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So ist die Lage

Ich habe eine Wohnung in Bochum gefunden und angemietet. Gut 35qm, relativ große Küche, Wohn-/Schlafzimmer, kleines Bad mit Badewanne, Flur. Wenn alles glatt geht, bekomme ich den Schlüssel bereits Anfang April. Bis dahin wird noch einiges saniert. Es geht vorwärts. Schritt für Schritt. Ich bringe Ordnung in mein chaotisiertes Dasein.

Ich bringe Ordnung in mein Dasein und bin doch verwirrt. Gefesselt und eingesperrt in einer Drehtür, so komme ich mir vor. Die Fäden meines Lebens sind verwirrt und verknotet - das fängt schon bei den Gedanken an. Ich habe keine Kontrolle, keinen Halt. So fühlt es sich an. Natürlich weiß ich, dass das so nicht richtig ist, dass es sehr wohl Bereiche gibt, die ich unter Kontrolle habe. Ich merke, dass ich wieder anfange zu polarisieren, und kann mich nicht aufhalten. Es ist erschreckend, wie sehr man sich auch noch mit einem Wissensstand wie dem meinen in seinen alten Mustern verstricken kann.
2.3.06 13:29


Besuch

Am Freitag klingelte meine Patentante Sturm und ich Depp ließ sie herein. Was für ein Fehler! Sie wollte mit mir reden und ich bot ihr sogar noch eine Tasse Tee an... In meiner eigenen Küche. Ich hab es bereut.
Sie versuchte, mir einzureden, sie wisse viel besser als ich, was gut für mich sei, als ich selbst. Ich soll
- bevor ich wegziehe, meine Mutter treffen (Es geht dir bestimmt besser, wenn du deine Mutter besuchst, da bin ich mir sicher. Deine Mutter ist doch nicht gefährlich für dich, sie hat dir doch nie was getan.)
- meine Medikamente absetzen (Medikamente sind schlecht, man wird davon nur abhängig, sieh zu, dass du davon los kommst.)
- zu einem anderen Psychiater gehen
- nach Herford ziehen (Da kenn ich Leute, die dir eine Ausbildungsstelle beschaffen können)
- nochmal Abitur versuchen
Dazu tausende von Fragen. Und warum, Kind, hast du nur die Schule abgebrochen?! Und warum wiederholst du nicht? Und was hat dich eigentlich dazu bewogen, damals zu gehen? Was genau? War es dein Vater? Was ist es, das du jetzt immer noch verarbeiten musst? Du konntest ja noch nie Konflikte bewältigen, du hast immer einen riesigen Bogen um alles gemacht, was im entferntesten einem Konflikt nahekam.

Dann hat sie mir von anderen Jugendlichen erzählt, die sich "wieder gefangen haben", ein Opfer sexuellen Missbrauchs, das ab 14 Jahren sein Leben in Wohngruppen gefristet hat, hat sie hingestellt, als sei das alles nicht wahr, als habe das Mädchen sich das nur ausgedacht... Und mich in direkte Beziehung gestellt. Als schlüge ich einfach nur Kapriolen und würde den Weg zurück schon finden. Als sei ich komplett gesund und müsste mir nicht jeden verdammten Schritt da hinaus erarbeiten.
Meine Medikamente soll ich absetzen - damit es mir wieder richtig schlecht geht, ja? Damit ich wieder so richtig am Boden liege und sie mit mir machen können, was sie wollen. Damit ich wieder schul-/arbeitsunfähig werde und nur noch am Rad drehe, wieder so krank werde, dass ich 50% meines Lebens in der Psychiatrie fristen kann... Argh. Ich vertrau meinen Ärzten hundertmal mehr als ihr - sie hat nie gesehen, was mit mir war, die ganzen Jahre nicht - und meine Ärzte haben sich für mich als Menschen interessiert und geschaut, dass es mir besser gehen kann. Wie kann sie nur bei mir auftauchen und so einen Bockmist verzapfen?!

