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mh...

Termin bei meiner Psychiaterin. Rezept f?r Melperon. Ich schleppe mich durch den Tag. Mir gehts nicht gut, gar nicht gut. Seit Wochen halte ich mich mehr oder weniger stabil, auch wenn die Stimmung immer mal wieder kippt, es geht weiter, weiter, weiter. Ich geh voran. Ich bleib nicht stehen. Es geht wieder ein St?ck abw?rts, na und? Ich st?rze ein bisschen, na und? St?ndig erinnern mich alle daran, dass man mich auch mal f?r ein paar Tage einweisen k?nnte - meine Therapeutin, meine Psychiaterin...
Ja, ich bin wirklich froh, dass sie sich ein bisschen um mich sorgen, dass ich ernstgenommen werde, das kenne ich von zu Hause nicht und mir selbst f?llt es ja auch schwer, insofern ein Auge auf mich zu haben.
Andererseits halten mich alle f?r so leicht hospitalisierbar, bei jedem Klinikaufenthalt sagt man es mir wieder (ich sch?tze die Gefahr gar nicht so hoch). Als w?rde ich mich dorthin zur?ckfliehen, als w?rde ich immer, wenn etwas schwer wird, in die Klinik gehen. Warum sollte ich dann jetzt gehen? Ich schaffe es so, ich will gar nicht in die Klinik... Ich falle ein bisschen, na und?
Beim letzten Aufenthalt war es doch genauso - meine Therapeutin hat es dringend angeraten, mir ging es immer schlechter deshalb bin ich schlie?lich gegangen. H?tte sie es nicht angeraten, ich w?re nicht gegangen. Aber trotzdem sagt sie mir einige Wochen nach dem Aufenthalt, ich sei ja jetzt auf dem Weg weg von der Hospitalisierung, auf einem gesunden Weg...
Die soll einer verstehen, die ganzen verr?ckten Psychiater, Psychologen und alles, was da dran h?ngt. Manchmal glaube ich, sie sind verr?ckter, als wir alle zusammen, nur haben sie studiert, wie man es versteckt. Merkw?rdig, verpeilt, st?ndig am Analysieren... Wenn sie nicht so hilfreich w?ren und ich im Moment noch auf sie angewiesen, w?rde ich sie einfach alle aus meinem Leben streichen.
1.2.06 18:00


Erinnerungsfragment #11

Als Ariadne nach Hause kam, fand sie eine Postkarte auf ihrem Schreibtisch:
"Deine Mutter und ich haben ein paar Eheprobleme. Wir haben dich nicht im Stich gelassen. Lass du uns jetzt auch nicht im Stich!"

Am Montag in der Therapiestunde fiel mir diese Szene ein. Ich beging den Fehler, nach der Postkarte zu suchen; dabei stie? ich auf alte Briefe von meiner Mutter und anderes schmerzhaftes Material. Briefe werfe ich nie weg. Nie. Die Postkarte habe ich nicht gefunden.
1.2.06 21:38


Supernanny

Es hat mich so traurig gemacht, heute die Supernanny zu sehen, dieses kleine neunj?hrige M?dchen, von seiner Mutter vern?chl?ssigt, abgeschoben, grob behandelt... kein K?rperkontakt, st?ndige Ablehnung. Sie war so still, sie hatte so ein s??es L?cheln... verdammt, sie hat mir so leid getan. Vielleicht auch, weil ich ein bisschen von mir selbst in ihr gesehen habe. Manches davon habe ich als Kind auch erlebt - und anderes.
Die Supernanny meinte nur, die Kleine wird da nicht ohne Schaden rausgehen. Ja, so ist das. Mensch, die Kleine ist erst neun! Sie hat die ganze Zeit an den Fingern?geln gekaut... Man k?nnte ja noch versuchen etwas zu drehen, etwas f?r sie besser zu machen. Wie war das bei mir? Einerseits war schon alles gelaufen, als ich neun war, da war bei mir nichts mehr zu holen, da war ich schon "gest?rt". Andererseits ging manches da auch erst richtig los.
Mir tuts weh, sowas zu sehen, ich m?chte die Mutter am liebsten anschreien, was machst du da mit deinem Kind!
1.2.06 22:05


