Startseite
  Über...
  Archiv
  Gästebuch

 

https://myblog.de/geistmoerderin

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Es ging um Leben und Tod.

"Sie haben sich das Leben gerettet, indem Sie weggegangen sind."

Die Schuld holt mich jeden Tag ein, jeden verdammten Tag. Egal, wie schlimm es war, wie pervers und durchgeknallt - es liegt doch immer noch in meiner Verantwortung, dass ich diese Familie im Stich gelassen und ihr unendlich viel Schmerz zugefügt habe - war es das wirklich wert?

"Und wenn Sie nicht gegangen wären? Sie wären irgendwann einfach komplett unter dieser Last zusammengebrochen, sie hätte Sie in Grund und Boden gestampft - dann ginge es Ihrer Familie auch nicht besser als jetzt, aber Sie hätten dabei Ihr Leben verloren."

Ich sollte lernen, anzunehmen, dass ich auch ein Recht auf ein unversehrtes Leben habe. Und dass ich ein Recht auf diese Rettung hatte.
1.6.06 17:23


Erinnerungsfragment #13

"Lügst du?"
Ariadne schaute langsam auf. Grüne Augen musterten sie eindringlich. In ihr wurde es kalt, eiskalt. War das eine ernstgemeinte Frage gewesen? Sie hätte niemals, niemals erwartet, dass man ihr nicht glauben würde, dass ihr diese Frau nicht glauben würde, bei der sie nach und nach Teile ihres Leids zur Sprache gebracht hatte. Und jetzt, wo es ein einziges Mal darauf ankam...
"Ariadne, ich meine es ernst. Wenn du lügst, dann sag es jetzt."
Um Ariadne kippte die ganze Welt aus den Angeln. Man glaubte ihr nicht. Man glaubte ihr nicht. Man glaubte ihr nicht. Sie stand allein da, sie hatte ihren Schmerz völlig umsonst preisgegeben, sie hatte dieser Frau vertraut. Vielleicht ließ sich noch irgendetwas retten, sie brauchte diese Hilfe. Dringend. Jetzt.
"Aber warum sollte ich lügen? Was hätte ich denn davon..."
Noch während sie sprach, wusste sie, dass alles vorbei war. Es war kalt, so kalt... Ariadne zitterte am ganzen Leib, sie spürte ihre Seele brechen, spürte, wie ihr Körper dagegen aufbegehrte. Man glaubte ihr nicht. Und dann war da nichts mehr außer dem unbändigen Hass auf ihr Gegenüber, der sie völlig erstarren ließ.

Ca. im Alter von fünfzehn Jahren.
2.6.06 19:42


Kommentar

"Auch wenn Sie nichts dafür können, Frau K. - ich weiß, dass Sie nichts dafür können - aber Sie machen es einem nicht leicht."
7.6.06 11:45


Ich darf es auch langsam angehen.

Diese Erwartungshaltung macht mir zu schaffen. Von allen Seiten werde ich gefragt, ob ich denn schon eine Ausbildungsstelle habe und warum nicht und ob das nicht frustrierend ist und was ich jetzt mache... Ganz ruhig. Ich bin nur mir selbst Rechenschaft schuldig und ich bestimme das Tempo. Vielleicht muss es gar nicht so schnell gehen...

Erstmal ein Nebenjob, drei-, viermal die Woche zwei, drei Stunden. Nicht überfordern. Dann ein Praktikum, vielleicht nur vier Tage die Woche und keinen vollen Arbeitstag. Ich weiß jetzt schon, dass ich das nicht schaffen würde. Meine Ausbildung kann ich auch noch aufs nächste Jahr verschieben; dieses Jahr werde ich ohnehin nur noch schwerlich etwas bekommen. Wichtig ist, dass ich überhaupt etwas mache, dass ich eine Beschäftigung habe und meine Belastbarkeit langsam wieder steigere. Es ist doch mein Weg und mein Leben.