Nach der Stunde, die sie hier war, tat mir alles weh. Ich war mit den Nerven durch. Sie hat alles infrage gestellt, was ich mir in den letzten zwei Jahren aufgebaut habe, hat versucht, mich in die alte Rolle zu drängen und Kontrolle auszuüben. Fünfmal betont, ich müsse meine Mutter sehen, müsse mit ihr reden... Verdammt, ich hab schon meine Gründe, dass ich den Kontakt vor zwei Jahren gekappt habe! Sie hat keine Ahnung, nicht den blassesten Schimmer, aber sie maßt sich an, über mein Leben und mein Wohlergehen zu urteilen.
Ich war komplett aus dem Gleichgewicht, habe es mit Mühe und Not geschafft, in keine alten Muster hineinzurutschen, habe mich nicht geschnitten, keine Medikamente überdosiert... Der Druck war beinahe unerträglich. Sie hat mich ganz tief in die alten Schuldgefühle und Gedankenspiralen hineingeritten, hat mich zurückgeworfen, ich hab Tage gebraucht, um wieder klarzukommen.
2.3.06 14:08


Flashback

Ariadne wusch sich die Hände und warf einen unwillkürlichen Blick in den Spiegel. Die Haare waren auf den Rücken zurückgestrichen, nur ein paar kurze Strähnen vorn, die die Schultern kaum berührten - und sie war wieder Kind, sieben oder acht, wurde zurückkatapultiert - die kurzen Haare - verstummt.
Sie schüttelte das lange Haar nach vorne wie zum Schutz, sagte sich, sie sei 20einhalb auf den Tag, es sei 2006. Nein. Alles unwirklich, alles Kulisse. Die Welt um sie herum existierte so nicht, wie sie sich darstellte. Sie war ein einziger Betrug, sie war nicht zwanzig, alles nur ein Traum, eine Traumwelt, die sie sich erschaffen hatte, sie war sieben, sieben, sieben. Ariadne stürzte völlig in die Rolle der Siebenjährigen, verkrampfte, verstummte. Minimalkommunikation. Lächeln, schweigen. Unsteuerbar, unberechenbar. Gefangen.
Und dann, in einem totalen emotionalen Zusammenbruch brachen die Tränen sich Bahn und Ariadne hörte an diesem Abend nicht mehr auf zu weinen.
11.3.06 23:48


Therapieergebnis #12

Meine vorletzte Stunde in Bielefeld. Wir schauten über die Protokolle der letzten zweieinhalb Wochen, fassten den Besuch meiner Patentante und den Flashback am 5. März genauer ins Auge. Es sei kein Wunder, dass es mich emotional zurückwerfe, wenn solcherlei Menschen und Dinge aus der Vergangenheit auftauchten, sagte sie. Dennoch fand sie es recht gesund, dass ich infolge meines Flashbacks so hemmungslos geweint habe - als sei ein Stück des damals nicht gelebten Gefühls endlich herausgebrochen. Aber wir versuchten auch gut im Blick zu halten, was ich alles geschafft habe und jeden Tag schaffe, einschließlich Job- (inzwischen wurde ich für ein Praktikum in einer meiner angestrebten Ausbildungsstellen angefragt) und Wohnungssuche.

Wir sprachen über Großeltern, welche Rolle meine Großeltern in meinem Leben übernommen haben, wie ich sie in Erinnerung habe - ich erzählte in erster Linie von meinem Großvater, seinen mehr oder minder subtilen Quälereien und dass ich ihn trotz des Schadens, den er mir zufügte, über alles liebe. Vielleicht habe ich gerade deswegen heute solche Angst vor ihm. Ich werde ihn niemals wiedersehen, ohne an seinem gebrochenen Herzen zu sterben... Ich muss mir nur einen Augenblick seine Augen, seinen Blick ins Gedächtnis rufen und etwas in mir bricht. Bricht so sehr und so schmerzhaft, dass mein Verstand auseinanderzufallen scheint. Während ich sprach und versuchte, nichts dabei zu fühlen, gab meine Therapeutin hin und wieder mitfühlende Laute von sich, und ich hatte fast den Eindruck, sie könne das Richtige für mich fühlen. Bei ihr kam etwas von dem Leid an.

In der letzten Woche kam es zu Selbstverletzungen, kein Schneiden, wenigstens das, sondern Schlagen gegen Möbelkanten und Beißen. Okay, es war ein Rückfall, aber es ist kein Drama, sagt sie. Das kommt vor, man sollte es ernstnehmen, aber nicht überbewerten. Noch ist keine Serie daraus geworden.

