummis dabei, die ich bei Gelegenheit verteilen oder zumindest mir zu Gemüte führen kann. Und da ist dieser kleine Regenbogenmalachit in meiner Jackentasche, den ich hin- und herdrehe, um mich festzuklammern. Da ist der rote Faden um mein Handgelenk, der mich aus dem Labyrinth führen wird, und da sind die Gummibänder, die mir kurzzeitigen Schmerz gewähren, der mich in mich selbst zurückholt und gegen die Angst hilft. Diese Dinge geben mir Sicherheit, fast das Gefühl, zu Hause zu sein, wenn ich mich so wahnsinnig, so schmerzhaft fremd fühle, oder wenn Dinge passieren, die mich aus der Bahn zu werfen drohen. Vielleicht sehne ich mich aus dem selben Grund manchmal so sehr nach einer Zigarette, dass es mich bis in meine Träume verfolgt. Eine Schachtel Zigaretten wäre das richtige Format für die Handtasche, rauchen beruhigt und man kann sich fünf Minuten Auszeit nehmen - weit mehr, als ein Bonbon bietet.

Eigentlich ist das, was dem Raucher seine Zigarette ist, mir meine Tasse Tee. Das Problem ist nur: man kann sich nicht so leicht eine Tasse Tee aufbrühen, wie man sich eine Zigarette anzünden kann, wenn man irgendwo unterwegs ist. Ich habe immer drei oder vier Teebeutel dabei. Aber gleich immer eine ganze Thermoskanne mitschleppen? Und vor jedem Ausgehen aufbrühen? Sich komisch anschauen lassen, wenn man mit einer Thermoskanne ins Konzert geht? Und den Tee jedesmal wegschütten, wenn man ihn nicht benötigt hat? Da wäre eine Zigarette schon praktischer.

Ich brauche etwas, das ich mag, das beruhigt, Sicherheit gibt und das mir ganz selbstverständlich einige Minuten Auszeit gestattet. Eine Alternative zur Zigarette.
30.11.06 12:35


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