Manchmal bin ich zu ungeduldig mit mir und möchte einfach alles sofort schaffen und genauso viel leisten wie jeder gesunde Mensch, möchte perfekt funktionieren. Ich will nicht, dass man mich für faul hält, weil ich nichts leiste, für weniger intelligent, weil ich kein Abitur habe und nicht studiere, oder für seltsam. Aber ist es so wichtig, immer den Schein zu wahren? Ist es nicht viel wichtiger, sich nach den eigenen Möglichkeiten zu entwickeln und seinen Weg zu gehen, auch wenn er anders aussehen mag, als der der breiten Masse?

Ich will versuchen, das zu schaffen, was ich schaffen kann, aber ich will mich auch nicht mit überzogenen Ansprüchen überfordern. Und wenn ich länger brauche, dann ist das so. Mein Ziel soll sein, in Bewegung zu bleiben und den einen Weg zu gehen, der meiner ist.
7.6.06 19:38


Traumgespinste #2

Ich wusste sofort, dass die Fischsuppe vergiftet war. Sie wollten uns umbringen oder einfach nur betäuben. Ich wusste es. Es war so offensichtlich... Ich teilte es meinen Eltern mit. Sie sagten, es dann sei es eben so, na und? Meine Angst wuchs. Wir gingen aus der Küche, setzten uns an den Esstisch. Es war in unserem alten Esszimmer. Der Platz meiner Tante blieb als einziger frei. Sie trieb sich wieder irgendwo anders herum. Ich wünschte mir, an ihrer Stelle zu sein. Mein Vater füllte seine Suppentasse bis zum Rand. Seine Gelassenheit erschreckte mich. Ich weigerte mich, mir Suppe zu nehmen, sagte dreist zu den mutmaßlichen Mördern, sie sei vergiftet oder mit Betäubungsmitteln versetzt, ich wisse das und würde sie nicht zu mir nehmen. Man flüsterte mir ein, wenn ich die Suppe nicht äße, müsste man mich umbringen, weil ich dann ja wach bliebe, während man meine Eltern tötete, und den Täter benennen könnte. Ich bekam es mit der Angst. Sterben oder narkotisch schlafen, während man meine Familie umbrachte. Meine Angst davor, getötet zu werden, war groß, aber gab es überhaupt noch eine Chance, jemanden zu retten, wenn ich mich betäuben ließ? War dann nicht alles zu spät? Welche Entscheidung sollte ich treffen?

Zentral mag meine Weigerung sein, mich vergiften zu lassen. Ich lasse mich nicht mehr ruhigstellen und mir Gift einflößen - das ist zu lange geschehen, viel zu lange. Meine Tante hat es vielleicht richtig gemacht, dass sie dieser Familie den Rücken gekehrt hat, die sich so bereitwillig in Gefahr begibt... Und wieder lastet das ganze System auf meinen Schultern. Auf mich wurde die Entscheidung abgewälzt - sterben oder die Familie im Stich lassen? Ich habe damals mein eigenes Leben gewählt.
7.6.06 20:45


Im Labyrinth

Der Versuch, Mensch zu sein, ist ein Labyrinth zu betreten, während die anderen auf den Autobahnen ihr Leben gestalten: Sie kommen schnell voran, während du suchst und suchst. Und wirst du jemals finden?
Erhard Blanck
8.6.06 14:48


Grundlagen

"Normalerweise ist Leistungsfähigkeit wie eine Zwischendecke", sagte sie und legte ihre Handrücken so nebeneinander, dass sie eine parallele Fläche zur Tischplatte ergaben. "Wenn sie zusammenbricht", sie ließ die Hände auf den Tisch krachen, "dann fängt eine Basis darunter einen auf. Sie jedoch fallen gleich ins Bodenlose."
Ariadne nickte. Das Beispiel war einleuchtend. Offensichtlich fehlte ihr eine Basis, auf die sie ihr Leben aufbauen konnte, die nicht den Titel "uneingeschränkte Leistungsfähigkeit" trug.
"Ich möchte mit Ihnen gern eine Basis für Sie erarbeiten, damit Sie sich nicht wertlos fühlen müssen, weil sie "Zeit mit Kranksein verschwendet" haben."
8.6.06 15:03


Email...