Meine Therapeutin bot mir an, Emailkontakt zu halten, bis ich hier in Bochum in eine ambulante Psychotherapie einsteige, und ich bin darüber sehr froh, denn mir war schon mulmig bei dem Gedanken, monatelang niemanden zu haben. Sie gab mir im Übrigen den Rat, hier den Fokus auf alte Rollenverteilungen zu lenken, da in dieser Hinsicht bei mir noch vieles im Verborgenen und das nicht mehr Verborgene zu großen Teilen im Argen läge. Wir wollen das Thema miteinander nicht mehr vertiefen, da sie der Meinung ist - und ich schließe mich da an - dass ich dazu einen gesunden räumlichen Abstand benötige.
12.3.06 00:38


Ich bin so erschöpft.

So müde, dass es an Lebensmüdigkeit grenzt. Kein regelmäßiges Schreiben möglich, verzeiht...
12.3.06 00:50


Post

Meine Mutter hat mir geschrieben und ich bin fast komplett durchgedreht. Die wenigen Worte in ihrer zarten Handschrift auf dem Zeitungspapier mit braunem Stabilo - sie ist so zart... (schwach?) meinen Beschützerinstinkt, meine Fürsorglichkeit zieht sie an wie ein Magnet. Und dann trifft mich wie ein Schlag der Gedanke an meine Schuld. Sie ist nicht für dieses Leben gemacht und ich hab ihr so viel Leid angetan. Ich hab sie zerstört. Sie hat mir alles bedeutet, alles, und ich musste gehen, um mich zu retten und jetzt holt sie mich wieder ein, wie sie mich immer eingeholt hat. Kontrolle, Grenzüberschreitung. Diese zarte Handschrift.

Das war vor ein paar Tagen und inzwischen hab ich mich wieder im Griff oder eher sie hat mich nicht mehr so sehr im Griff.

du fühlst dich schuldig
denn du hast die schuld auf dich genommen
die deine peiniger nicht tragen konnten


Es ist erschreckend, wie groß ihr Einfluss auf mich nach über anderthalb Jahren, in denen ich sie weder gesehen noch gesprochen habe, immer noch ist. Manchmal denke ich, dass ein Gespräch im Beisein von Therapeutin und Psychiater vielleicht doch nicht so verkehrt wäre. Irgendwie muss ich ihr die Schuld zurückgeben... Aber ich fühl mich noch nicht stark genug. Stabilität geht vor.
Oder?
19.3.06 19:41


Vielleicht

ist es Zeit, wieder regelmäßiger zu schreiben. Früher hat es mir viel Erleichterung gebracht und ich wäre eine Närrin, würde ich diese Strategie aufgeben.

Gestern habe ich die Arbeitsproben und das Vorstellungsgespräch für eine Buchbinderstelle versemmelt. Was ich hergestellt habe, war nicht gut genug, man brachte mir nicht besonders sanft bei, dass ich kein Talent hätte. Offensichtlich habe ich meine eigene Arbeit auch noch überschätzt, das ist vielleicht das Schlimmste dabei. Ich habe mich überschätzt. Ich hab wirklich geglaubt, ich wäre in der Lage, diesen Beruf zu erlernen, ich wäre geschickt und penibel genug. Es ist viel schlimmer, sich zu überschätzen und dann mit der Nase darauf gestoßen zu werden, als sich von vornherein zu unterschätzen und sein Licht unter den Scheffel zu stellen. Es hat mein ohnehin schon mangelhaftes Selbstwertgefühl total durcheinandergebracht. Mir fehlt jetzt der Mut, zu meinem Goldschmiedepraktikum zu gehen - wenn ich doch kein handwerkliches Geschick habe, werde ich mich da nur lächerlich machen... Mich da überhaupt zu bewerben - eine Farce.
Je höher man sich selbst einschätzt, desto tiefer fällt man, wenn man merkt, wie unzulänglich und unbegabt man ist. Verdammt, ich hielt mich wirklich für einen Menschen, der geschickt ist.

Und jetzt hab ich ein Déjà-vu. Als hätte ich das alles schon einmal geschrieben.

