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Als ich vorhin

nach Hause kam und in den Briefkasten schaute, ging f?r mich die Sonne auf: Ich fand eine Postkarte von einem sehr lieben Menschen, eine von diesen sch?nen aus der Grafik Werkstatt Bielefeld -

"Heute viel geschafft?", fragt der Kopf.
"Heute schon gelebt?", fragt das Herz.

Ich habe wohl ein bisschen vergessen zu leben, w?hrend ich damit besch?ftigt bin, mich durch die Schule zu k?mpfen und ?bermenschliches zu leisten - denn es ist viel verlangt, das Pensum eines gesunden Menschen zu bew?ltigen, wenn man st?ndig mit der eigenen Gesundheit besch?ftigt ist und dar?ber hinaus allzuwenig schl?ft, Probleme mit Essen, Alkohol und Suizidgedanken hat und die Gef?hle einen auslaugen. Bei jeder k?rperlichen Krankheit w?rde so ziemlich jeder einsehen, dass man viele Ruhephasen braucht und nicht alles schafft. Bei psychischen Krankheiten schiebt man das allzuoft hinaus bis gar nichts mehr geht. Sie scheinen einfach nicht so greifbar... Ganz klar, dass man mit einem Bandscheibenvorfall nichts Schweres heben soll. Aber offensichtlich nicht halb so logisch, dass man mit einer Depression oft nicht so belastbar ist, dass man "Schweres" tragen kann.
1.9.05 10:21


Therapieergebnis #3

Nicht viel neues diesmal... Und es f?llt mir ausgesprochen schwer, zu rekapitulieren, was eigentlich in der Stunde passier ist. Als ob mein Gehirn sich weigert, sich genau zu erinnern oder zu verstehen, was wichtig war. Schwierig.

Die Strafimpulse sind wieder sehr stark. Ich darf mich nur umsorgen, wenn ich mich verletzt habe. Es darf mir nicht gut gehen - das muss ich sofort ausgleichen, indem ich mir diverse Sch?den zuf?ge. Warum? Weil ich ein schlechter Mensch bin, zu viel Fehler gemacht, zu viel Schuld auf mich geladen habe. Der Gedanke tauchte zum ersten Mal auf, als ich etwa sechs war. Vielleicht auch sieben. Mir kommt es vor, als bestehe mein gesamtes Verhalten in erster Linie aus Fehlern. Bis zum n?chsten Mal will ich etwas dazu schreiben und es meiner Therapeutin zum Lesen geben. In der Stunde gelang es mir nicht, dar?ber zu sprechen.

Zum ersten Mal seit Wochen (Monaten?) habe ich wieder zum Stift gegriffen und gezeichnet. [Ich habe zu Anfang der Therapie mit meiner Therapeutin vereinbart, dass ich auch zeichnen darf anstatt zu reden.] Das Irgendwas in mir, das seine Dunkelheit in mir verspr?ht wie ein Krake seine Tinte. Das mich zwingt, mich zu sch?digen, das all meine Untaten s?hnt. Blutrache. Es wohnt in einer Kammer meines Herzens.

Ich bin die ganze Zeit in mir auf der Flucht vor mir. Dazu passt, dass ich mich st?ndig selbst in Schach halten muss. Eine irrsinniger Kraftakt.

Zum Abschluss die Tresor?bung, bei der man alle belastenden Gedanken, Gef?hle, Erinnerungen, wasauchimmer in einen imagin?ren Tresor packt und ihn abschlie?t. Scheint geholfen zu haben, denn was mich in der Stunde besonders angegangen hat, scheint weg zu sein, weggeschlossen. Ich kann weitermachen im Alltag. Irgendwie gehts.
2.9.05 20:53


Erinnerungsfragment #5

Da lag sie, die Geldb?rse ihres Vaters. Sie sah Kleingeld blitzen, Markst?cke. Ariadne nahm eine Geldm?nze, dann noch eine und noch eine. Sie war gl?cklich: morgen w?rde sie ihrer Mama Schokolade kaufen k?nnen...

mit etwa sechs Jahren
2.9.05 21:30


Der Zeiger rückte auf Viertel vor Drei.

