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Eine Aventsgeschichte

Die Straßenbahn war seltsam leer und ruhig an diesem Morgen des 19. Dezember, als ich von Stahlhausen nach Linden fuhr. Ich saß mit dem Rücken zur Fahrtrichtung und lehnte meine Stirn an die kühle Scheibe, die durch meinen Atem beschlug und auf diese Weise die bereifte Landschaft vor meinem Blicken verbarg, und genoss die Eintönigkeit der Fahrt. Menschen stiegen ein und aus und ich nickte gelegentlich ein und schreckte wieder auf, nur um festzustellen, dass ich noch weitere vier, drei, zwei Haltestellen zu fahren hatte.

„Wachen Sie auf, Sie müssen jetzt aussteigen!“

Der alte Mann, der eben noch mir gegenüber auf der anderen Seite der Tür gesessen hatte, stand auf einmal vor mir und blickte aus klaren blauen Augen auf mich herab. Er war recht klein, hatte kurz geschorenes ergrautes Haar und war mit einem knittrigen grau karierten Mantel bekleidet. Als wir gemeinsam ausstiegen, bemerkte ich, dass er sich auf eine Gehhilfe stützte und sich nur sehr mühsam auf zwei verdrehten Füßen fortbewegte. Wenngleich ich mich fragte, woher er gewusst hatte, wo ich aussteigen musste, bedankte ich mich höflich, dass er mich geweckt hatte, und wollte schon gehen, da ergriff er noch einmal das Wort.

„Ich habe sehr lange in Duisburg gearbeitet, wissen Sie. Ein Arbeitskollege von mir kam immer mit dem Zug aus Düsseldorf, jeden Tag. Und einmal, an einem 23. Dezember, ist er auf der Rückfahrt nach Hause auch eingeschlafen, so wie Sie eben. Er wachte auf, als es ihm etwas kühl wurde, und da stand der Zug still und es war ganz dunkel. In den alten Zügen damals hatte man noch Schiebefenster, davon hat er eines geöffnet, einen Arbeiter von den Schienen zu sich gerufen und ihn gefragt, wo er denn sei. Und der erwiderte, in Nürnberg. Wo er denn hingewollt habe? Nach Düsseldorf, hat mein Arbeitskollege geantwortet. Da lachte der Arbeiter und sagte: Nach Düsseldorf, na, dann bleiben Sie einfach sitzen. Ihr Waggon wird gleich wieder angehängt und fährt zurück nach Düsseldorf. Und weil jeder Schaffner, dem er auf dem Rückweg diese kleine Geschichte erzählte, so herzlich lachen musste an diesem letzten Tag vor Heiligabend, musste er sich um den Rückfahrschein keine Sorgen machen.“

Er zwinkerte mir zu, wünschte mir frohe Festtage und wandte sich zum Gehen. Nun weiß ich ja nicht viel über Engel, aber doch, dass sie in unterschiedlichen Gestalten zu uns kommen und wir sie nicht immer sofort erkennen. Ich für meinen Teil glaube sicher, dass ich an diesem 19. Dezember einem Engel begegnete.



Euch allen frohe Weihnachten. Und danke. Danke.
24.12.07 16:23
 


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Sombra / Website (24.12.07 21:16)
Dir auch! *lächel


black85 (25.12.07 18:04)
Dir auch, danke, und ich wünsche dir noch viele solcher schönen, wenn auch manchmal mit dem Verstand nicht zu erklärenden Erlebnisse.
alles liebe dir
black

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