Ich hatte diese Angst

schon heute morgen, schon vor dem Aufstehen, und sie schien mich zu fesseln, mein Herz schlug schneller. Irgendwie gelang es mir, mich zu erheben, zu duschen, zu fr?hst?cken. Innerlich war ich wie gel?hmt. Es war keine fassbare Angst, nichts direktes, aber sie schn?rte mir den Brustkorb zu. Ich bew?ltigte mein Vormittagspensum, ich lie? mich nicht von der Angst beherrschen, ich blieb in Bewegung. Ich bin nicht erstarrt. Die Angst lie? sich in Schach halten, sie wurde sogar weniger, aber sie verschwand nicht. Ich ging am Nachmittag zur Psychiaterin, lie? Fragen ?ber mich ergehen, sprach von der Angst. Es half nicht, ich konnte sie nicht ausmachen. Ich kam nicht heran. Vielleicht ist es die allgemeine Angst, die mich immer wieder ?berf?llt, wenn meine Mitbewohnerin sich hier bewegt. Ich konnte kaum sprechen, alles war wie zugesetzt. Ich dissoziierte, hatte Schwierigkeiten, im Gespr?ch zu bleiben. Die Angst. Ich ging nach Hause, erledigte einige Dinge, nahm 25mg Melperon. Blieb in Bewegung. Telefonierte. Dann machte ich mich auf den Weg zum Posaunenchor. Sie holte mich wieder ein, die Angst, ich kehrte um, hielt es nicht aus. Ich schrieb Weblogeintr?ge, sah fern, lenkte mich ab. Dachte ans Schneiden. War nahe dran, zur Klinge zu greifen. Notfallkoffer. Ammoniak. Nochmal 50mg Melperon - sie hatte gesagt, ich sollte den Bedarf ruhig nehmen. Ich sah wieder fern, konnte mich aber nicht mehr so gut konzentrieren. Jetzt sitze ich hier mit der gleichen verdammten Angst wie heute morgen. Sie hat mich, sie begleitet mich manchmal tagelang. Das hasse ich. Ich will das nicht mehr, nie mehr diese Angst haben. Das versteht niemand, der es nicht aus erster Hand kennt. Man kann es nicht verstehen. Man kann es ja kaum benennen.
2.2.06 00:30


Blutwunsch

Ich bitte Sie, mich nicht mit Worten oder scharfen Gegenst?nden zu verletzen. Meine Wunden f?ge ich mir n?mlich selbst zu.
Belinda Fuchs


Ich habe mich selbst wieder aufgebaut in dieser - verh?ltnism??ig doch eher geringf?gigen - Krise. Ich hab mich verdammt nochmal selbst aus meinem Loch gezogen. Einfach so. Weil ich es heute kann. Weil ich es jetzt gerade kann. Und nun sitze ich hier, suche bewusst nach Weblogs, die sich mit SvV befassen, suche Websites auf, die mich triggern, mit wehtun... um einen Grund zu haben, mich zu schneiden. Ich will es, ich brauche es, ich hab mein Gef?hl f?r mich verloren... ich will das Blut sehen und f?hlen, ich will den Schmerz, ich will den Arm brennen sp?ren, wenn er verbunden ist, will diesen st?tzenden Verband.

Verdammt, verdammt, verdammt.

Ich will es einfach tun... Bin ich ?berhaupt therapierbar, bin ich ?berhaupt in der Lage, jemals damit aufzuh?ren, mir in irgendeiner Weise wehzutun oder zu schaden? Wenn ich mich nicht schneide, finde ich tausend andere Wege. Ich kann f?r eine Weile damit aufh?ren, das sehe ich ja, aber kann ich komplett, g?nzlich, f?r immer damit aufh?ren? Manchmal wei? ich nicht einmal, ob ich das will... Und wenn nicht, warum nicht. Will ich immer die kleine Durchgeknallte bleiben? Immer auf das Borderline-Syndrom reduziert? Nein. Aber ich kann auch nicht loslassen. Ich kann einfach nicht...