Nun war es ohnehin zu sp?t. Wie gel?hmt sa? sie da und starrte die Uhr an. Dann lie? sie sich zur?ckfallen, zog ihre Wolldecke bis zu Kinn und gab der M?digkeit nach. Die Gedanken sausten. Du wirst ein Problem bekommen, wenn du schon wieder fehlst. Das schlechte Gewissen nagte an Rahel wie eine hungrige Maus am Speck. Aber es war zu sp?t. Sie war m?de, so m?de... Du wirst es bereuen, dass du geschw?nzt hast. Nicht mal zwei Wochen kannst du durchhalten! Die Auflage war, dass du beweisen musst, dass es geht. Rahel drehte sich auf die linke Seite und wieder zur?ck. Es gelang ihr nicht, die Gedanken abzusch?tteln. Du bist ein Versager. Ein Versager. Ein Versager! Deine alten Klassenkameraden haben alle ihr Abitur schon hinter sich. Und du vermasselst auch noch die zweite Chance! Es war zwecklos. Es gelang ihr nicht, zur Ruhe zu kommen. Dhana hob die Hand und ohrfeigte sich kr?ftig. Und noch einmal. Und noch einmal. Und noch einmal. Der Kopf gab f?r ein paar Augenblicke Ruhe. Sie atmete langsam aus und schlug ein weiteres Mal zu.
2.9.05 22:32


Hirngespinste

Ich hatte immer Angst, dass meine Briefe irgendwann einmal Hirngespinste enthalten k?nnten, die sich gegenseitig widersprachen. Ich hatte Angst vor unbewussten L?gen, vor Dingen, die nicht wirklich waren, die in meinem Kopf aber existierten. Als Kind hatte ich mir oft Sachen ausgedacht und sie mir dann solange eingeredet, bis ich sie selbst hatte glauben k?nnen.
2.9.05 23:44


Klapsenszene #2

Tine schrie. Schrie sich die Lungen aus dem Leib.
"GEH WEG, du dumme Sau, halt endlich die Klappe! Wie kann man nur so schei?e sein?!"
Lars zog sich erschrocken in den Winkel des Aufenthaltsraums zur?ck. Tines pl?tzliche heftige Reaktion machte ihm angst. So aggressiv kante er sie gar nicht.
"Das kannst du mit mir nicht machen, du Arschloch, du Sack!"
Eine Pflegerin kam und bugsierte Tine vorsichtig ins Stationszimmer, beruhigend auf sie einredend, w?hrend sie br?llte wie eine Irre, dass man es ?ber die ganze Station h?ren konnte.
Erleichtert bewegte Lars sich ins Raucherzimmer.
"Was hatte die denn jetzt?"
"Tine hat mehrere Pers?nlichkeitsanteile. Denk dir nichts dabei. Wenn die Alltagsperson wieder agiert, ist sie wieder normal. Hatte wahrscheinlich nur entfernt was mit dir zutun."
Lars nickte, aber man sah ihm seine Irritation an.
"Da gew?hnst du dich dran."
3.9.05 13:44


Klapsenszene #3

Zoe und Irene liefend kichernd zum Stationszimmer, die Minismarties hinter dem R?cken versteckt. Sie klopften: Perfekt, nur die Praktikantin anwesend, die morgen - genau wie Zoe - ihren letzten Tag haben w?rde.
"Bitte, lassen Sie uns rein und machen sie die T?r zu!"
Irenes Gesicht verriet die Aufregung eines kleinen Kindes.
Da standen sie, die kleinen Metallbecher mit den Medikamenten. Sie f?llten in jeden leeren Minismarties; die, in denen "echte" Medikamente waren, auch zu bef?llen, verbot ihnen die Praktikantin.
?berhaupt sch?ttelte sie ?ber die Aktion den Kopf. Aber sie lie? die beiden gew?hren.
Die orangfarbenen Minismarties sahen genau aus wie Taxilan, ein relativ gel?ufiges Neuroleptikum.
Die beiden M?dchen verlie?en das Stationszimmer und warteten - gleich war das Mittagessen vorbei: Medizeit.
Als die ersten verwirrt aussehenden Patienten von der Medikamentenausgabe zur?ckkamen, konnten sie sie nicht mehr beherrschen und prusteten laut los.
3.9.05 13:57