Den ganzen Tag konnte ich meine Gedanken nicht von den Szenen losreißen, kehrte zwanghaft immer wieder zu den schmerzhaften Worten zurück - Wir suchen Leute, die schon eine gewisse Begabung mitbringen, und das ist bei Ihnen nicht der Fall. Tresorübung. Fünfmal. Zehnmal. Zwanzigmal. Hilft nicht. Ablenkung. Notfallkoffer. Es war schwierig, mich nicht für meine Selbstüberschätzung, Anmaßung und Schlechtigkeit zu bestrafen. Jetzt komme ich langsam darüber hinweg. Aber es hat wehgetan. Ich fühlte mich in den Staub getreten, degradiert und wertlos. Ich will mir so sehr wehtun, habe es verdient und brauche es. Jetzt. Jetzt. Jetzt. Ob das überhaupt noch ein nachvollziehbarer Gedanke ist? Oder nur noch der verdrehte Irrsinn, der mich früher hat überleben lassen, mit geradlinigem Denken aber überhaupt nichts mehr zutun hat? Das ist alles so krisenverdächtig. In meinem Hirn pocht nur noch dieses eine Wort:
KRISE
22.3.06 23:33


Mein Vater

kommuniziert mit mir über Überweisungsträger und Kontoauszüge. Er versucht Druck zu machen. Finanziell. Ich hab Angst, dass er mir den Geldhahn zudreht, einfach so, das traue ich ihm ohne Weiteres zu. Gesetzlich ist er verpflichtet mir Unterhalt zu zahlen, bis ich eine abgeschlossene Berufsausbildung habe oder 27 bin, so dass ich ich einen Satz von eigentlich etwa 600,- Euro monatlich zu Verfügung habe - nicht einmal daran hält er sich, 500 bekomme ich. Und jetzt versucht er Druck zu machen, weil er meiner Mutter auch noch Unterhalt zahlen muss und es bei ihm dadurch natürlich etwas knapper wird. Er will Rücksprache, möglichst persönlich, wir sollen uns treffen. Ich will das nicht und ich hab Angst, dass er mir zu nahe tritt. Ich hab Angst vor ihm.

Wir hatten damals während des ersten Klinikaufenthalts ausgemacht, dass er und meine Mutter, genauso wie die Großeltern, keinen Kontakt zu mir aufnehmen dürfen. Jedwede Annäherung sollte von mir ausgehen, ich sollte die Kontrolle darüber haben. Es hat vom ersten Moment an nicht funktioniert. Ich habe Terroranrufe von den Großeltern bekommen, Briefe von meiner Mutter, Postkarten, Kontoauszüge und Zettel unter dem Deckmantel finanzieller Abklärungen vom Vater, das meiste davon voller Demütigungen, Versuchen, die Kontrolle über mich zurückzugewinnen, und Druck. Druck, Druck, Druck - sie kannten jedes Druckmittel. Egal, was Therapeuten, Pfleger und Psychiater gesagt haben, es interessiert niemandem aus meiner Familie, wie es mir damit geht und was tatsächlich gut für mich ist. Sie sehen immer noch über meine Bedürfnisse und Rechte hinweg und springen mit mir um wie es ihnen beliebt.

Ich werde mich nicht mit meinem Vater treffen, nicht jetzt und nicht so. Die Kontrolle darüber muss bei mir bleiben. Was passiert da schon wieder? Diese dauernden Manipulationsversuche. Ich hab Angst.
23.3.06 00:00


Ein bisschen zuviel

Ich hab den Tag fast komplett auf dem Sofa verschlafen. Wahrscheinlich war es nötig. So erschöpft... Es ist alles ein bisschen viel im Moment, der Stress mit den Eltern und der Ausbildungssuche, die vielen Dinge, die ich schaffen muss, das Alleinsein und weder eine Familie noch ein zu Hause zu haben. Das alles ohne adäquate therapeutische und psychiatrische Betreuung. Wenn ich bedenke, dass ich in Dezember noch drei bis vier Termine wöchentlich in der Ambulanz hatte... Aber es ist nur eine Übergangsphase, solange ich hier in Bochum noch nicht gemeldet bin. Außerdem zeigt es mir, dass ich auch allein schon einigermaßen zurechtkomme.

Eine liebe Klinikbekanntschaft vom letzten Aufenthalt hat mir ein paar schöne Fotografien geschickt: Ich mit Rose, ich, wie ich verträumt an der Rose rieche, unser Sechserpack, der die Abende immer zusammen verbracht hat, drei von uns, die immer die Pferde besuchen gegangen sind. Die Bilder sind so schön geworden. Zu gern würde ich hier eines posten, wenn ich einen funktionierenden Scanner hätte. Zuallermeist verliere ich zu den Leuten aus der Klinik schnell den Kontakt und das ist wohl auch ganz gut so... Ich brauche doch eher ein gesundes Umfeld. Wenn ich bedenke, was für kranke Menschen ich da schon kennengelernt habe - nein. Das tut nicht gut. Dennoch werde ich unserm Nesthäkchen einen Brief zurückschreiben. Sie ist so eine Liebe, vielleicht treffen wir uns mal auf einen Kaffee.
24.3.06 19:35