Mein Gott, wieviele ich Jahre habe ich mich jetzt verletzt, in der einen oder anderen Weise. Kann man ?berhaupt loslassen, wenn man schon so lange betroffen ist? Oder bin ich einfach nur nicht stark genug?
2.2.06 16:01


Ich bin so müde.

So m?de. So m?de.

Bist du nicht m?de, nach so vielen Tagen
Dich noch im Dunkeln mit den Schatten zu schlagen
Spuckst hei?es Blut aus, du tobst unter Schmerzen
Drehst dich im Kreis, bis die W?nde sich schw?rzen


Ich will nie mehr schlafen, nie mehr essen, nie mehr gehen, nie mehr sprechen, nie mehr schreiben, nie mehr schweigen, nie mehr... nie mehr...

nie mehr leben.
4.2.06 20:06


Pferde

Ich tr?ume von Pferden. Alle paar N?chte. Ich reite auf einem schwarzen Pferd, Galopp, ohne Sattel, nur mit Zaum, hinter mir drei weitere sch?ne, schlanke Tiere, vom Betheleck zum Marktkaufparkplatz in Gadderbaum.
Oder auf einem Fuchs im Schritt oder Galopp durch den Steingarten im Botanischen Garten. Oder auf einem Falben biege ich nach Bethel ein Richtung Gilead I und befinde mich pl?tzlich am Strand, allein, galoppiere durch den weichen Sand...
Immer ohne Sattel auf dem blo?en Pferder?cken, immer ein braunes oder schwarzes Pferd, Galopp, seltener Schritt, niemals Trab, immer in Bielefeld. Und das seit Monaten. Seit Monaten tr?ume ich von Pferden. Noch vor meinem Klinikaufenthalt hat es angefangen.
4.2.06 23:49


Medikamente

Ich habe es noch gar nicht erw?hnt, glaube ich: ich nehme - nat?rlich in Absprache mit meiner Psychiaterin - Ver?nderungen an meiner Medikation vor. Durch das Remergil, eins meiner der beiden Antidepressiva, das ich immer abends zum Schlafen genommen habe, habe ich im letzten Jahr ziemlich zugenommen, langsam ist das Normalgewicht ausgereizt, und ich f?hle mich mit diesen vielen zus?tzlichen Pfunden einfach nicht mehr wohl. Ich war mal richtig schlank... Jedenfall fahre ich das jetzt runter. Bisher habe ich 60mg genommen, inzwischen bin ich bei 30mg. Daf?r habe ich das Citalopram (das andere Antidepressivum) auf 40mg hochgesetzt und um trotzdem noch schlafen zu k?nnen, nehme ich abends zus?tzlich 50mg Melperon (ein Neuroleptikum). Nach und nach will ich versuchen, dass Remergil ganz wegzulassen. Dann verliere ich hoffentlich wieder ein paar Kilos. Das w?r sch?n...

Im Moment siehts also so aus:
morgens: 40mg Citalopram, 25mg Melperon
zur Nacht: 30mg Remergil, 50 mg Melperon
Bedarf: 25 - 150mg Melperon bei Unruhe udgl.
7,5mg Zopiclon bei Schlafst?rungen

Mit dem Schlafen geht es so einigerma?en, ich tr?ume nur viel mehr wildes Zeug und schlafe insgesamt unruhiger, seit ich das Remergil runtergesetzt habe. Das Zopiclon habe ich trotzdem schon lange nicht mehr gebraucht.
5.2.06 18:17


Warten...