Klapsenszene #4

Ariadne brachte gerade ihren Teller in die Sp?lmaschine, als sie von der K?che aus ihre Mutter sah. Was zur H?lle machte die hier?! Es gab doch die Vereinbarung, dass sie niemand besuchen sollte...
Ihrem ersten Impuls folgend schwang sie sich auf das Fensterbrett in der K?che ?ber den M?lleimern. Hier w?rde ihre Mutter sie unm?glich entdecken, wenn sie nicht geradewegs in die K?che marschiert kam. Mit klopfendem Herzen sa? sie da.
"Kann ich was f?r dich tun?" fragte Tine, die ihren Sprung auf die Fensterbank mitbekommen hatte. "Ich hab nur gesehen, wie du dich so erschreckt hast und dachte, fragst sie mal..."
Ariadne sch?ttelte den Kopf und l?chelte gequ?lt.
"Da ist gerade meine Mutter gekommen. Ich will sie nur einfach nicht sehen."
"Ich verrat dich nicht. Ich hatte auch immer so Angst vor meinem Vater. Kann das verstehn. Soll ich hingehen und sagen, dass du nicht da bist? Oder irgendwem bescheid geben?"
Wieder sch?ttelte Ariadne den Kopf.
"Ich bleib hier einfach sitzen... Danke trotzdem."
Einige Minuten sp?ter kam eine junge Pflegerin auf sie zu.
"Maya hat mir gesagt, dass Sie hier sitzen. Was ist denn los?"
Ariadne erkl?rte sich ein weiteres Mal.
"Wenn Sie m?chten, k?nnen sie hier an meiner rechten Seite zu Ihrem Zimmer gehen, da sieht Sie keiner. Ihre Mutter ist gerade im Stationszimmer".
"Nein, ich will ihr nicht zuf?llig doch begegnen."
"Na gut. Ich sag Ihnen einfach, wenn die Luft rein ist. Ja?"
"In Ordnung."
3.9.05 14:12


Klapsenszene #5

Sie wachte auf, sa? senktrecht in der schemenhaften Dunkelheit ihres Zimmers. Durch das Fenster links in ihrem R?cken fielen Streifen von Mondlicht in den Raum, breiteten sich ?ber den Fu?boden, glitten an den W?nden hoch, erstreckten sich ?ber die Zimmerdecke. Der ganze Raum war von dem fahlen k?hlen Licht erf?llt.
Als sich vor ihr im Schloss der dunklen Holzt?r ein Schl?ssel zu drehen begann, widerstand Ariadne der Versuchung, einen der silbrigen Strahlen zu greifen und ihn dem Eindringling entgegenzuschleudern. Stattdessen wartete sie, die verhasste T?r, den Schwachpunkt des Raumes, der ein Gef?hl von Sicherheit verunm?glichte, im Auge behaltend, auf die suchende Taschenlampe der Nachtwache, denn diese Nacht hatte die J?gerin Dienst. Eine imposante Erscheinung, gro?, streng, ihr Schritt ebenso energisch wie ihr Blick. Am?siert stellte Ariadne sich die grauhaarige J?gerin mit ihren Trekkingsandalen zusammengefaltet auf einem Hochsitz im Wald vor - anstelle der gro?en Brillengl?ser ein Fernglas vor den AUgen, abwartend, angespannt wie eine Raubkatze vor dem entscheidenden Sprung, die Schrotflinte griffbereit neben sich, um dem n?chstbesten Wildschwein ein paar Kugeln um die Ohren zu jagen, dass dem armen Tier H?ren und Sehen verging. Den Hochsitz aus seinem gewohnten Zusammenhang zu rei?en und vor dem Dienstzimmer wieder zu errichten, mit Blick auf s?mtlicheZug?nge der Station, verlieh dem Bild etwas sehr Beruhigendes.
Dennoch f?hlte Ariadne sich vom Licht der Taschenlampe eingefangen wie ein Reh, das auf der Stra?e vor den Scheinwerfern eines herankommenden Autos sekundenlang gebannt wird. Und pl?tzlich bereute sie es, sie nicht mit einem Mondlichstrahl bewaffnet zu haben, da sie dem Taschenlampenlicht so gar nichts entgegenzusetzen hatte.
3.9.05 19:34


Zoe zupft an mir,

will in den Arm genommen werden. Will morgen nicht zum Posaune spielen. Herrje, das Kind ist derart sch?chtern - wenn sie k?nnte, w?rde sie allen Menschen ausweichen. Nur keinen sehen, mit keinem sprechen. Sie erm?den die Kleine so. Oder machen sie sie traurig? Ich wei? nicht genau. Nur Rahel hat genug Autorit?t, sie gegen ihren Willen dahinzuzwingen. Weil es ihr nicht angemessen erscheint, bin ich doch schon erwachsen. Aber die Kleine ist es nicht. Darf man sie denn immer ?bergehen? Manchmal denke ich, Dhana r?cht Zoe an Rahel und Ariadne, weil sie die Kleine nicht genug beachten.

Ich bin sehr m?de, fast schon wieder lebensm?de. Als ob das nie vorbeigeht. Nie. Immer dieses auf und ab, dieses Wechselbad der Gef?hle. Das macht mich fertig. Alle Tage das gleiche. Alle Tage Rahels Kampf, Zoes Kampf, Dhanas Kampf. Alle gegeneinander und alle gegen die Au?enbedingungen. Irgendwie muss ich es ja schaffen, irgendwie muss ich durch dieses Leben kommen. Schwer, so schwer...
3.9.05 23:10


Es fällt mir zur Zeit sehr schwer,

mein Zimmer zu verlassen und in der Wohnung umherzugehen. Meine Mitbewohnerin k?nnte mich h?ren, ich k?nnte ihr begegnen... schlimmer noch, wenn sie in mein Zimmer kommt, sei es nur, um etwas zu fragen oder einfach kurz mit mir zu reden. Da bricht etwas in mir, jedesmal. Ich f?hle mich in letzter Zeit wieder sehr unbehaglich, wenn sie auch hier ist, habe das Gef?hl, nicht frei agieren zu k?nnen... Nicht, sie zu st?ren, das ist es nicht, eher: nicht ich sein zu k?nnen. Nicht ich sein zu d?rfen. Wie fr?her.
4.9.05 12:08


Dhana stand vor den Tabletten,

wischte das Schildchen mit der Aufschrift "Notfallkoffer" mit einer schnellen Handbewegung herunter auf den Fu?boden. Zitternd griff sie nach der Schachtel mit den restlichen Zopiclon, dem D?schen mit den Eunerpan. Da war kein Gedanke mehr in ihr, kein klares Gef?hl, nur jener diffuse Schmerz, der sie bis zum ?u?ersten trieb, sie dazu brachte, D?schen und Schachtel zu leeren. Was mit ihr passierte war egal, es war alles egal... Dhana fror, Chaos, sie wusste nicht, was sie tat, wusste nicht, was geschah, schluckte automatisiert, sa? unterk?hlt auf dem Fu?boden. Kalt, Chaos, Schmerz - es w?rde nie anders werden, nie anders... werden... nie... anders... wer...den.... sie taumelte zum Bett, nur noch schlafen, sterben, schlafen.
4.9.05 23:35


Ich schwänze schon wieder.

Habe gestern geschw?nzt, schw?nze heute die letzte Stunde. Wei?, dass es einrei?t. Habe Angst, deswegen letztlich nicht zum Abitur zugelassen zu werden. Kann aber nicht anders... Ich bin ?berfordert, impulsgesteuert, ersch?pft. Sehr ersch?pft. Wache morgens wieder fr?her auf und f?hle mich depressiver. Der Kopf wie mit Watte gef?llt. Abgestorben... Ich kann nichtmal behaupten, dass es mir schlecht geht. Es geht mir... gar nicht. Nichts. Nichtsnichtsnichts.
6.9.05 12:45


Diese Frau

rief Zoe auf den Plan. Sie strotze vor Kraft, war energisch, ein bisschen streng, ein kleines bisschen sogar grob, aber gleichzeitig auf rauhe Weise verst?ndnisvoll. Sie nannte sie zerbrechlich und scheu, sprach das Kind in ihr an, Zoe. Trotz ihrer rauhen Art gab sie Zoe das Gef?hl, sich um sie zu k?mmern, rief an, als sie einmal nicht auftauchte, und schimpfte mit ihr, fuhr sie einmal sogar nach Hause, als sie besprochen hatten, dass sie am n?chsten Tag in die Klinik gehen w?rde. In der Klinik besuchte sie sie zweimal. Das war neu f?r Zoe, schmerzlich, be?ngstigend. Und auf gruselige Weise auch sch?n.
6.9.05 13:10


Ich bin mein Gefühl.

Ich habe die DBT verfr?ht verlassen - bin einfach aufgestanden und gegangen, ohne ein Wort. Ich war so w?tend, so ungeduldig, beinahe wahnsinnig vor angestauter Emotion, stand kurz davor, jemanden zu schlagen oder anzuschreien. Es war f?r mich ein unaushaltbarer Zustand. -
An manchen Tagen schwappt der Zorn ?ber, an anderen die Traurigkeit, die Schuld, die Angst oder der Seelenschmerz - dann gibt es das andere Extrem, die Extase, die wilde Freude, die pure Lust am Leben. Und der dritte Zustand ist die Leere.
Wir Borderliner sind unseren Gef?hlen oft ausgeliefert und haben Schwierigkeiten, sie zu kontrollieren oder ad?quat damit umzugehen. Allzuoft verlieren wir uns v?llig im jeweiligen Gef?hl, unsere Pers?nlichkeit, unsere Zukunft, unsere n?chste Handlung sind v?llig vom Gef?hl vereinnahmt. Da gibt es nichts mehr au?er dem Gef?hl, nicht einmal mehr uns selbst. Und es ist, als k?nnte es nie wieder ein anderes Gef?hl geben...
6.9.05 19:55