Hässlichkeit

Ich sehe mich im Spiegel und finde mich hässlich. Die Züge zu angespannt. Gesicht und Lippen zu bleich. Etwas abstehende Ohren und engstehende, blasse Augen. Insgesamt sehe ich kränklich aus und unglücklich. Zu dick, wie ich finde. Ungeschminkt. Wilde, mittellange Haarmähne.
Ich habe mehr oder minder unbewusst dafür gesorgt, dass alles, was noch halbwegs passabel an mir war, hässlich wurde: Auf dem Rücken Pickel, Arme und Beine voller Narben, Hände durch abgekaute Fingernägel verunstaltet. Vielleicht entspricht mein Körper auf diese Weise mehr meinem Hass auf ihn.
24.3.06 22:40


So.

Ich habe dem Blog einen neuen Anstrich verliehen und die Zusatzseiten geändert oder ganz herausgenommen. Es passte nicht mehr. Etwas ist anders geworden in den letzten Wochen.
25.3.06 14:26


Krisenplan

Stabilität sichern/fördern:
~ täglich kleine Aufgaben (was zu tun)
~ nicht überfordern! größere Belastungen vermeiden
~ Pausen einhalten
~ mir Gutes tun, einmal am Tag freuen
~ täglich mein Quäntchen Bewegung
~ auf die Ernährung achten, möglichst nicht hungern
~ kein Alkohol
~ im Kontakt bleiben, nicht zu sehr isolieren
~ beschäftigt bleiben, möglichst wenig Leerlauf
~ Regelmäßigkeit, Rituale


Ich beweg mich auf eine Krise zu. Es kündigt sich an, alle Frühwarnzeichen da, jetzt muss ich auf mich aufpassen. Ich lass das jetzt nicht zu. Nein. Zuviel Angst, dass es wieder so schlimm wird wie im Oktober. NEIN.
29.3.06 16:35


Krisenplan #2

Was sind derzeit Belastungen?
~ Post von den Eltern
~ jeder Kontakt über Dritte mit der Familie
~ Kontakte mit Menschen, die mir nicht guttun
~ viel Alleinsein
~ negative Kognitionen
~ Absagen (nicht vermeidbar)
~ kein zu Hause (absehbar)
~ ein Zuviel, Überforderung
~ schmerzhafte Gefühle und emotionale Ausraster
~ kleinste Beziehungsprobleme
~ bestimmte Pflichten, die mir sehr schwer fallen
~ Langeweile, Leere
~ jede Art von (Sucht-)Druck (SV, Medikamente)

Positives schaffen:
~ Wohlbefinden: Ordnung, Wärme
~ zu Hause fühlen: Kaninchen, Platz und Zeit nur für mich
~ Geborgenheit: Kakao mit Zimt, Tee, Decke, Kinderbücher
~ Freude: Posaune spielen, Lob, Leistung, Tiere
~ Achtsamkeit: Wind, Regen, Sonne, Gras, Farben, Licht
~ Beschäftigungen: lesen, malen, schreiben, Gesellschaftsspiele, Posaune spielen

Rituale:
~ morgens zur gleichen Zeit aufstehen und frühstücken
~ abends: Tee, Geschichte vorlesen lassen
~ einmal täglich Gedanken aufschreiben
~ täglicher Spaziergang
~ ???
29.3.06 16:54


"Ritzen" gegen den Stress (Artikel)

~quelle
(ich f?hl mich irgendwie ganz gut verstanden)

Um aufzukl?ren und zu informieren, lud ViaAltona j?ngst zu einer Fachveranstaltung zum Thema Borderline ein ? und pr?sentierte im Altonaer Rathaus die Ausstellung "Tagebuch borderline ? borderland" mit Grafiken der Betroffenen Martina Schwarz. Eine beeindruckende Einf?hrung gab au?erdem Prof. Dr. Ulrich Sachsse aus G?ttingen.

Selbstverletzendes Verhalten, Schwierigkeiten bei der Beziehungsgestaltung, chronische Suizidalit?t, panische Angst vor dem Verlassenwerden ? die Symptome einer Borderline-Pers?nlichkeitsst?rung sind vielf?ltig. Im Bewusstsein der ?ffentlichkeit sind Borderliner aber in erster Linie Menschen, die sich selber verst?mmeln, sich etwa mit Rasiermessern die Haut aufritzen. Um aufzukl?ren und zu informieren, lud ViaAltona j?ngst zu einer Fachveranstaltung zum Thema Borderline ein ? und pr?sentierte im Altonaer Rathaus die Ausstellung "Tagebuch borderline ? borderland" mit Grafiken der Betroffenen Martina Schwarz. Eine beeindruckende Einf?hrung gab au?erdem Prof. Dr. Ulrich Sachsse aus G?ttingen, der zum Thema "Selbstverletzung ? Symptom im Wandel der Zeit" referierte ? und sowohl Ursachen der Pers?nlichkeitsst?rung als auch Behandlungsm?glichkeiten aufzeigte.

Borderliner sind sehr gesund und sehr gest?rt
"Borderliner sind sehr gesund und sehr gest?rt, beides ist da", charakterisierte Sachsse zu Beginn des Vortrags die Pers?nlichkeitsst?rung. Die Betroffenen k?nnten schnell aus einem sehr stabilen Zustand in einen schlechten Zustand abst?rzen. Erst in den 1990er Jahren sei deutlich geworden, dass Borderliner unter Traumatisierungen leiden. Allerdings: "Alle einfachen Gleichungen sind falsch. Man kann vom Symptom keine Diagnose stellen." Das hei?t: Nicht jedem selbstverletzenden Verhalten liegt etwa ein Missbrauch zugrunde.

F?r Sachsse ist Borderline eine behandelbare St?rung, das selbstverletzende Verhalten das bestwirkende Medikament im Hochstress. "Nichts wirkt vergleichbar gut au?er Heroin." Borderline sei eine Stressverarbeitungsst?rung von Menschen, die zu schnell in Stress geraten. Ein weiteres Kennzeichen dieser Personen: schnell wechselnde Beziehungen.

Die Verlassenheitsangst des S?uglings ist eine Realangst
Das Gef?hl zu haben, man sei unerw?nscht, kann schon zu gro?em Stress f?hren. Fr?h erfahrene Ablehnung, Gewalt gegen den F?tus in der Schwangerschaft, Abtreibungsversuche, Stress in der Schwangerschaft k?nnten zu diesem Gef?hl f?hren. Unter dem Begriff Deprivation (Mangel oder Entzug von etwas Erw?nschtem) l?sst sich bereits ein Baustein f?r eine Pers?nlichkeitsst?rung zusammenfassen. Die fehlende Zuwendung der Mutter, Liebesentzug, fr?hkindliche Verlassenheit bleiben nicht folgenlos. Sachsse: "Die Verlassenheitsangst des S?uglings ist eine Realangst. Denn in der Natur w?re ein Kind bei optimalsten Bedingungen erst ab vier Jahren allein ?berlebensf?hig." Alleinsein f?hre zur Verlassenheitsdepression. Aber es gebe, so Sachsse, auch Bindungen, die Gewalt und ?bergriffigkeit bedeuten. "Ein S?ugling bedeutet Stress. Die Frage ist, wie Eltern damit umgehen k?nnen. Schaltet die Mutter einfach ab, wird die wichtige Bindung zum S?ugling unterbrochen. Schlagen M?nner zu, wird der Umgang mit Stress an den S?ugling weitergegeben." In dieser fr?hen Phase w?rden die Grundlagen f?r die chaotischen Bindungsmuster der Borderliner gelegt. Angst vor Verlassenheit, Alleinsein und Todesangst seien ein wichtiges Kriterium.

Bei Patienten mit einer Borderline-Pers?nlichkeitsst?rung tr?ten auch unkontrollierbare Spontanregressionen auf, also der Wechsel vom Erwachsensein zum Kind ? wobei nicht das mitunter infantile samst?gliche Freizeitverhalten von M?nnern auf Fu?ballpl?tzen gemeint sei, wie Sachsse bemerkte. "Borderliner sind festgefahren in kindlichen Bindungsmustern, haben gleichzeitig sowohl Misstrauen als auch Sehnsucht nach intensiver N?he."