Ich bin in Bochum, habe einen Einstellungstest absolviert, treibe mich nun hier in verschiedenen Posaunench?ren herum und spiele Munchkin mit meinem Freund. Es geht ganz gut, ich bin nicht allein und aufgrund dessen gezwungen, meinen Notfallkoffer anzuwenden. Mal davon abgesehen, dass mir nicht langweilig wird und ich nicht so leicht auf dumme Gedanken komme. Zoe bekommt Kakao mit Zimt und abends H?rspiele - Winnetou.
Der Einstellungstest war nicht allzu schwierig. Ein Diktat, ein Pseudointellingenztest. Finger?bungen sozusagen. Rahel zieht alles durch, was dran ist, wir sind im Moment relativ gut aufeinander eingestellt. Dhana halte ich im Zaum, obwohl sie t?glich versucht, auszubrechen und Kapriolen zu schlagen. Manchmal gelingt es ihr, dann esse ich nicht oder schlafe nicht, aber - wie meine Psychiaterin sagt - ich war ja schon wesentlich exzessiver in der Aus?bung diverser Arten der Selbstsch?digung. Insofern sollte ich zufrieden sein, dass es mir gelingt, die Kontrolle einigerma?en zu behalten. Alles also halbwegs im Lot. Und ich bin nicht gl?cklich. Ich warte darauf, dass die Dinge, die ich ver?ndere, zu wirken beginnen. Ich warte, nutze die Zeit... Das Warten macht mich verr?ckt. Ich bin so ungeduldig! Warum kann es nicht jetzt schon soweit sein? Warum sitze ich noch zwei Monate in Bielefeld fest? Die Dinge geschehen zu langsam. Und gleichzeitig habe ich Angst vor dem Moment, in dem ich hier im Ruhrgebiet bin und meine Therapeutin nicht mehr sehen kann, nicht mal eben in die Klinik fahren und meinen Bezugspfleger auf eine Tasse Tee besuchen kann, nicht mal eben in die Sprechstunde in die Ambulanz gehen kann, ich der ich bei fast allen Psychiaterin schon in Behandlung war... Es ist ein Freiflug. Schritte, bei denen ich in der Luft h?ngen werde und fl?gge werden muss. Aber ich freue mich auch darauf und ich stehe zu hundert Prozent zu meiner Entscheidung. Es wird alles gut werden. Je ?lter ich werde, desto besser wird es, das ist so. Und bald bin ich 25, dann kann mir keiner mehr was. Nicht wahr, Seelenschwester?
10.2.06 14:52


Dhanas Kraft

Dhana ist entsetzlich destruktiv. Und es ist sehr schwer, sie im Griff zu behalten, weil sie so unverstellte Kr?fte hat. Sie ist ein Kind der Extreme und Exzesse, hemmungslos, wild und ungeb?ndigt. Ihre Anziehungskraft ist enorm - sie ist frech und unkonventionell. Sieht man davon ab, dass sie zu viel trinkt, sich verletzt und sch?digt, ausrastet und unversch?mt, egoistisch und b?se ist, so ist sie f?r ihre Mitmenschen interessant und auf eine gewisse Weise bet?rend. Sie k?sst ihre Freundin hemmungslos und mit viel Zunge, sie tanzt allein im Sand auf der Beachparty oder eng mit M?nnern, von denen sie nichts will und die von ihr nichts wollen. Sie hat hemmungslosen Spa?, sie schminkt sich die Augen mit schwarzem Lidstrich, dunklem Lidschatten und Mascara, tr?gt Lippenstift auf, zieht sich schwarze Flamencor?cke und zerschnitte Tops an und geht aus bis sechs Uhr morgens; sie ben?tigt kein Geld in der Disco, denn ein Mann, der ihr etwas ausgibt, findet sich immer. Ihr Selbstbewusstsein und ihre Energie machen sie attraktiv, ihrer Reize ist sie sich durchaus bewusst und sie wei? sie einzusetzen. Wenn Dhana das Ruder ergreift, bin ich ein komplett anderer Mensch.

Irgendwie muss es mir gelingen, mir Dhanas Kr?fte zunutze zu machen, ohne auf die autodestruktive Schiene zu gelangen.
10.2.06 15:12


Therapieergebnis #9

Die letzte Therapiestunde h?ngt mir nach. St?ndig muss ich nachdenken. Wir sind unter die Oberfl?che gegangen und es hat wehgetan.

Diese Postkarte, die ich nicht gefunden habe - ich erz?hlte davon und ich erz?hlte davon, dass ich die Dose in der Dosenpyramide war, die, wenn man sie herauszog, die ganze Pyramide zum Einsturz brachte. Ich wusste es und ging trotzdem. Und ich habe solche Schuldgef?hle... immer noch. Sie werden weniger oder ich bekomme sie besser in den Griff, aber sie sind da und ?berschatten jedes sorglose Dasein.

Wir sprachen ?ber die Absurdit?t vieler Abl?ufe, Szenen, des Alltags in meiner Familie. Meine Therapeutin fragte mich: Was denken Sie davon, wenn sie sich das so erz?hlen h?ren? Und ich sagte, es sei verr?ckt. Verdreht. Ja, das ist es, und Sie fragen sich noch, warum ihre Wahrnehmung verzerrt ist? Sie musste es sein, damit Sie in der Familie ?berleben konnten, Sie waren ein Kind und mussten sich anpassen.

Sie sagte, wenn sie h?re, was ich da erz?hle, w?rde ihr ganz kalt. Und: ich h?tte ganz sch?n krank werden m?ssen, um da herauszukommen. Ich bin krank geworden, um auszubrechen? Ich wei? es nicht. Vielleicht. Vielleicht nicht. Vielleicht nicht nur. Sicher ist, dass ich krank geworden bin, um zu ?berleben.

Ich verstehe und will doch nicht verstehen. Noch immer f?llt es mir schwer, zu akzeptieren, dass in meiner Familie viele Dinge pervers waren. Die Schuldgef?hle sperren sich dagegen. Ich schreibe hier immer wieder von Missbrauch - meine Therapeutin sprach es auch wieder aus: Sie sind missbraucht worden, eiskalt, man hat Sie f?r alle m?glichen Zwecke benutzt, alles ist bei Ihnen gelandet, der gesamte M?ll Ihrer Familie, von ungelebten Gef?hlen bis Aufforderungen, Dinge zu tun und Verantowrtung zu tragen, die sie nicht leisten und tragen konnten... Mein Kopf sagt es mir, wenn ich klar denken kann: Ich bin Opfer, kein T?ter. Ich war ein Kind. Ich bin ?ber viele Jahre hinweg missbraucht worden. Und daf?r bin ich noch ziemlich gesund. Nur gef?hlsm??ig checke ich es immer noch nicht.

Meine Therapeutin gab mir im Anschluss ein Buch ?ber E?st?rungen mit, in dem es nicht in erster Linie um E?st?rungen geht - aber bei mir gehe, es ja auch nicht vornehmlich um E?st?rungen, sagte sie. Ich lese es, aber ich bin noch nicht sehr weit; hier in Bochum habe ich kaum Zeit zum Lesen. Es gibt Dinge, die mir bekannt vorkommen und die mir dementsprechend wehtun. Anderes kann ich schlecht nachvollziehen. Sie sagte, sie h?tte bei unserem Protokoll den Impuls gehabt, mir dieses Buch mitzugeben, und sie neige dazu, solche Impulse auszuagieren (eine entsprechende Bemerkung verkniff ich mir), und n?chsten Montag k?nne ich ihr das Buch gerne vor die F??e pfeffern, wenn ich es doof f?nde. Mal sehn...

Jetzt h?re ich Rosenstolz - Bastard, das hilft, die Dinge ein bisschen wegzuschieben.
10.2.06 16:00


Therapieergebnis #10

Meine Therapeutin sagte, inzwischen denke sie, dass ich gesund werden und mir ein normales Leben aufbauen k?nnte - vor einem halben Jahr habe sie nicht daran geglaubt.

Sie (also Therapeutin, Psychiater...) h?tten an mir eine ganze Menge falsch gemacht und in die falsche Richtung gesteuert, weil sie alle zu wissen meinten, was das Beste f?r mich sei. Wenn ich nicht weiter in die Schule ginge, so glaubten sie, w?rde ich hospitalisiert. Dass es gar nicht darum ging, durchzuhalten und auszuharren, sondern darum, richtig zu leben, ins Leben zur?ckzufinden, das w?re ihr jetzt klargeworden. Es sei ein Fehler gewesen, sie h?tten nicht nachgefragt, ?ber meinen Kopf f?r mich entschieden und das an mir wiederholt, was ich in meiner Familie jahrendelang erlebt habe. Durchhalten, egal, was passiert. Und ich? Ich habe das Muster selbst durchbrochen, ohne ihre Hilfe - ich habe entschieden, meine Entscheidungen selbst zu treffen. Ich glaube, ich bin einen riesigen Schritt weitergekommen, ohne es richtig gemerkt zu haben. Und ich bin sogar ein bisschen stolz auf mich!