Meine Fingernägel

sehen furchtbar aus - wie Fingern?gel aussehen, wenn man sie jeden Tag mit einem Cuttermesser bearbeitet. Sie schmerzen, oft bluten die Nagelbetten, die Fingerkuppen sind verletzt. Zerschunden.
Aber es beruhigt mich, einfach mit dem Messer auf sie loszugehen, mich nur darauf zu konzentrieren, mich mit diesem Teil meines K?rpers zu besch?ftigen... Selbstf?rsorge. Das ist das Stichwort.
6.9.05 22:35


Verwirrt blickte Ariadne sich um.

Ihr linker Arm - blut?berstr?mt, in ihrer rechten Hand - eine Rasierklinge. Es war k?hl, drau?en regnete es. Sie sa? mit dem R?cken an die Heizung gelehnt auf dem Fu?boden ihres Zimmers. Das Kaninchen randalierte in seinem K?fig. Und Ariadne fehlten die vorhergehenden Minuten, Stunden. -
M?hsam versuchte sie, zu rekonstruieren, woran sie sich noch erinnern konnte: Morgens war sie zur Schule gegangen, zur ersten Stunde. Philosophie. Zehn vor acht. Sie schaute auf die Uhr: viertel nach zehn. In Ariadnes Kopf ?berschlugen sich die Gedanken. Sie erinnerte sich, zu ihrem Platz gegangen zu sein und sich gesetzt zu haben. Weiter kam sie nicht. Sie hatte einen Filmriss von knapp zweieinhalb Stunden.
Mechanisch erhob sie sich und verband ihren Arm. Der n?chste Griff ging zum Notfallkoffer - sie zerbrach eine Ammoniakampulle und sog den stechenden Geruch ein. Die Tr?nen schossen ihr in die Augen, aber sie wollte ganz sicher gehen, bevor sie das Haus erneut verlie?. Um ihr rechtes Handgelenk legte sie ein Gummiband; in die Hosentaschen kamen ein paar getrocknete Chilischoten und eine weitere Ammoniakampulle. Erst dann griff Ariadne nach ihrem Schl?sselbund und machte sich auf den Weg zum Psychiater.
7.9.05 10:30


Sie hielt an der Ampel.

Alles drehte sich, einschlie?lich ihrem Magen. Ariadne hatte das Gef?hl, wenn sie jetzt weiterf?hre, w?rde sie sich ganz verlieren. Die Welt schillerte, ihre F??e fanden keinen Halt mehr in den Pedalen. Der Weg zum Psychiater war im Moment nicht zu bew?ltigen. Sie musste zur?ck, musste in ihr Zimmer, sich an die Heizung lehnen, hei?en Tee trinken, sich um Zoe k?mmern. Erstmal wieder klarkommen. Das ging so nicht. Vorsichtig, um nicht g?nzlich aus dieser Ebene der Realit?t abzugleiten, wendete sie ihr Fahrrad und fuhr langsam zur?ck.
7.9.05 11:09


Aufgeben...

Ich hasse mein Leben so! Ich hasse die aneinandergereihten Tage voller Nichts und bis zum Ende meines Lebens wird es nie anders werden: Ein Tag vergeht sinnlos, die Nacht folgt, der n?chste Tag folgt, irgendwann gibt es keinen n?chsten Tag mehr. Das ist alles so unendlich sinnlos, formiert und forciert. Geh vorbei! Geh endlich vorbei... lass mich doch einfach sterben. Ich halte das nicht mehr aus.
7.9.05 13:44


Rahel

Rahel muss mich durch den morgigen Tag bringen. Und durch Freitag. Und durch den Samstag. Perverserweise muss ich am Samstag zur Schule. Rahel muss das managen. Die anderen m?ssen solange eben zur?cktreten. Rahel, die schafft das. Irgendwie. Rahel wird mich zwingen, morgen aufzustehen und mich zur Schule zu schleppen. Dazubleiben, auch wenn ich glaube, es keine Sekunde l?nger auszuhalten. Sie hat mich schon durch so viele Jahre gebracht, immer den n?chsten Schritt weiter. Dieses eine l?cherliche Jahr wird sie mich doch wohl noch durchbringen k?nnen! -
Und wenn ich draufgehe!
7.9.05 22:06


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