Wie reagiert eine zerst?rte Kinderseele auf Misshandlung und sexualisierte Gewalt?
"L?sungen" sind laut Sachsse Depersonalisation (Ver?nderung der Selbstwahrnehmung, die Person f?hlt sich fremd im eigenen K?rper), Derealisation (Gef?hl der Unwirklichkeit, die Umwelt wird als fremd oder ver?ndert wahrgenommen) und Dissoziation (Unterbrechung des Stroms des Bewusstseins, Abspaltung von Gef?hlen, K?rperwahrnehmung und Emotionen, der Erinnerung, der Identit?t und der Wahrnehmung der Umwelt). Von innen werde die Welt drau?en beobachtet. Manche litten unter ?ngsten und Phobien, andere versuchten die Flucht nach vorn durch K?rperkontrolle, etwa mit Hochleistungssport.

Symptomausl?send, so Sachsse, sei oft eine zuf?llige Verletzung. Es setze eine Notfallreaktion des K?rpers ein, was die Wirkung eines Antistressivums habe. Sachsse: "Sch?n, wenn es ein Antistressivum auf dem Markt geben w?rde." So bleibe aber die Selbstverletzung die einzige M?glichkeit, wieder den eigenen K?rper zu f?hlen, Stress abzubauen. Der Verstand soll wieder funktionieren. K?rperentstellung k?nne aber auch dem Selbstschutz dienen, um zum Beispiel sexuell unattraktiver zu wirken.

Die Dialektisch-Behaviorale-Therapie (DBT)
Bei der Behandlung von Borderline hat sich die Dialektisch-Behaviorale-Therapie (DBT) weitgehend durchgesetzt. Ziel ist es, zuerst das Verhalten der Patientinnen zu ?ndern, bevor mit einer Traumatherapie begonnen wird. Bei Menschen mit Traumafolgest?rungen kann es zu einer Verinnerlichung der T?ter (sog. T?terintrojekte) und einer Fixierung der traumatischen Zust?nde im Sinne von kindlichen Zust?nden (sog. "inneres Kind") kommen. Die unverarbeiteten Erfahrungen aus der Kindheit beeinflussen unbewusst das Verhalten als Erwachsener. Indem es dem Patienten gelingt, sich aus der Identifikation mit dem verletzten Kind zu befreien, k?nne er alte Muster durchbrechen, sich von der Vergangenheit l?sen und zu einem erf?llten Leben finden ? so die Trauma-Therapievorstellung.

Sachsse schilderte seine Arbeit mit dem "inneren Kind" in der traumazentrierten Psychotherapie. Hintergrund: Die nachhaltigste Auswirkung des Traumas auf die Psyche liegt vermutlich im Verlust der F?higkeit zur Selbstregulation. Die einst erfahrene Ohnmacht und Hilflosigkeit wird wieder und wieder im eigenen Inneren inszeniert und erlitten. In der Therapie werde nun mit der Vorstellung gearbeitet, dass zwei Erwachsene, die erwachsene Patientin und die Therapeutin, sich um ein verlassenes, gequ?ltes Kind (oder ein "j?ngeres Ich") k?mmern, so Sachsse. Die Hauptaufgabe des Therapeuten bestehe nun darin, die erwachsene Patientin zu ermutigen, zu unterst?tzen, sich um ihr ?inneres Kind? (bzw. ihr j?ngeres verletztes Ich) zu k?mmern. "Die Patientin muss f?r sich eine therapeutische Funktion ?bernehmen, wenn es ihr schlechtgeht", so Sachsse.

Eine Regression werde in der Beziehung nicht gef?rdert, meint Sachsse. "Es wird der Patientin gesagt, sie solle die Kindzust?nde nicht annehmen und bei Regression wird darauf bestanden, dass sie wieder in den Erwachsenenstatus kommt."

Der Neuaufbau einer guten inneren Welt dauert lange.
Dabei helfen Imaginationen. Gute, heilsame Bilder k?nnen nach und nach ein Gegengewicht zu den schlechten Bildern schaffen, von denen sich die Patientin beeinflusst wahrnimmt. "Behandelt werden in der Therapie letztlich Phantomschmerzen und Phantomgef?hle, wobei die Gegenwart nat?rlich untraumatisch sein muss", bemerkte Sachsse. Er selber pl?diert bei traumatisierten Patientinnen auch f?r eine Arbeit in einem dritten Raum mit Spieltherapie, Tanz, Gestaltgebung.

Die Zahl der Borderliner nimmt zu. Warum? "Bei Zweidrittel der Borderliner steht sexualisierte Gewalt im Hintergrund", so Sachsse. Dies sei ein Dauerthema in den Medien, man komme praktisch nicht daran vorbei, wenn man betroffen sei. Weitere m?gliche Gr?nde seien fehlende private Orientierung, der Verlust von Normalit?t im Privatleben. Dies sei fr?her als offene Problematik seltener gewesen. Eine andere M?glichkeit: Dass die von Freud so bezeichneten Hysteriker in Wahrheit Borderliner waren.

Stichwort: Borderline
Nach dem dsm-IV: dem diagnostischen und statistischen Manual psychischer St?rungen liegt eine Borderline-Pers?nlichkeitsst?rung mit gro?er Wahrscheinlichkeit dann vor, wenn ein Mensch unter mindestens f?nf der folgenden neun Symptome leidet:
verzweifeltes Bem?hen, tats?chliches oder vermutetes Verlassenwerden zu vermeiden
ein Muster instabiler, aber intensiver zwischenmenschlicher Beziehungen, das durch einen Wechsel zwischen den Extremen der Idealisierung und Entwertung gekennzeichnet ist
Identit?tsst?rung: ausgepr?gte und andauernde Instabilit?t des Selbstbildes oder der Selbstwahrnehmung
Impulsivit?t in mindestens zwei potentiell selbstsch?digenden Bereichen: Geldausgeben, Sexualit?t, Substanzmissbrauch, R?cksichtsloses Fahren, Fressanf?ll
Wiederholte suizidale Handlungen, Selbstmordandeutungen oder Selbstmorddrohungen oder Selbstverletzungsverhalten
Affektive Instabilit?t infolge einer ausgepr?gten Reaktivit?t der Stimmung
Chronische Gef?hle von Leere
Unangemessene, heftige Wut oder Schwierigkeiten, die Wut zu kontrollieren
Vor?bergehende, durch Belastungen ausgel?ste paranoide Vorstellungen oder schwere dissoziative Symptome.

Als Gr?nde f?r die Borderline-St?rung gelten sowohl Umwelt- als auch genetische Faktoren. Studien zeigen, dass viele, aber nicht alle BPS-Patienten, eine Vorgeschichte aufweisen aus Miss-
brauch, gest?rten Beziehungen zu den Eltern, ?ber- oder unterengagierte Eltern, Vernachl?ssigung oder Trennung im jungen Alter. Das ambivalente Elternhaus spielt hier eine wichtige Rolle, denn fast alle Betroffenen berichten ?ber wenig f?rsorgliche, wenig emotional unterst?tzende Eltern, die gleichzeitig diffuse Erziehungsstile und ?berkontrolle anwenden. Ebenfalls kommt k?rperliche
Misshandlung h?ufig vor. 40 bis 71 Prozent der BPS-Patienten berichten von einem sexuellen Missbrauch.

Michael Freitag in Eppendorfer 1/2006
29.3.06 16:55


Klapsenszene #6

"... jaaa, als ich das letzte Mal hier war, war ich noch ne richtige Weidengerte... Inzwischen hab ich durch das verflixte Remergil fast zwanzig Kilo zugenommen!", klagte Ariadne und verzog das Gesicht. "Schrecklich".
Tine sah sie an und hob eine Augenbraue. "Aber da hattest du noch nicht so geile Titten". Sie lächelte so frech, dass Ariadne ebenfalls lachen musste.
29.3.06 17:16


Antwort

"Den Abstand zu Ihren Eltern aufrecht zu erhalten ist sicher sinnvoll, da Absprachen nicht eingehalten werden und Sie in Ihren Bedürfnissen offensichtlich nicht ernst genommen werden. Mich berührt immer wieder, daß Sie auf der Mutterrolle beharren- sind Sie nicht die Tochter!?!Wer haftet für wen, wer trägt Verantwortung- doch nicht Sie!!! Und wieder die Frage: wenn ein neunjähriges Mädchen Ihnen von seinem Verantwortungsgefühl gegenüber der fatalistischen, zarten und klagenden Mutter erzählen würde- was würden sie dem Mädchen sagen? Ihr Gedicht "Mutter" macht so deutlich, wie verdreht die Rollen in Ihrer Familie sind- am liebsten würde ich Sie freisprechen von Ihrer (nicht gewählten!) Rolle!"
Therapeutin, Email.
30.3.06 17:05





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