Meine alte Therapeutin hat mir eine Email geschrieben und gefragt ob ich schon einen Therapieplatz habe und wie´s mir geht... und ich habe zurückgeschrieben und sie hat kurz geantwortet - und es tut nur weh. Nichts sonst. Sie hat mich berührt und mir keine Chance mehr gegeben, damit klarzukommen. Ich habe geweint und geweint. Es wäre besser gewesen, mich in Ruhe zu lassen, als diesen Kontakt aufzunehmen, der keiner war.

Oder - hatte es vielleicht doch etwas Gutes... damit die Trauer sich endlich lösen kann? Ich war wie erstarrt. Konnte kein Gefühl zulassen. Mein Gefühlsleben ein schwarzer, harter Klumpen in mir.

"Auch wenn ich keinen Einfluss mehr nehmen kann, liegen Sie mir am Herzen."

Solche Sätze schmerzen immer. Immer.

Ich hänge so in der Luft, finde keinen Halt... es gibt keinen Aufhänger mehr für meine abgefuckte Seele.
19.6.06 14:28


Ich hänge in der Luft...

Ich weiß nicht, wer ich bin und was für ein Leben ich lebe. Alles fühlt sich verdreht an. Es fühlt sich an wie ein reastischer Traum, der doch nicht wahr sein kann. Es fühlt sich an, als könnte ich jeden Moment aufwachen und die Realität ist eine ganz andere. In Wirklichkeit spiele ich nicht Posaune, ich bin nicht von dem fahrenden Zug meines Lebens abgesprungen, ich habe keinen Kontakt zu bestimmten Menschen - das kann nicht sein. Es kann einfach nicht so sein.

Viele kleine Dinge fühlen sich verdreht an. Musik, die ich höre, Kleidung, die ich trage, das Shampoo, das ich benutze. Hier in dieser Wohnung herumzugehen. Es ist, als gäbe es in mir immer zwei Ariadnes. Die eine, die so lebt, wie ich es tue, die andere, die an eine andere Realität gebunden ist, vielleicht an die, die meine hätte werden können, wenn ich nie versucht hätte, ich selbst zu werden. - "Und dieses andere Ich lebt immer noch?" - Ja. - "Ich bin mir nämlich nicht sicher, ob Sie noch leben würden..."

"Fühlen sich ihre Eltern auch verdreht an?" - Nein, das tun sie nicht. Da scheint alles richtig zu sein. Die Schule fühlte sich auch nicht verdreht an. Und vielleicht liegt da ein Knackpunkt... "Wenn die Realität, in der man aufwächst, verdreht ist, dann wird das Verdrehte zum Normalen... und das Normale wirkt dann vielleicht verdreht."

Ich weiß nicht, ob ich jemals einen Bezug zu mir selbst finde. Und zu dem Leben, das ich mir aufbaue. Es gibt keine Basis dafür. Man sagt, es gibt zwei Dinge, die Kinder von ihren Eltern brauchen: Wurzeln und Flügel. Um zu überleben, habe ich mich selbst entwurzelt, nachdem meine Eltern meine Flügel gestutzt haben.

Ich sehe kein Leben für mich.
20.6.06 16:32


Ureigenste Alpträume

Ich träume so oft, dass ich überall verfolgt werde, in Kaufhäusern oder im Urlaub und meistens von den eigenen Eltern. Oder dass Menschen sich in meiner Wohnung aufhalten, die ich dort nicht haben will, und irgendwelche schrecklichen Dinge mit meiner Einrichtung anstellen - oder mit mir. Meine Wohnung, das ist mein Schutzraum, ein Raum, der nur mir gehört. Eindringlinge können meinen seelischen Tod bedeuten. Ich gehe jede Nacht durch die Höllen der Angst.
21.6.06 00:34


Hilfe!

Gerade rief mein Vater an, sprach auf den Anrufbeantworter... S. ist nicht da, ich bin allein. Es war nichts Schlimmes, ganz alltäglich. Ogott, seine Stimme. Ich habe ihn seit zwei Jahren nicht mehr sprechen hören. Ogott. Alles kocht hoch, alles, alles - bin ich denn nicht einmal hier sicher, 140km von meinem Elternhaus entfernt! Sie kriegen mich überall, überall, und wenn es nur mit ihrer Stimme ist...

Sie kriegen mich überall.
21.6.06 19:23





Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung