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Phantasie #3

Ich setze die Klinge an meine Schl?fe und ziehe sie langsam herunter, ?ber meine Wange, die Kehle, bis zum Brustbein. Es blutet, ich sp?re den brennenden Schmerz. Weiter, ?ber die Br?ste, beide Br?ste, den Bauch, dann das linke Bein hinunter bis zum linken Fu?. Eine Ganzk?rperverletzung. Wer mich findet, darf den K?rper behalten, ich bin l?ngst ausgezogen.
21.8.05 19:36


Angst

Ich hasse meinen Kopf, der wieder Angst ausspuckt. Nur eine Stunde in der Schule und ich habe Todesangst, will nur noch weg. Unglaublich - als w?re ich kein vern?nftiger, intelligenter Mensch, als k?nnte ich die Schule nicht mit links bew?ltigen, wenn ich nur an mich glauben und mich darauf konzentrieren k?nnte, als h?tten nicht schon Tausende von Anderen, weniger Begabten das Abitur bew?ltigt. Und doch ist da die Angst, die Beklemmung, dieses furchtbare Gef?hl - am liebsten w?rde ich alles hinschmei?en, ich kann nicht, schaff das nicht - ich f?hl mich bedr?ngt... Und all die Menschen! Das Gedr?nge, dieser Ehrgeiz, immer H?chstleistungen bringen zu m?ssen... Reiz?berflutung, mein Kopf nicht schnell genug, nicht klug genug, nicht ausdauernd genug. Zu sehr mit der Angst besch?ftigt. Hilfe. Alles so wirr, alles scheint sich zu drehen. Angst. Angstangstangst.
22.8.05 10:07


Medikamente und so

Ich bin so abgeschossen von Neuroleptika, dass ich kaum noch geradeaus schreiben kann, aber es geht mir besser - ich bin ruhiger, die Angst hat nachgelassen. Vielleicht muss ich f?r die Schulzeit doch wieder st?rkere Medikamente einnehmen, um mich vor Reiz?berflutungen und Panik, soweit es eben geht, zu sch?tzen. Aber dann wird die Leistungsf?higkeit wieder gestaucht und die der Stress dadurch h?her. Ach, ich wei? nicht. Ich bin so unentschlossen. Am Donnerstag ist mein n?chster Termin beim Psychiater und da er aus dem Urlaub wieder zur?ck ist, werde ich hoffentlich wieder (zwei-)w?chentliche Termine bekommen; dienstags DBT, donnerstags Einzeltherapie, zus?tzlich alle 1 - 2 Wochen beim Psychiater... im September ist meine Therapeutin dann f?r zwei Wochen im Urlaub und mein Psychiater wird mir Ausweichtermine anbieten - das ist der Vorteil, wenn man in einer Klinikambulanz behandelt wird und alle Termine dort hat. Die ?rzte und Therapeuten k?nnen sich gut absprechen und man steht nicht pl?tzlich mal alleine da.
Au?erdem w?rde ich gerne das Remergil absetzen. Ich nehme inzwischen seit einigen Monaten die H?chstdosis, aber mein Schlaf wird immer schlechter (Remergil ist ein schlaff?rderndes Antidepressivum). Dazu kommt, dass Remergil dick macht. Seit ich es nehme, habe ich circa 15 - 20 Kilo zugenommen; ehrlich gesagt bin ich seit mindestens 4 Wochen nicht mehr auf der Waage gewesen. Also, wozu es weiter nehmen, wenn die schlaff?rdernde Wirkung so merklich nachl?sst?
Morgens nehme ich ein zweites AD, Citalopram, dann ein Neuroleptikum namens Eunerpan regul?r t?glich und im Bedarfsfall Tavor, aber nur ganz selten, denn das muss ich mir immer extra aus der Ambulanz abholen. Und als letzter Bedarf ist Zopiclon angesetzt, wenn ich mal gar nicht schlafen kann, aber das nehme ich auch nur selten.
22.8.05 16:15


Und manchmal ist alles gut.

Wenn ich nicht so m?de w?re, dann w?rde ich jetzt an die frische Luft gehen - das Wetter ist doch noch richtig herrlich geworden, sonnig, ein bisschen warm... sch?n. Es geht mir fast gut. Manchmal k?nnen die ?u?eren Umst?nde sehr schnell daf?r sorgen, dass ich mich gut f?hle, dass ich genie?en kann... ja, das gibt es auch! Und das sind die sch?nen Momente, die ausbauw?rdigen.

Wie meine Mitbewohnerin sagt: "Ich liebe mein Borderline! Zwar geht es mir manchmal so richtig schlecht, aber daf?r gehts mir auch total gut, wenn es mir gut geht - das nehme ich in aller Intensit?t wahr. Und wenn ich all die anderen sehe - Wie grau muss deren Leben gegen meines sein!"
22.8.05 16:22


Lecker, Glutamat...

Ich koche einen Nudelsnack von Knorr, denn um richtig zu kochen, mangelt es mir an Kraft. Ich koche sonst gern aus frischen Zutaten - wenn ich mir sonst schon an allen Ecken und Enden selbst schade, dann m?chte ich mich wenigstens gut ern?hren. Aber heute schaffe ich es nicht. Es geht einfach nicht. Die Bet?ubung durch die Medikamente ist noch nicht ganz verflogen und ich f?hle mich schwach und m?de. Kraftlos. Irgendwie am Ende.
Ich trinke gerne Ginger Ale und habe mir vorhin eine Flasche gekauft. Dann kommt heute abend auch meine Lieblingsserie, die einzige, die ich regelm??ig anschaue, Crossing Jordan.
Ich wei?, dass das alles nicht besonders interessant zu lesen ist. Aber mich beruhigt es, ein bisschen von meinem Alltag zu erz?hlen.
Eben habe ich mir einen Becher Joghurt in meinen Nudelsnack ger?hrt. Schreibt man das so: Snack? Ich denke ja, aber sicher bin ich mir nicht...
Irgendwie stimmen die Ma?angaben des Wasseranteils, den man an den Nudelsnack mischen soll, nie. Dar?ber wollte ich mich schon lange einmal beschweren. Man tut einen halben Liter Wasser dran und wenn die Nudeln gar sind, ist der Snack noch viel zu fl?ssig. Was soll das? Dabei gare ich ihn immer ohne Deckel.
Ich habe einen von den drei gro?en L?ffeln gesp?lt, die sich in unserem Besitz befinden. Wenn ich das n?chste Mal in der Klinik bin, muss ich mal ein paar L?ffel mitgehen lassen, auch kleine. Das letzte Mal habe ich zwei Geschirrhandt?cher mitgenommen. Unsere WG ist arm.
Nun, mein Nudelsnack ist fertig. Ich werde ein bisschen vox gucken und essen.
22.8.05 20:19


Abschlussrunde.

Ariadne streckte die schlanken Finger. Entnervt schaute sie Richtung T?r. "Abschlussrunde." Herr R. blickte sie an. Sie starrte trotzig zur?ck. "Ich w?sste nicht, was ich sagen sollte. Mir gehts nicht viel anders als zu Beginn." - "Ich wei? aber nicht mehr, wie es Ihnen da ging..." Ariadne schwieg. Ok, das wei?t du nicht mehr. Dann lass mich jetzt auch in Ruhe. Ich will hier raus. - "Ich habe einen schlechten Tag." - "Haben Sie denn eine Vermutung, woran das liegen k?nnte?" Ja, daran, dass ich mir hier anh?ren darf, dass X. von ihrem Orgellehrer vergewaltigt wurde, Y. ihren Rasierer auseinandergebaut und sich damit geschnitten hat, bevor sie merkte, was sie tat, und Z. sich letztes Wochenende geschlagene 17 mal erbrochen hat. "Nein. Doch, ja. Aber das will ich hier jetzt nicht diskutieren." - "Dar?ber will ich ja auch gar nicht diskutieren. Ihnen geht es also schlecht." Ariadne erwiderte seinen Blick nicht. Ja, mir geht es schlecht. Ich will mich umbringen. Ich will mich schneiden. Ich will eine ?berdosis Tabletten schlucken oder Weichsp?ler trinken. Und du wirst mich hier einfach rausgehen lassen, denn ich werde dir nichts von alledem sagen. "Die Sitzung hat es nicht unbedingt besser gemacht." Sie hasste sich daf?r, dass sie nicht sagen konnte: Es geht mir gut, ich bin stabil. "Aha, na gut. Danke." Ariadne f?hlte sich abgew?rgt. Und gleichzeitig war sie froh, dem stickigen Raum zu entkommen und ihr Befinden nicht l?nger vor allen freilegen zu m?ssen. Manchmal fragte sie sich, ob sie ?berhaupt zufriedenzustellen war.
23.8.05 19:02


Was nützt

mir eine Pro-Contra-Liste gegen die Angst, wenn ich morgens zur Schule gehe?! Bisher bin ich doch hingegangen und ich werde mich auch weiter dazu zwingen - und gegen meine Gef?hle kann eine Liste nicht an. Mein Problem ist doch gar nicht, dass ich nicht hingehe, mein Problem ist, dass ich irrsinnige ?ngste habe, w?hrend ich dort bin, und dass ich das Gef?hl habe, es nicht zu schaffen, weil ich nicht stark und belastbar genug bin, nicht durchhalten kann, wieder zusammenbreche, einfach zu dumm und zu sehr mit meiner Gesundheit besch?ftigt bin... Wozu also diese Liste? Ich glaube, du hast mir gar nicht richtig zugeh?rt.
23.8.05 19:39


Und das Leben

Wie ich das Leben gerade liebe! Die Sonne scheint, es ist Sommer...

"Es ist Sommer, egal ob man schwitzt oder friert,
Sommer ist, was in deinem Kopf passiert"


Zwar habe ich gleich nochmal Schule, aber der Weg dorthin wird wunderbar - die Luft ist morgens so toll, gerade heute, das Licht, die B?ume - mir kann nichts und niemand etwas anhaben. Ich lebe, lebe, lebe!
Wie kann man nur leben, ohne so intensiv zu sp?ren und wahrzunehmen, wie ich? Wie kann man das Leben so aushalten? Wie langweilig muss das sein?

"Es ist Sommer, ich hab das klargemacht,
Sommer ist, wenn man trotzdem lacht!"


Ich lach dem Feind ins Gesicht - mir kannst du nichts, ich werd mein Leben leben, versuch doch, mich dran zu hindern! Ich bin st?rker als du, viel st?rker. - Und das Leben ist wundervoll!
24.8.05 10:24


Lebenslust

Eigentlich bin ich ein lebenslustiger Mensch - ich liebe den Geschmack des Lebens, die W?rze der Nacht, den Pfeffer der Liebe, einzuatmen und auszuatmen und wieder einzuatmen, ganz tief, zu lachen und zu tanzen, laut zu singen und Musik zu machen - ja, mein Hunger nach Leben ist unermesslich... eigentlich.
Nur bin ich zu klein gemacht worden. So klein, dass ich meinen Hunger nicht stillen kann, so klein, dass ich manches Mal den Tod vorziehe... so klein, dass ich meine Kr?fte benutze, um mich kleinzuhalten, statt daf?r, mit allen Sinnen zu leben. Ja, ich bin sinnlich, sehr sogar. Im doppelten Sinne.
Wie lebensfreudig k?nnte ich sein, wenn ich mich nicht so destruktiv verhalten w?rde, wenn ich nicht so belastet w?re! Manchmal kann ich sp?ren, wie ich w?re, wenn ich gesund w?re - und wie es sein wird, wenn ich gesund bin, denn ich werde k?mpfen. Um mein Leben werde ich k?mpfen. Das lasse ich mir doch nicht einfach so zerst?ren! Nein. Die Momente, in denen meine Lebenslust hervorbricht, die geben mir die Kraft, weiterzumachen.
24.8.05 21:21


Therapieergebnis #2

Ich bin so verkopft, dass mir essen und schlafen manchmal allzu profan vorkommen; dann esse ich nicht und schlafe nicht. Ich kann nur schwer akzeptieren, dass ich solche rein k?rperlichen Bed?rfnisse habe - wie sie jeder Mensch hat. Aber die Befriedigung der Grundbed?rfnisse ist die Basis, damit es einem gut gehen kann. Ich soll versuchen, mir das bewusst zu machen, wenn ich wieder in Versuchung gerate, nicht zu essen oder mir selbst Schlaf zu entziehen. Mal schauen, ob das was wird...
Erg?nzung: Wenn ich nicht esse, f?rdere ich damit die Leere.

Wenn ich mich schneide, hat das einen Aspekt der Selbstf?rsorge - anschlie?end kann ich die Wunden versorgen und mir auf diese Weise etwas Gutes tun. Das k?nnte ein Faktor sein, der das Schneiden bei mir manifestiert, da ich sonst kaum in der Lage bin, mir etwas zu g?nnen. Als Wiedergutmachung einer Selbstverletzung soll ich nicht meine Wunden versorgen (nat?rlich soll ich sie versorgen, aber eben nicht als Wiedergutmachung), sondern etwas ganz unabh?ngig davon tun, das f?r mich gut ist.
Erg?nzung: Bei Substanzmissbrauch w?re eine M?glichkeit der Wiedergutmachung, den Alkohol, der noch im Haus ist, in den Abfluss zu kippen, bzw. Tabletten immer erst direkt vom Arzt abzuholen.

Der Gedanke, nirgendwo sicher zu sein und keine Sicherheit haben zu d?rfen, h?ngt wohl damit zusammen, dass ich mich im Elternhaus so in die Ecke gedr?ngt gef?hlt habe - dass kein Raum f?r mich war, denn den ganzen Raum nahm meine Mutter ein, jede ihrer Bewegungen im Haus h?rte ich, jeden ihrer Schritte, jedes Wort, ihre Selbstgespr?che, ihr Weinen, alles. sp?ter generalisierte sich das Gef?hl gegen?ber allen Famillienmitgliedern und schlie?lich gegen?ber allen Menschen. Wenn ich Ger?usche oder mich sonstwie bemerkbar machte, dann nahm ich ihr den Raum weg. Im Grunde war ich nirgends sicher vor ihr.
Heute zieht sich das durch meinen Alltag in der WG. Ich ?berlege mir dreimal, ob ich mein Zimmer verlasse, weil meine Mitbewohnerin mich h?ren oder ich ihr begegnen k?nnte.
Ich soll versuchen, diesen Gedanken nach und nach zu relativieren: In meinem Zimmer bin ich sicher. Das ist der erste Schritt.

Die Sitzung h?ngt mir noch ziemlich nach. Es war sehr schwer, nicht aufzustehen und zu gehen oder wegzudissoziieren, als wir ?ber die Hintergr?nde der Kognitionen sprachen. Zum Schluss haben wir noch eine Imaginations?bung, den inneren sicheren Ort, gemacht und ich h?tte beinahe losgeweint, weil der Gedanke so stark war, dass ich das nicht verdiene, dass ich diese Sicherheit nicht haben darf... Weil mich die Stimme meiner Therapeutin so emotional anging. Ich bin immer noch kurz vorm Weinen, wenn ich daran denke.
Der Schneidedruck ist im Moment wieder sehr pr?sent.
25.8.05 22:48


geschnitten

Ich habe mich gestern abend doch noch geschnitten. Schon im Nachthemd auf dem Bett sitzend meinen orangefarbenen Schuhkarton unter dem Bett hervorgezogen und Verbandsmaterial herausgenommen, bereitgelegt, vom Leukoplast vorsorglich zwei schmale Streifen abgeschnitten. K?chenpapier geholt, um das Blut aufzufangen, wenn es meinen Arm herunterrinnt und auf mein Bett und meine Kleidung zu tropfen droht.
Dann die Rasierklinge in die Hand genommen, einen Moment der Sch?rfe nachgesp?rt, und dann angesetzt, schnelle, tiefe Schnitte ?ber die Innenseite meines linken Unterarms. Zu tief. Sie h?tten gen?ht werden m?ssen. Eigentlich. Aber ich bin nicht in Krankenhaus gefahren, ich habe die Schnitte selbst versorgt und bin dann schlafen gegangen, war ich doch schon trunken von den Medikamenten, zu sehr, um das Haus noch zu verlassen.
Ich habe noch Schmerzen, aber ich genie?e sie, genie?e das Stechen und Brennen.
Aufh?ren? Manchmal wei? ich gar nicht, ob ich das will, oder ob das Schneiden nicht viel zu gut tut, um es aufzugeben. Es gibt so wenig, was dagegen spricht.
26.8.05 12:43


Das Dunkel im Kopf

"... Freiheit artet zu Z?gellosigkeit aus..." Dem Sinnfetzen war es gelungen, sich einen Weg durch das Dunkel in Ariadnes Kopf zu bahnen und in ihr Bewusstsein zu dringen. F?r einen Moment nahm sie wahr, dass sie blicklos schr?g durch den Raum richtung T?r starrte. Dann versank die Welt um sie herum wieder in einem endlosen Flimmern und Rauschen. "Hobbes... der Unterschied zu Kant.... Naturzustand..." Einzelne W?rter nahm sie hin und wieder auf, ohne je Sinn oder Zusammenhang zu verstehen. Ihr K?rper hing wie eine taube H?lle leer auf dem Stuhl. Sie versuchte, zu atmen, konnte aber nicht tief genug Luft holen, um ihren Bedarf an Sauerstoff zu decken. Als es endlich klingelte, stand sie auf, wankte mit unsicheren Schritten zwischen den Mitsch?lern hindurch und verlie? den Raum.
26.8.05 13:12


Gedankenverloren

Im Hintergrund lief "Leaving Home" von den Beatles. Rahel versuchte vergeblich, sich auf ihre Lateinhausaufgaben zu konzentrieren. Ihre Gedanken schweiften ab. Sie lauschte dem Text des vertrauten Songs und dachte daran, wie sie ihn kennengelernt hatte. Hin und wieder schlug sie ein Wort im Stowasser nach und schrieb es nieder, obgleich ihr klar war, dass sie schlie?lich im Internet nach einer passenden ?bersetzung suchen und diese als Richtlinie nehmen w?rde. Rahel legte nichts weiter als eine gewisse Tr?gheit an den Tag, um der unsagbaren Leere und Langeweile zu entkommen, die sich in ihr breitmachte.
26.8.05 13:35


Klapsenszene #1

"Hat ein Kind, das zur Waisen wurde, das Recht, traurig zu sein?"
"Ja".
"Und hat ein Kind, dass zur Waisen wurde, obgleich die Eltern noch lebten, das Recht, traurig zu sein?"
"Ja, ich denke schon..."
"Und hat ein Kind, das von den eigenen Eltern zur Waisen gemacht wurde und weiterhin auf engstem Raum, hautnah mit ihnen zusammenleben musste, das Recht, traurig zu sein?"
Ariadne schwieg und blickte zu Boden. Dann fl?sterte sie: "Ist das denn so?"
"Ja. Wissen Sie, ich habe mich immer gefragt, warum Sie nicht nach Hause gehen und das da regeln - direkt mir Ihren Eltern. Jetzt verstehe ich es: Sie sind schon so lange allein, so lange eine Waise, nur die r?umliche Trennung, die gab es nie. Nun ist erstmal dran, dass Sie Ihren Raum bekommen, der bisher immer fehlte. Das ist der erste Schritt, damit es Ihnen besser gehen kann. Und das geht in Ihrem Elternhaus nicht".
Ariadne schwankte zwischen losweinen und hysterisch lachen. Ihre Schultern zuckten und sie stand still da, ganz still, ohne ein Wort zu sagen.
"Ach, Frau K. Kommen Sie mal her." sagte die Pflegerin und nahm Ariadne in die Arme, hielt sie fest wie ein kleines Kind, bis sie sich aus der Umarmung l?ste. Ariadne, die sonst vor jeder Ber?hrung zur?ckscheute, lie? es geschehen und schmiegte sich in die warme Halsbeuge.
26.8.05 19:39


Flucht

Einmal mehr Angst vor morgen, Angst vor jedem der kommenden Tage, Angst vor der Vergangenheit. Fluchtgedanken. Raus aus allem, aus dieser Schule, dieser Stadt, diesem Leben. Suizidgedanken, der Suizid als M?glichkeit, zu entkommen. Wegwegweg. Nicht mehr aushalten k?nnen... Ich scheine nicht f?r dieses Leben geschaffen zu sein - ich scheine nicht einmal f?r irgendein Leben geschaffen zu sein. Vergiftet. Kopflos.
Alles f?llt mir so schwer... alles.
Wie kann man nur derartig zwischen Lebenshunger bis hin zur Unsterblichkeit und Todessehnsucht schwanken?
Und warum trifft mich das, warum kann ich nicht einfach wieder funktionieren, wie fr?her... nur funktionieren. Nichts weiter. Die einzige M?glichkeit, das zu schaffen, so scheint es mir.
26.8.05 22:59


Und dann und wann...

Manchmal komme ich mir in diesem Leben vor wie auf einem Karussell, das sich immer schneller und schneller dreht - die Musik wird schriller, h?her - die Landschaft, die drau?en vorbeisaust, verschwimmt - noch kann ich mich festhalten, aber ich wei?, demn?chst werde ich die Kurve nicht mehr kriegen, aus ihr herausfliegen, weil der Sog - oder Druck? - der Fliehkraft immer gr??er wird, zu gro?...
27.8.05 13:57


Suche und Sucht

Ist sie das nicht l?ngst geworden, meine Suche: eine Sucht? S?chtig nach angenommen sein, sich anlehnen d?rfen, nach etwas, das mir niemand geben kann, niemand je wieder wird geben k?nnen - Mutter, Vater, unerreichbar. Nie wieder wird es Menschen f?r mich geben, die mich vorbehaltlos lieben wie ihr eigenes Kind, wenn es noch ein kleines M?dchen ist, sechs, sieben, mit dunkelblonden Haaren und gro?en gr?nen Augen, mit abgekauten Fingern?geln und viel zu d?nn, sch?chtern und still, fr?hlich und voller zorn, ?ngstlich und lebendig.
Ich sehne mich nicht nach meinen Eltern, ich sehne mich nach den Eltern, die es f?r mich nie gab. Sehn-sucht. Als ob es nie anders werden k?nnte. -
Als ob ich nicht erwachsen w?re, entwachsen... und doch verwachsen mit meiner Sehnsucht, die niemand stillen kann, die niemand auff?ngt.
Kleines M?dchen, was weinst du? Wei?t du nicht, dass du nie geborgen sein kannst? Es ist vorbei, du bist gro? geworden. Du bist zu lange erwachsen gewesen.

Vergewaltigte Kinderseele.
27.8.05 22:21


kompromisslos

Schlaflos und traurig, schneiden, an nichts anderes denke ich, wieder einmal. Als ob es nichts anderes in meinem Leben g?be, zumindest in diesem Moment. Es ist diese Kompromisslosigkeit, die es mir schwer macht. Als sei da sonst nichts - das steht in keiner Relation. Es gibt keine Relationen in meinem Leben. Es gibt nur ja oder nein, an oder aus, lebendig oder tot.
Mit aller ?berzeugung und Begeisterung: Ja.
Mit aller Abscheu und voller Hass: Nein.
Die Farben meiner Gef?hle schreien mich an, schlagen mich ins Gesicht, ich verliere den Boden unter den F??en: An.
Kein Gesp?r f?r irgendetwas, durchs Leben humpelnd, alles wie von fern, nicht wissen, was, wie, warum: Aus.
Die Welt strahlt, strotzt, lacht, weint, ?berall Licht, Schatten, W?rme, K?hle, Wachstum, Gr?n: Lebendig.
Alles grau, vergiftet, leer, endlos, sinnlos, automatisiert: Tot.
Wie soll ich das jemals bew?ltigen? Gibt es Menschen, die sowas bew?ltigen, ohne wahnsinnig zu werden? Bin ich vielleicht schon wahnsinnig? So wirr...
28.8.05 01:09


die Zeit zurückdrehen...

Gestern habe ich mir eine Flasche Cola Light gekauft und nun werde ich sie anbrechen, Musik anmachen, Klaviersonaten vielleicht, und einige Briefe schreiben, per Hand ausnahmsweise. Es ist Zeit. Es ist Sonntag. Wenn es doch ein wenig regnerischer w?re, dass ich hier sitzen und beim Schreiben dem Trommeln der Tropfen an den Fensterscheiben lauschen k?nnte...
Ich schreibe an meinen Bezugspfleger w?hrend meines Klinikaufenthalts im letzen Jahr, an meine Lateinlehrerin der f?nften bis achten Klasse und meine Grundschullehrerin - lauter Briefe, die ich l?ngst angefangen haben wollte... und m?chte doch nur an eine schreiben, an meine Mutter, die ich mehr vermisse als f?hlbar sein kann. Manchmal w?rde ich gern die Zeit zur?ckdrehen, ein Jahr vielleicht, und es besser machen - nicht gehen, sie nicht verlassen. Oder weiter noch, nochmal zw?lf sein, all die Fehler... oder doch lieber f?nf, mein Verhalten korrigieren, vielleicht ginge es mir heute besser, vielleicht h?tte ich nicht all die Schuld auf mich geladen.
Vielleicht w?re alles anders. -
Aber es wird nie mehr anders werden. Ich bin schuldig. Ich habe ihnen das Herz herausgerissen, sie niedergetreten in meiner Not, sie vergiftet mit meiner Selbstsucht.
Missbraucht, ja. Aber ist es kein Missbrauch, was ich nun treibe? Bin ich nicht die, die sie im Stich lie??

Verloren.
28.8.05 14:48


Phantasie #4

Jedes ?berfl?ssige Gramm Fett mit einem Messer von den Oberschenkeln schneiden...
29.8.05 23:14


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