Meine Therapeutin sagt, seit meiner Entscheidung wirkte ich authentischer und weniger krank, ich sei auf einem Weg aus dem Pathologischen heraus. Und ich h?tte sie eine Menge gelehrt.

Wir sprachen noch ?ber die K?lte in meiner Familie, ?ber das Nicht Gesehen Werden, Nicht Geh?rt Werden, die riesige Kommunikationsst?rung bei uns. Vielleicht bin ich deshalb auch auf die Selbstverletzungsschiene gelangt - bei so viel sich nicht sp?ren d?rfen, sich nicht sp?rbar machen d?rfen, war es eine M?glichkeit zu merken, dass ich lebe. Ach wie klassisch.
Ich habe reagiert auf die K?lte, auf die allt?glichen Verletzungen, auf den Missbrauch. Schuldig bin ich nicht, ich soll es mir immer wieder sagen. Ich war Opfer - ich versuchs zu verstehen, aber es ist echt schwer. Ich hab reagiert. Ich hab sogar versucht, etwas zu ?ndern, mit den Eltern zu sprechen, irgendwie zu ihnen durchzudringen... Die Sterilit?t in unserer Familie sah man schon am Haus. Alles wirkte so gestellt, so unbewohnt, so ungelebt. Und das war es auch. Tot, alles tot. Meine Therapeutin sagte, ich h?tte ?berlebt. Den Tod in allen R?umen, den Tod aller Beziehungen... Ich habs ?berlebt. Und es ist nicht weg, ich wei?, wie ich es gerne f?r mich haben m?chte: Ich m?chte eine Familie, in der man miteinander musiziert, redet, lacht, Karten spielt, einfach gern Zeit miteinander verbringt. Oft kann ich es noch nicht gut ertragen, aber ich m?chte trotzdem Umarmungen in meiner Familie, ich m?chte gesehen werden und mich selbst sehen k?nnen. Nie mehr unsichtbar sein... 18 Jahre lang war ich unsichtbar. Kein richtiger Mensch. Ich f?hlte mich nicht echt. Tot. Es schien mich ?berhaupt nicht zu geben und doch war ich an die Existenz meines K?rpers gebunden. Aber ich habs ?berlebt.
14.2.06 15:16


Zwei Dinge

Aus gegebenem Anlass m?chte ich zwei Dinge klarstellen.

1. Ich habe auch ein Leben au?erhalb meiner Krankheit.
Ich bin keine hauptberufliche Borderlinerin, auch wenn es hier manchmal so aussieht - nur brauche ich f?r meine intakten Lebensbereiche meistens keine Gedankenordnung. Ich habe dieses Weblog genau aus diesem Grund er?ffnet - um hier meine eigene Therapie f?r mich und andere zu dokumentieren und einen Raum zu haben, in dem ich mich mit meiner Krankheit auseinandersetzen kann. Man kann das hier also unter dem Stichwort Schreibtherapie getrost abhaken, wenn man m?chte, oder ein bisschen in meinen Aufzeichnungen st?bern und erfahren, was mich als Borderlinerin so besch?ftigt. Dass ich nebenbei literarisch, musikalisch, sozial aktiv bin, dass ich Freunde habe, dass ich viel lache - ja, ich lache wirklich viel und gerne! - viel Humor und immer dumme Spr?che habe, dass ich Latein unterrichte, Mathe-LK hatte... und was noch alles, das steht auf einem ganz anderen Blatt. Ich leide nicht permanent. Wer dieses Weblog liest, kann manchmal einen falschen Eindruck gewinnen, das kann ich nicht ?ndern, aber ich bin kein Sargschl?ferlein und m?chte auch nicht in diese Kategorie eingeordnet werden. Die Krankheit ist nur ein Teil von mir, mit dem ich mich besch?ftigen muss, um da herauszukommen. Ich definiere mich auch nicht unbedingt dar?ber (nur insofern, dass ich akzeptiere, dass ich Borderlinerin bin und das gewisse Probleme mit sich bringt).

2. Ich bin nicht verr?ckt und ich verhalte mich nicht widersinnig.
Bitte behaltet es f?r euch, wenn ihr es dennoch so empfindet. Solche Aussagen tun mir weh und es stimmt auch nicht - ich bin gerade dabei, das zu lernen - meine Reaktionen sind angemessen bei dem, was ich 18 Jahre lang durchgemacht habe, und ich muss es erstmal akzeptieren, um es dann ?ndern zu k?nnen, so ist das eben. Ich hab lange genug geglaubt, ich h?tte keinen Grund, gest?rt zu sein, und habe mich selbst dadurch unter Druck gesetzt, weil ich einfach kein Recht hatte, mich schlecht zu f?hlen. Dieses Weblog ist absichtlich passwortgesch?tzt und ich kann mir zum Gl?ck aussuchen, wer hier liest - euch alle, die ihr das Passwort habt, habe ich gern hier und ich freue mich ?ber jeden Kommentar. Auch f?r Kritik bin ich immer offen; ich kann auch gut verstehen, dass man Menschen, die solche Dinge schreiben wie ich, gerne manchmal wachr?tteln m?chte. Das ist nach wie vor auch in Ordnung, ich bitte sogar darum! Aber bitte seid vorsichtig mit solchen Aussagen und schert nicht alles ?ber einen Kamm.
14.2.06 15:52


Traumgespinste

Die Tage (nein, wohl eher N?chte) habe ich von meiner Therapeutin getr?umt.

Sie sah mich an und sagte:" Es geht um zwei Dinge:
1. Dass ich verstehe, was bei Ihnen passiert ist - damit es ?berhaupt mal einer versteht.
2. Dass Sie lernen, ihrer Vergangenheit und allem was passiert ist, mit etwas mehr Frechheit zu begegnen."


Als ich aufwachte dachte ich, wenn ich das meiner Therapeutin erz?hle, dann sagt sie wahrscheinlich:"Und wozu brauchen Sie mich dann noch?" - Tats?chlich meinte sie dazu, sie f?hle sich ganz gut verstanden. Mein Unterbewusstsein h?tte sehr sch?n und knapp zusammengefasst, wozu sie stundenlang reden m?sste. Und, naja, es sei schon richtig, dass ich langsam anfinge, zu internalisieren und mich selbst zu therapieren, was sehr gut sei. Irgendwann br?uchte ich sie hoffentlich tats?chlich nicht mehr... und sie lachte.
15.2.06 15:18


Eine kleine Option

Ich habe noch diese eine Klinge in meinem Tagebuch - eine, um mir Sicherheit zu geben. Ich k?nnte, wenn ich wollte. Sicherheit und Kontrolle. Wenn wieder alles aus den Fugen ger?t, gibt es diesen einen festen Punkt, an dem ich mich festhalten kann. Hoffen wir, dass ich ihn nicht ben?tige.
17.2.06 14:30


Unzulänglichkeit

Du sagtest, mein Name klinge nach einer sch?nen, sonoren Altstimme. - Und ich wurde nur ein Mezzosopran.

Du spieltest Geige und Fl?te. - Und ich versagte schon beim Blockfl?tenunterricht.

Du sagtest, man m?sse Abitur haben, um etwas zu werden. - Und ich habe aus Schw?che die Schule abgebrochen.

Du versuchtest, mir das Fingern?gelkauen abzugew?hnen. - Und ich kaute immer schlimmer.

Du sagstest, wenn man erwachsen ist, schreibt man keine Tageb?cher mehr. Ich sei zu alt. - Und ich schreibe immer noch.

Du batest mich, mit der Familie Sonntagsausfl?ge zu machen. - Und ich wurde krank.

Du sagtest, bleib! - Und ich bin gegangen.
17.2.06 14:43


Hochspannung

Ich bin seit Tagen so angespannt, dass mir der Kiefer und die Schultern wehtun, ich nicht (ein-)schlafen kann und kaum einen Bissen runterbringe, mir dauernd schlecht ist und ich permanent Spannungskopfschmerzen habe. Es hat eine Weile gedauert, bis ich das in Zusammenhang gebracht habe - und jetzt komme ich da nicht wieder runter. Entspannungs?bungen helfen gerade so ?berhaupt nicht. Ich kenne diese Zust?nde; als ich noch bei meinen Eltern wohnte, hatte ich das ziemlich oft, besonders in den letzten Monaten dort, und jetzt komme ich langsam an die Heftigkeit von damals heran.

Es hilft nur eins. Jetzt noch diese eine Woche durchstehen und dann ziehe ich f?r eine Weile zu S. Ich muss das schaffen, ich muss das schaffen. Ich muss das schaffen. Ich glaub, ich gehe n?chste Woche einfach jeden Tag in die Sprechstunde. Oder ich nehm morgens, mittags, abends 50mg Melperon, das mag ein bisschen Spannung nehmen. Oder beides.
18.2.06 10:38


Die Rebellinnen

Ich habe eine Tante, die Schwester meiner Mutter. Wir mochten uns nie besonders, obwohl wir viel gemeinsam haben: Wir m?gen die gleichen B?cher, einige der besten B?cher, die ich kenne, habe ich von ihr zu Weihnachten bekommen, wir lieben Tiere, sie hat zwei Pferde, zwei Hunde, mehrere Katzen. Und: Wir sind beide ausgebrochen. Sie ist eine Rebellin, verbringt nur noch Weihnachten und Geburtstage ab und zu mit ihrer Familie. Meine Gro?eltern, ihre Eltern, sind (so sehr ich sie auch liebe) genauso krank wie meine. Missbrauchend. (Ein Wunder, dass meine Mutter das weitergibt? Wohl nicht.) Meine Familie stellte sie immer als die B?se dar, weil sie gegangen ist. Obwohl sie ja nicht aus der Welt ist. Aber sie ist die, die sich nicht k?mmert, die meine Gro?eltern nur verletzt... die B?se. ?ber die Jahre ist sie hart geworden; vielleicht hat sie sich ihrer Rolle auch angepasst. Nicht meine Welt, dachte ich, ich bin emotional und sensibel, reagiere empfindlich auf jeden Zwischenton.
Inzwischen glaube ich, dass wir uns sehr ?hnlich sind, und uns vielleicht viel besser h?tten verstehen k?nnen, wenn wir das erkannt h?tten. Ich denke, meine Meinung ?ber sie wurde von der meiner Familie eingef?rbt. Sie war die st?rkere der beiden Geschwister, sie ist ausgebrochen. Sie hat ihren Weg gemacht, ganz im Gegensatz zu meiner Mutter, die heute noch im Haus neben meinen Gro?eltern wohnt. Sie gilt als b?se, weil sie Verantwortung f?r sich ?bernommen hat, weil sie ihrer Familie nicht nach der Pfeife tanzt. Und ich... ich bin noch st?rker als sie - ich werde nicht so hart werden wie sie. Ich werde sensibel bleiben.
21.2.06 13:28


Therapieergebnis #11

Zwei Dinge haben wir herausgearbeitet:
1. Wenn alte Muster auftauchen soll ich schauen, woher das kommt, und abgleichen: wie war es fr?her, wie ist es heute.
2. Wenn Schuld auftaucht, soll ich Verantwortung dagegensetzen. Ich habe die Verantwortung f?r mich und mein Leben ?bernommen.

21.2.06 19:35


Aushalten & Dissoziieren

Ich dissoziiere wieder mehr. Die Welt um mich scheint im ewigen Nebel zu versinken. Ich glaube, es liegt am Aushalten. Aushalten und Dissoziation h?ngen bei mir eng zusammen. Wenn das eine auftaucht, l?uft das andere programmatisch ab. Es passiert einfach... Ich kaue brav meine Chilischoten, dusche eiskalt und gehe nicht aus dem Haus, ohne vorher ausreichend Dissoziationsstops gemacht zu haben, um einigerma?en sicher zu sein, dass ich keinen Mist mache. Ich habe immer Ammoniakampullen bei mir. Kein Grund, durchzudrehen. Alles altbekannt. Es kommt und geht. Das wei? ich doch. Es war nie anders. Ich hab doch gelernt, damit umzugehen...

Es gibt mir nur zu denken, weil es eins meiner Krisenfr?hwarnzeichen ist.
22.2.06 23:01


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